Eine neue Forschungsexpedition bricht auf, um das Flugzeugwrack der berühmten Pilotin zu finden.
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Eine neue Forschungsexpedition bricht auf, um das Flugzeugwrack der berühmten Pilotin zu finden.
06.10.2026, 14.32 Uhr
6 Leseminuten
Es war die bis dato grösste Suchaktion, die je durchgeführt wurde. Über sechzig amerikanische Flugzeuge und zehn Schiffe durchkämmten im Juli 1937 eine Fläche des Pazifiks, rund sechzehnmal so gross wie die Schweiz. 4 Millionen Dollar kostete die Suche, umgerechnet wären das heute fast 80 Millionen Franken. Der Aufwand war vergebens. Amelia Earhart und ihr Flugzeug blieben verschollen.
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Die berühmte Pilotin kehrte von ihrer versuchten Weltumrundung nie zurück. Was mit ihr geschehen ist, bleibt unklar. Doch die Suche nach Earhart geht bis heute weiter. Ab dem 7. Oktober 2026 unternimmt nun eine Forschungsgruppe den Versuch, endlich ihr Flugzeugwrack zu finden. Das Team besteht aus Dokumentarfilmern, Archäologen sowie Vertretern der Purdue University in Indiana – jener Hochschule, an der Earhart in den 1930er Jahren als Beraterin für Aeronautik und Frauenkarrieren gearbeitet hatte.
Nachtflug mit der First LadyAmelia Earhart war ein Weltstar. 1928 hatte sie als erste Frau fliegend den Atlantik überquert – damals allerdings noch als Passagierin. «Ich war nur Gepäck, wie ein Sack Kartoffeln», sagte Earhart nach der Landung in Grossbritannien. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits Pilotin; eine so lange Strecke selbst zu fliegen, traute man ihr als Frau allerdings noch nicht zu.

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Earhart – Jahrgang 1897 – wuchs zu einer Zeit auf, als die bemannte Luftfahrt gerade anfing: Sie war sechs Jahre alt, als die Brüder Wright ihren ersten erfolgreichen Motorflug absolvierten. Schon als Kind galt sie als Abenteurerin: Sie kletterte auf Bäume oder schoss mit dem Gewehr auf Ratten. Im Passagiersitz eines Flugzeugs sass Earhart erstmals im Alter von 23 Jahren – in demselben Jahr, als die Frauen in den USA gerade erst das Wahlrecht erhielten.
Nach ihrer Atlantiküberquerung zeigte die Presse Earhart gerne in Lederjacke und Fliegerhelm, um sie als weiblichen Charles Lindbergh zu vermarkten – Spitzname «Lady Lindy». Earhart war talentiert darin, ihre Bekanntheit für politische Anliegen einzusetzen: Sie schrieb Bücher, hielt Vorträge und lobbyierte für das Flugwesen und für die Frauenrechte. Einmal stieg sogar die Präsidentengattin Eleanor Roosevelt bei ihr ins Flugzeug ein, um einen spontanen Nachtflug über Washington zu unternehmen.
Zunehmend gewann Earhart auch für ihre fliegerischen Leistungen Anerkennung: Sie steuerte als erste weibliche Pilotin ein Flugzeug ohne Zwischenhalte über Nordamerika, stellte einen Weltrekord (5613 Meter) für Höhenflüge mit einem Gyrokopter auf. 1932 überquerte sie den Atlantik ein weiteres Mal – diesmal endlich im Pilotensitz. Doch jeder Erfolg spornte Earhart nur zu weiteren, immer gefährlicheren Kraftanstrengungen an. So brach sie 1937 zu ihrer anspruchsvollsten Expedition auf: Sie wollte als erste Frau per Flugzeug die Welt umrunden.
Das Vorhaben missglückte. Amelia Earhart und ihr Navigator Fred Noonan verschwanden im Pazifischen Ozean. Trotz der riesigen Suchaktion konnten bisher weder ihre Leichen noch das Flugzeugwrack gefunden werden. Durch Filme, Bücher und angebliche Augenzeugenberichte entstanden danach immer neue Legenden. War Earhart insgeheim als Spionin der Roosevelt-Regierung unterwegs und wurde von japanischen Soldaten entführt? Konnte sie sich zusammen mit Noonan auf eine Insel flüchten? Kehrte sie gar unter falschem Namen in die USA zurück?
Die Suche geht weiterDie nun aufbrechende Forschungsexpedition hofft, endgültig zu klären, was mit Earhart geschehen ist. Dabei stützen sich die Forscher auf Luft- und Satellitenbilder, die nahe der Küste des Nikumaroro-Atolls im Pazifischen Ozean einen auffälligen dunklen Fleck zeigen. Sie vermuten, dass sich hinter diesem sogenannten «Taraia-Objekt» das Wrack von Earharts Flugzeug verbergen könnte.
Die Insel Nikumaroro ist so winzig, dass man auf Google Earth mehrfach hineinzoomen muss, um sie zu erkennen – ein heute unbewohntes Stück Wald und Erde irgendwo zwischen Australien und Hawaii. In der Wissenschaft sowie in Onlineforen gibt es schon seit einigen Jahren die Vermutung, dass Earhart und Noonan auf dieser Insel als Schiffbrüchige gelandet seien. So waren dort menschliche Knochen entdeckt worden, die in der Grösse zu Earhart passen könnten. Auch Gebrauchsgegenstände aus den 1930er Jahren wurden auf der Insel gefunden: ein Sackmesser, ein Spiegel mit Rouge, Fläschchen für Kosmetika.

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Das Nikumaroro-Atoll liegt rund 650 Kilometer von der Howland-Insel entfernt. Die Howland-Insel war als einer der letzten Landeplätze für Earharts Weltreise vorgesehen. Die Pilotin wollte dort Treibstoff nachtanken. Drei Viertel ihrer Weltreise hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft. Earhart war von Kalifornien nach Miami geflogen, von Südamerika über Afrika bis nach Neuguinea.
Um Gewicht zu sparen, hatte Earhart bloss das Notwendigste an Gepäck mitgenommen. Aus den Wänden des Flugzeugs entfernte sie das Isoliermaterial. Dadurch waren die Motoren während des Fluges so laut zu hören, dass Earhart und Noonan sich nur mit Handzetteln verständigen konnten.
Doch die längste und schwierigste Etappe lag noch vor ihnen. Von Neuguinea aus brachen Earhart und Noonan Richtung Howland-Insel auf. Um dorthin zu gelangen, mussten sie über 4000 Kilometer offenes Meer überqueren. Ihr Ziel war ein bloss zwei Kilometer langer Streifen Land mitten im Ozean. Die amerikanische Regierung hatte dort eigens für Earhart drei Landebahnen planieren lassen.
Earharts Flugzeug – eine Lockheed Electra – war auf ihren Wunsch hin mit zusätzlichen Treibstofftanks statt Passagiersitzen ausgestattet worden und galt in den Medien als «fliegendes Laboratorium». Trotz moderner Technologie blieb der Flug ein Wagnis: Über dem Meer war die Orientierung schwierig, Fred Noonan musste sich an der Sonne und den Sternen orientieren.
Um Earhart zu unterstützen, schickte die amerikanische Regierung ein Patrouillenboot zur Howland-Insel. Dieses sollte die Pilotin per Funk zur Insel lotsen. Doch die Verbindung funktionierte schlecht, die meisten Funksprüche der Schiffscrew erreichten Earhart nicht. Zusätzlich kam es zu Missverständnissen in der Koordination: So gaben Earhart und Noonan ihre Zeitangaben nach der Greenwich-Zeit an, während die Crew des Patrouillenbootes die Uhrzeit nach ihrer Position im Pazifik mass.
In Earharts Funksprüchen drang zunehmend Verzweiflung durch. «Wir müssen direkt bei euch sein, können euch aber nicht sehen», war sie am Morgen des 2. Juli um 7 Uhr 42 über die Funkanlage des Patrouillenboots zu hören. Und: «Der Treibstoff geht zur Neige.» Earhart befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits fast zwanzig Stunden in der Luft. Eine Stunde später versuchte die Pilotin, noch ein letztes Mal ihre Position durchzugeben. Danach: Stille.

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Amelia Earhart wäre wohl in jedem Fall ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Sie war eine frühe Feministin, eine frühe Spitzenpilotin, ein früher Promi. Die missglückte Weltumrundung steigerte die öffentliche Faszination für Amelia Earhart jedoch weiter. Bis heute gibt es ganze Internetportale, die sich akribisch dem Rätsel ihres Verschwindens widmen. Die Koordinatorin des Amelia-Earharts-Festivals sagte vor einigen Jahren sogar: Das Mysterium sei einer der Gründe, weshalb heute noch über die Pilotin geredet werde. Und fügte an: «Ich hoffe, dass man sie niemals findet.»
Doch auch falls die jetzige Expedition nach Nikumaroro Erfolg haben sollte, darf entwarnt werden. Ein gefundenes Wrack könnte zwar erklären, wo und wie Amelia Earhart starb. Eine ebenso spannende Frage bleibt aber erhalten: Warum nahm sie überhaupt das Risiko auf sich, bei einer Weltumrundung ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Tat sie es für die Wissenschaft? Für den Ruhm? Um zu beweisen, dass dem Menschen keine irdischen Grenzen gesetzt sind?
Ihrem Mann gegenüber wusste sich Earhart nur mit einer Tautologie zu helfen: «Ich möchte es tun, weil ich es tun möchte», erklärte sie ihm die Reise 1937 in einem Brief. «Frauen müssen versuchen, Dinge so zu tun, wie Männer es versucht haben. Wenn sie scheitern, darf ihr Scheitern für andere nur eine Herausforderung sein.»
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