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Landtags-Grüne alarmiert: „Viele Todesfälle bei Kälbern und Ferkeln“

Дата публикации: 07-10-2026 07:15:00

Die Zahl der Falltiere bei Kälbern und Ferkeln ist laut den Landtags-Grünen in Bayern alarmierend. Sie fordern daher eine Gesundheitsdatenbank. Der Bauernverband ist skeptisch.

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Stand: 07.10.2026, 09:15 Uhr

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Birkach, Deutschland, Ferkel in einem Biobetrieb

Ferkel in einem Stall in Bayern: Zu viele Tiere verenden bereits am Anfang ihres Lebens, sagen die Grünen. © Schwarz

Die Zahl der Falltiere bei Kälbern und Ferkeln ist laut den Landtags-Grünen in Bayern alarmierend. Sie fordern daher eine Gesundheitsdatenbank. Der Bauernverband ist skeptisch.

Dieses Thema macht kein gutes Gefühl: „Alarmierend viele Todesfälle bei Kälbern und Ferkeln“, so lautet der Titel einer Pressemitteilung der Landtags-Grünen. Es geht darin um Falltiere – das sind Tiere, die nicht geschlachtet werden, sondern bereits auf dem Bauernhof verenden oder auf dem Schlachthof „verworfen“ werden, so lautet der Fachbegriff. Anschließend werden sie in Tierkörperbeseitigungsanlagen verwertet.

Nach Angaben der Landtags-Grünen ist die Zahl der Falltiere in Bayern „deutlich angestiegen“. Das gehe aus der Antwort des bayerischen Umweltministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Grünen hervor. Der federführende Abgeordnete Paul Knoblach, selbst Landwirt, sagt: „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass jedes Jahr Hunderttausende tote Kälber und Ferkel in Tierkörperbeseitigungsanlagen landen.“

Laut Landtags-Grünen ist die Zahl der Falltiere deutlich angestiegen

Zur Statistik: Bei Rindern wurden nach Angaben der Grünen 179.910 Falltiere im Jahr 2025 verzeichnet, damit rund 10.000 mehr als im Vorjahr. 73 Prozent waren laut Auswertung durch die Grünen Totgeburten, Kälber oder Jungtiere bis zu einem Jahr. Bei den Schweinen habe es im vergangenen Jahr 927.326 Falltiere gegeben, rund 50.000 mehr als im Vorjahr. Darunter seien viele Jungtiere.

Was sind die Gründe? Bei den Grünen betont man, man wolle keinem Landwirt unterstellen, dass Tiere absichtlich vernachlässigt oder gequält würden. Allerdings gebe es strukturelle Gründe für eine erhöhte Sterblichkeit. „Bei Schweinen liegt es an der Zucht“, sagt Frigga Wirths. Sie ist Tierärztin und Mitarbeiterin des Abgeordneten Knoblach, und hat die Zahlen ausgewertet. Das Zuchtziel seien möglichst große Würfe – viele Ferkel seien dann aber zu klein und könnten sich gegenüber ihren Geschwistern nicht durchsetzen, wenn es um einen Platz an den Zitzen geht. Eine Rolle spiele auch die Tendenz zu großen Intensivhaltungen, in der die Einzeltiere nicht immer genau beobachtet werden können. Infekte breiteten sich zudem in großen Stallungen schnell auf sehr viele Tiere aus. Und weil Landwirte oft unter großem finanziellem Druck stünden, lohnten sich tierärztliche Behandlungen von schwachen Tieren manchmal nicht. „Viele Bauern müssen sehr eng kalkulieren“, sagt die Tierärztin.

Angedacht als Frühwarnsystem: Bayerns Grüne fordern Tiergesundheitsdatenbank

Dem widerspricht der Bayerische Bauernverband. Irene Pfeiffer, Referentin für Tierhaltung und Tierschutz, sagt: „Jeder Tierhalter hat ein grundlegendes Interesse an Tiergesundheit.“ Milchreferent Thomas Schmidt weist darauf hin, dass der aktuelle Kälberpreis mit etwa 1000 Euro so hoch wie lange nicht ist. Zudem seien die Zahlen der Grünen teilweise irreführend: Im Vergleich zum Jahr 2000 etwa hätten sich laut Landeskuratorium der Erzeugerringe für Tierische Veredelung in Bayern die Kälberverluste halbiert. „Das ist eine positive Entwicklung.“ In der Natur sei die Sterblichkeit höher. Zudem gebe es neue Krankheiten, die die Falltierzahlen erhöhen, etwa das Shamonda-Virus oder die Blauzungenkrankheit. „Gleichwohl würden wir natürlich gerne verhindern, dass Tiere sterben müssen.“

Schweinezucht

Ferkel stehen in einer Box in einer Schweinezuchtanlage. Zu viele Tiere verenden bereits am Anfang ihres Lebens, sagen die Grünen. © Jens Büttner

Um die Zahl der Falltiere zu senken, fordern die Landtags-Grünen – nicht zum ersten Mal – eine Tiergesundheitsdatenbank. Darin sollen Daten aus Schlachthöfen, Tierkörperbeseitigungsanlagen sowie Lebensmittel- und Tierschutzkontrollen zusammengeführt werden. Angedacht wäre ein Frühwarnsystem: Sind die Zahlen in einem Betrieb auffällig, könnte der Amtstierarzt genauer hinschauen. Das unterstützt die Landestierärztekammer. Präsidentin Iris Fuchs, selbst Amtstierärztin in Bayreuth, schlägt vor, alle ohnehin erhobenen Daten zusammenzuführen. Ohne, dass der Amtstierarzt Einblick in alle Daten hätte, könnte das System bei Auffälligkeiten in einem Betrieb warnen. „Dann muss der Veterinär nicht gleich einen Strafzettel verteilen – aber vielleicht beraten.“ Zudem wäre es möglich, neue Krankheiten schneller zu identifizieren und zu bekämpfen.

Das sagt die Staatsregierung

Für Tierschutz ist in der bayerischen Staatsregierung das Umweltministerium zuständig. Zu den Falltier-Zahlen teilt die Behörde mit, dass diese „jährlichen Schwankungen unterliegen“, es sei im Vergleich der letzten vier Jahre bei Rindern keine auffällige Steigerung für 2025 zu erkennen, sondern eine Reduktion gegenüber 2022 und 2023. Für eine umfassende Tiergesundheitsdatenbank fehlt es laut Ministerium an den rechtlichen Voraussetzungen – die müsste der Bund schaffen. Die Länder hätten den Bund schon mehrfach dazu aufgefordert.

Bauernverband fordert mehr Erforschung der neuen Krankheiten

Für Tierschutz ist in der bayerischen Staatsregierung das Umweltministerium zuständig. Zu den Falltier-Zahlen teilt die Behörde mit, dass diese „jährlichen Schwankungen unterliegen“, es sei im Vergleich der letzten vier Jahre bei Rindern keine auffällige Steigerung für 2025 zu erkennen, sondern eine Reduktion gegenüber 2022 und 2023. Für eine umfassende Tiergesundheitsdatenbank fehlt es laut Ministerium an den rechtlichen Voraussetzungen – die müsste der Bund schaffen. Die Länder hätten den Bund schon mehrfach dazu aufgefordert.

Der Bauernverband hält nichts von einer solchen Datenbank. Thomas Schmidt: „Wir befürchten, dass noch mehr Bürokratie kommt, die letztlich nichts bringt.“ Besser wäre es, mehr Geld und Zeit in die Erforschung der neuen Krankheiten zu investieren.

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