Wenig beachtete Signale weisen schon um die 50 auf erhöhtes Demenzrisiko hin - depressive Symptome wie Verlust des Selbstvertrauens.
Wer um die 50 an bestimmten depressiven Symptomen leidet, hat ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko. Besonders der Verlust des Selbstvertrauens und die Unfähigkeit, sich Problemen zu stellen, fallen auf.
Es beginnt oft ganz unscheinbar: Kleine Entscheidungen fallen schwerer, das Aufstehen am Morgen wirkt mühsamer, und Gespräche mit Freundinnen oder Kollegen fühlen sich anstrengender an als früher. Gerade im mittleren Erwachsenenalter schreiben das viele dem Stress oder Alter zu.
Dabei lohnt es sich besonders sechs depressive Symptome genauer im Blick zu haben, wie eine Studie zeigt. Wer in der Lebensmitte, also im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, an bestimmten Symptomen leidet, hat ein erhöhtes Demenzrisiko. Die vermeintlich harmlosen Wesensveränderungen gehen mit einem bis zu 50 Prozent höheren Krankheitsrisiko einher.
Was die Forscher überraschte: Besonders sechs spezifische Symptome schienen mit dem persönlichen Demenzrisiko zusammenzuhängen.
„Alltägliche Symptome, die viele Menschen in der Lebensmitte erleben, scheinen wichtige Informationen über die langfristige Gesundheit des Gehirns zu liefern. Die Beachtung dieser Muster könnte neue Möglichkeiten für eine frühzeitige Prävention eröffnen“, kommentiert Philipp Frank vom University College London seine Forschungsergebnisse.
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„Die Zusammenhänge waren unabhängig von bekannten Risikofaktoren für Demenz, darunter APOE4-Status (Apolipoprotein E4, genetische Risikovariante für die Alzheimer-Demenz; Anm. d. Red.) kardiometabolische Erkrankungen und Lebensstilfaktoren“, schreiben die Forscher weiter.
Dass Menschen mit einer diagnostizierten Depression in ihrer Lebensmitte ein erhöhtes Demenzrisiko haben, stellen Forscher immer wieder fest. Auch die neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“, bestätigt das.
Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 5800 britischen Beamten, die zwischen April 1997 und Januar 1999 einen 30-teiligen Fragebogen ausgefüllt hatten. Die Teilnehmer, damals im Schnitt 55,7 Jahre alt, machten darin Angaben zu psychischen Belastungen wie Stress, Angst oder depressiven Symptomen. Wer fünf oder mehr Punkte in diesem „General Health Questionnaire“ (GHQ-30) erreichte, galt in der Studie als depressiv.
Über einen Beobachtungszeitraum von mehr als 22 Jahren entwickelten 586 der Personen eine Demenz. Für die Menschen, die in ihrer Lebensmitte nach den Kriterien eine depressive Störung hatten, lag das Risiko tatsächlich um 27 Prozent höher als bei Personen ohne.
Bei Personen, die zu Beginn der Studie jünger als 60 Jahre waren, erklärten die sechs Symptome laut der Forscher sogar vollständig den Zusammenhang zwischen Depression und Demenzrisiko. Im Gegensatz dazu zeigten andere depressive Symptome, darunter
langfristig keinen signifikanten Zusammenhang mit Demenz.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Demenzrisiko eher mit einer Handvoll depressiver Symptome als mit Depressionen insgesamt zusammenhängt“, sagt Frank. „Dieser symptomorientierte Ansatz vermittelt uns ein viel klareres Bild davon, wer Jahrzehnte vor Ausbruch einer Demenz besonders gefährdet sein könnte.“
Auch wenn die neue Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge zwischen Demenz und Depressionen ein Stück aufschlüsselt – sie besagt nicht, dass die Symptome auch ursächlich zu einer Demenz führen.
In der Arbeit weisen die Forscher allerdings darauf hin, dass die beschriebenen Symptome zu einem Rückgang des sozialen Engagements und zu weniger kognitiv stimulierenden Erfahrungen führen können. Beides sei wichtig für die Aufrechterhaltung der kognitiven Reserve – also der Fähigkeit Ihres Gehirns, mit Schäden oder Krankheiten umzugehen.
„Es gibt einige begrenzte Hinweise darauf, dass die Behandlung von Depressionen in der Lebensmitte das spätere Demenzrisiko senken könnte, aber es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um besser zu verstehen, wie das Risiko am besten reduziert werden kann.“ bilanziert Gill Livingston, ebenfalls einer der Autoren der Studie.
Hinzu kommt: Ein Großteil der Teilnehmer war männlich (72 Prozent) und weiß (92 Prozent). Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu bestätigen, ob diese sechs Symptome auch für Frauen und ethnische Minderheiten gelten.
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