Sven Wolf, Chefarzt des Notaufnahmezentrums Diakovere in Hannover, ist für rund 57.000 Patienten pro Jahr verantwortlich. Seit Beginn seiner Berufslaufbahn Ende der 1990er-Jahre habe sich die Situation deutlich verändert.
Sven Wolf, Chefarzt des Notaufnahmezentrums Diakovere in Hannover, ist für rund 57.000 Patienten pro Jahr verantwortlich. Seit Beginn seiner Berufslaufbahn Ende der 1990er-Jahre habe sich die Situation deutlich verändert.
Während Patienten damals meist höchstens 15 Minuten bis eine Stunde warten mussten, seien heute Wartezeiten von bis zu zehn Stunden bei leichteren Beschwerden möglich.
Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin zeigt, dass beinahe die Hälfte der befragten Einrichtungen ihre Situation als überlastet beschreibt. In einigen Notaufnahmen besteht demnach sogar eine akute Gefährdung von Patienten.
Der Umfrage zufolge war das Patientenaufkommen nur bei 2,6 Prozent der Notaufnahmen gering. Bei 22,1 Prozent wurde es als normal eingestuft. Rund 30 Prozent meldeten ein hohes Patientenaufkommen, jedoch keine Überlastung. In den Stufen vier bis sechs gaben 45 Prozent der Einrichtungen an, überlastet zu sein. Bei 5,5 Prozent bestand sogar eine akute Gefährdung von Patienten.
Zusätzlich berichteten rund 60 Prozent der Notaufnahmen in Deutschland von einem sogenannten Exit-Block. Damit ist gemeint, dass Patienten nach der Behandlung in der Notaufnahme weiter versorgt werden müssen, weil auf den regulären Stationen keine freien Betten zur Verfügung stehen.
Die langen Wartezeiten verschärfen nach Angaben Wolfs die Stimmung in den Notaufnahmen. Verbale Aggressionen seien relativ häufig, zugleich nehme auch körperliche Gewalt zu. Mitarbeitenden werde mit Schlägen gedroht, außerdem komme es zu Ausrastern.
Zum Schutz des Personals gibt es in der Notaufnahme unter anderem Bereiche mit Plexiglasscheiben. Wenn Mitarbeitende mit Patienten im Raum sind, müssten sie immer häufiger mit körperlicher Gewalt rechnen.
Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung könnte die Arbeitsbedingungen in den Notaufnahmen verbessern. Die Reform der Notfallversorgung soll noch im Herbst in das Parlament eingebracht werden. Bis dahin könnte der Druck auf die Notaufnahmen weiter zunehmen.