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Kunst der Woche: Die Konturen sind brüchig

Дата публикации: 09-06-2026 09:00:00

In Diana Cepleanus Malerei scheinen sich Objekte langsam aufzulösen. Bei Renata Lucas, Shilpa Gupta und Haegue Yang werden Alltagsgegenstände zum Material. mehr...

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Beate Scheder

In Diana Cepleanus Malerei scheinen sich Objekte langsam aufzulösen. Bei Renata Lucas, Shilpa Gupta und Haegue Yang werden Alltagsgegenstände zum Material.

Ein Objekt mit Abflüssen Renata Lucas, „evasive topography (nr asphalt)“, 2026

Foto: Jens Ziehe, Berlin; Courtesy the artist and neugerriemschneider

D er Blick nach draußen. Auf Landschaften, gleichförmige Balkone, Eingangstüren, die fast verborgen sind hinter Gewächsen. Und dann auf die Dinge, die man in den Häusern findet. Eine ganze Reihe von auf auseinandergefalteten Pappboxen hängen da nebeneinander in der Ausstellung von Diana Cepleanu in der Galeria Plan B, bemalt mit verzierten Christbaumkugeln.

Auf einer kleinen quadratischen Leinwand aus dem Jahr 1994 rollt ein leuchtend grüner Kohlkopf seine Blätter. Das „Big Sofa“ (2024) ist zu groß, um ganz aufs Bild zu passen. Auf einem gemusterten Teppich stehend schmiegt es sich in die Ecke. Kleine zarte Püppchen hat Cepleanu auch gemalt, Topfpflanzen mit roten Blüten.

Alltägliches, Wiedererkennbares findet sich auf den Gemälden der 1957 in Bukarest geborenen Künstlerin. Ein wenig wirkt es jedoch immer so, als sei es dabei, sich aufzulösen, wie eine schwächer werdende Erinnerung. Brüchig erscheinen Konturen, weil Cepleanu mitunter die oberste Farbschicht wieder abkratzt.

Die Ausstellungen

Diana Cepleanu: Galeria Plan B, Strausberger Platz 1, bis 1. August.

Perceptual Territories – Cut, Split, Layered: neugerriemschneider, Linienstr. 155, bis 15. August

Manche der Arbeiten in der Ausstellung stammen aus den 1990ern, so auch ein Selbstporträt der Künstlerin, auf dem sie gedankenverloren ihren Be­trach­te­r:in­nen begegnet, die Finger in sich verknotet, so wie sie es manchmal wie von selbst tun, wenn man sich in der eigenen Welt verliert.

Geschnitten, gespalten, geschichtet

Ein wenig wirkt es jedoch immer so, als sei es dabei, sich aufzulösen, wie eine schwächer werdende Erinnerung

Was die drei Künstlerinnen verbindet, die die Galerie Neugerriemschneider in der Gruppenausstellung „perceptual territories – cut, split, layered“ zueinander in Beziehung setzt, ist die Fähigkeit, mittels Alltagsobjekten und deren Formen über (Macht-)Strukturen und Prägungen zu sprechen.

Eine Skulptur aus Glöckchen Haegue Yang, „Sonic Half Moon Type III – Large Light #22“, 2015

Foto: Taro Furukata; Courtesy the artist and neugerriemschneider

Die brasilianische Konzeptkünstlerin Renata Lucas schließt in neuen Arbeiten an eine Installation an, die sie bereits 2015 in der Galerie gezeigt hat. Damals hatte sie Segmente dreier historischer Brunnen Berlins aus unterschiedlichen Epochen nachgegossen und zu einem neuen Springbrunnen zusammengefügt. Mit „fontes e sequestros“ verwies sie nicht nur auf die jeweiligen Kontexte, sondern überhaupt auf die Wechselwirkungen zwischen der Architektur von Städten und deren Bewohner:innen, zwischen öffentlichem Raum und privater Nutzung – insbesondere in Bezug auf die Ressource Wasser. Eine Papierarbeit nimmt die Formen wieder auf, im Objekt „evasive topography (nr asphalt)“ wiederum überlagern sich Abflüsse wie Baumaterialschichten.

Bei Haegue Yangs Skulpturen hat man das Rasseln fast schon im Ohr, wenn man sie nur betrachtet. Aus unzähligen Messingglöckchen, wie sie in rituellen Praktiken Verwendung finden, setzen sich ihre „Sonic Half Moons“ zusammen.

Shilpa Gupta schließlich zeigt unter anderem ein Skizzenbuch, für das sie Be­woh­ne­r:in­nen Deutschlands gebeten hatte, aus dem Kopf die Umrisse des Landes zu zeichnen. Ein Ventilator schlägt die Seiten nach Zufallsprinzip auf. Ganz willkürlich, wie die Ziehung von Grenzen.

Beate Scheder

Beate Scheder Kulturredakteurin

Redakteurin für Berlinkultur und Theater, freie Kulturjournalistin und Autorin. Kunstkolumnistin für taz Berlin.

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