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«Tinder für Hunde»: Zehntausende suchen einen Vierbeiner auf Zeit

Дата публикации: 23-09-2026 03:30:00

Zwischen Mensch und Hund kann es funken. Auf einer Online-Plattform suchen immer mehr Hundefreunde ein Tier zum Spazieren, Spielen oder Kuscheln. Doch für Hunde kann das Stress bedeuten.

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«Tinder für Hunde»: Zehntausende suchen einen Vierbeiner auf Zeit

Zwischen Mensch und Hund kann es funken. Auf einer Online-Plattform suchen immer mehr Hundefreunde ein Tier zum Spazieren, Spielen oder Kuscheln. Doch für Hunde kann das Stress bedeuten.

Nora Züst23.09.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


Immer mehr Menschen wollen Zeit mit einem Hund verbringen, haben aber keine Zeit für einen eigenen.

Immer mehr Menschen wollen Zeit mit einem Hund verbringen, haben aber keine Zeit für einen eigenen.

Sibora Halil

Andrea Kurmanns zwölfjähriger Sohn wollte unbedingt einen Hund. «Er hat darauf bestanden, und ich wusste: Einen eigenen Hund können wir nicht haben», sagt Kurmann. Sie stiess auf die Plattform Hundelieb, eine Plattform, die Kurmann das «Tinder für Hunde» nennt.

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Ähnlich wie bei der Dating-Plattform können Tierfreunde und Hundebesitzer ein Profil erstellen, ein Bild hochladen und eine Beschreibung von sich oder ihrem Hund verfassen. Die App zeigt passende Profile in der Umgebung auf einer Karte an. Und dann kann man via Chat Kontakt aufnehmen.

Auf diese Weise machte Andrea Kurmann ein erstes Treffen mit einem Hund und seiner Halterin ab. Doch zwischen ihr und der Hundehalterin stimmte die Chemie nicht. Sie hatte aber auf der App bereits einen anderen Favoriten, eine Malteser-Hündin. Nach ein paar Wochen meldete sich deren Halterin – und schon beim ersten Treffen mit der Hündin funkte es. Die Hündin sei der perfekte «Anfängerhund» gewesen und habe immer gehorcht.

Dog-Sharing ist im Winter beliebter

Die Plattform Hundelieb wurde 2015 vom Österreicher Josef Pucher und von seinem Bruder gegründet, nachdem sie vom Land nach Wien gezogen waren und ihnen der Kontakt mit Tieren fehlte. Pucher sagt: «Da war die Idee: Man braucht keinen eigenen Hund, um regelmässig Zeit mit einem zu verbringen.»

Das Angebot wird immer beliebter. In der Schweiz haben sich 50 000 Menschen bei Hundelieb registriert, jährlich gibt es bis zu 8000 Anmeldungen. Im gesamten deutschsprachigen Raum kommen jährlich rund 85 000 Mitglieder dazu. Im Sommer sei es auf der Plattform am ruhigsten, im Herbst ziehe die Nachfrage wieder an, sagt Josef Pucher. Die stärksten Monate seien Januar bis März. Das führt Pucher auf «Neujahrsvorsätze und das Bedürfnis, bei Schmuddelwetter trotzdem rauszukommen» zurück. Auf der Plattform seien etwa 40 Prozent Hundehalter und 60 Prozent Hundefreunde.

Dog-Sharing-Plattformen helfen Hundehaltern, Unterstützung bei der Betreuung ihrer Vierbeiner zu finden: «Wer Kinder oder Hunde hat, ist auf ein Netzwerk angewiesen», sagt die Hundehalterin Nathalie Ponte aus Zürich. Da Hundehalter ihre Hunde manchmal nicht zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten mitnehmen können, brauchen sie Menschen, die auf den Hund aufpassen.

Ponte ist alleinstehend und arbeitete früher in einem Büro und in einem Fitnesscenter. Damals war sie froh um die Plattform: Dort lernte sie eine Hundefreundin kennen, die von zu Hause aus arbeitete und oft auf Blue aufpassen konnte, wenn Ponte zur Arbeit ging. Inzwischen ist sie selbst als Hundebetreuerin tätig und kann Blue deswegen zur Arbeit mitnehmen. Blue sei ein Menschenfreund, deshalb habe das Hundesitting gut geklappt, sagt Nathalie Ponte. Aber nicht alle Hunde sind so extrovertiert wie Blue.

Hunde können «Trennungsangst» entwickeln

Für gewisse Hunde bedeuteten wechselnde Bezugspersonen Stress, sagt die Hundetrainerin Jill Vonäsch. Sie bietet Hundetraining bei Hundehaltern zu Hause und draussen an. «Hund ist nicht gleich Hund», sagt Vonäsch. Sie haben verschiedene Charaktereigenschaften. Hunde, die sich sehr an ihrem Halter orientieren und introvertiert sind, eignen sich weniger gut für das Dog-Sharing. Wenn sie mit einer fremden Person unterwegs sind, kann das «Trennungsangst» auslösen. Der Hund wird dann unruhig, fängt an zu bellen.

Umso wichtiger sei deshalb die Kommunikation zwischen Hundehalter und Hundesitter. Halter sollen neue Hundesitter bei einem gemeinsamen Spaziergang instruieren. Dazu gehören die speziellen Bedürfnisse des Hundes und potenzielle Gefahren, die vom Hund ausgehen könnten, etwa Reaktionen auf Katzen oder Kinder.

Auch für Hundebesitzer hat Vonäsch Empfehlungen. Der Halter kann Routinen etablieren und den Spaziergang mit dem Hundesitter immer am gleichen Wochentag organisieren. Wichtig sei es, die Signale des Hundes vor und nach dem Spaziergang mit einer neuen Person ernst zu nehmen. Ein Warnsignal sei, wenn der Hund sich weigere zu gehen oder gestresst zurückkomme.

Manche Hunde sind introvertiert und hängen sehr an ihrem Herrchen oder Frauchen.

Manche Hunde sind introvertiert und hängen sehr an ihrem Herrchen oder Frauchen.

PD

Dog-Sharing fördert Verantwortungsbewusstsein

Das Konzept «Dog-Sharing» sei dennoch besser für den Hund als eine Hundepension, sagt die Hundetrainerin Jill Vonäsch. In einer Hundepension werden Hunde für einen oder mehrere Tage betreut, gemeinsam mit anderen Tieren. Viele Hunde kämen aber in einem familiären Umfeld oder bei einer einzelnen Betreuungsperson besser zurecht als in grösseren Hundegruppen mit wechselnden Dynamiken.

Für viele Hunde ist das Dog-Sharing auch angenehmer, als allein zu Hause zu bleiben. «Die Vorlieben des Hundes lassen sich besser ausleben», sagt Vonäsch. Geht ein Hund etwa besonders gerne in den Wald oder braucht viel Bewegung, kann sich die Betreuungsperson darauf einstellen. Einen weiteren Vorteil sieht Vonäsch bei denjenigen, die sich überlegen, einen Hund für immer zu adoptieren: «Statt sich unüberlegt einen Vierbeiner anzuschaffen, nehmen sich Menschen gezielt Zeit für einen Hund.»

Auch für Andrea Kurmann und ihren Sohn waren die App und das Dog-Sharing eine lehrreiche Erfahrung. «Mein Sohn hat eingesehen, dass ein Hund viel Zeit braucht», sagt Kurmann. Der Sohn sei nun froh, dass sie keinen eigenen Hund hätten. Leider sei die Malteser-Hündin vor einigen Monaten gestorben. «Das müssen wir zuerst verdauen», sagt Kurmann. Aber dann wollen sie einen neuen «Hobbyhund».

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