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Pesäpallo: Höher, schneller, weiter

Дата публикации: 06-10-2026 22:00:00

Am vergangenen Wochenende fanden in Sydney, Australien, die zwölften Weltmeisterschaften im Pesäpallo statt. Pesäpallo, auch liebevoll »Pesis« genannt, ist eine finnische Variante des Baseballs, die in den 1920er Jahren von einem gewissen Lauri »Tahko« Pihkala eingeführt wurde.

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Am vergangenen Wochenende fanden in Sydney, Australien, die zwölften Weltmeisterschaften im Pesäpallo statt. Pesäpallo, auch liebevoll »Pesis« genannt, ist eine finnische Variante des Baseballs, die in den 1920er Jahren von einem gewissen Lauri »Tahko« Pihkala eingeführt wurde. Pihkala schuf eine Synthese aus Baseball und einheimischen Schlagballspielen.

Pesäpallo, auf Deutsch »Nestball«, wurde in Finnland so populär, dass es bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki 1952 als Demonstrationswettbewerb auf dem Programm stand. Es kam zu einem einzigen Spiel: Eine Auswahl des bürgerlichen finnischen Sportverbandes setzte sich gegen eine Auswahl des Arbeitersportverbandes mit 8:4 durch. Pihkala eröffnete das Spiel mit einem zeremoniellen Wurf.

Der Wurf markiert einen der wichtigsten Unterschiede zum Baseball. Beim Pesäpallo wird der Ball nicht direkt auf den Schlagmann geworfen, sondern neben ihm stehend in die Luft. Dadurch kommt es zu deutlich mehr Treffern und einem schnelleren Spiel. Dem angreifenden Team bieten sich auch mehr taktische Möglichkeiten. Entsprechende Varianten werden vom Trainer mit unterschiedlichen Farben angezeigt, ein charakteristisches Merkmal des Sports. Auch die fünfeckige Spielfläche und die Positionierung der Bases (Nester) unterscheiden sich vom Baseball. Ansonsten ist das meiste, von der Bekleidung bis zur Zählweise, dasselbe. Helme sind Pflicht, seit 1985 ein Amateurspieler in Finnland so unglücklich von einem Ball getroffen wurde, dass er verstarb.

Pesäpallo wird manchmal als »finnischer Nationalsport« bezeichnet. Das ist angesichts der Bedeutung des Eishockeys für das Land gewagt, verweist jedoch auf den Stellenwert von Pesäpallo in der finnischen Gesellschaft.

So etwas kann freilich auch unerwünschte Folgen haben. 1998 erschütterte ein Wettskandal die Superpesis, die höchste finnische Liga. Acht Vereine waren in diesen verwickelt. Die betroffenen Spiele hatten keine Bedeutung für den Ausgang der Meisterschaft, doch das Vertrauen in die Liga war erschüttert und der Zuschauerzuspruch sank beträchtlich. Es dauerte viele Jahre, bis sich der Sport von diesem Schlag wieder erholte. Bis 2005 waren Sportwetten auf Pesäpallo-Spiele in Finnland verboten.

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In anderen Ländern wird Pesäpallo hauptsächlich von Finnen im Exil gespielt. Aber auch im Cricket-verrückten Indien gibt es Spieler, die Pesäpallo als Kuriosität für sich entdeckten – oft, weil sie eine Zeitlang in Finnland studierten oder arbeiteten. 2019 wurde im westindischen Pune gar die Weltmeisterschaft ausgetragen.

Weltmeisterschaften im Pesäpallo gibt es seit 1992. Sie werden alle zwei oder drei Jahre von der World Pesäpallo Federation veranstaltet. Auch München war 2006 schon Gastgeber. Um die Jahrtausendwende gab es ein Pesäpallo-Hoch in Deutschland mit eigener Liga, vor allem im Süden des Landes. Der Verein Reinin Reipas, in etwa »Der lebendige Rhein«, aus Dormagen in Nordrhein-Westfalen, war lange dominant. Erster deutscher Pesäpallo-Verein war der 1992 gegründete Tahko Berlin.

Der deutsche Bauingenieur Konstantinos Oikonomides machte sich um die Verbreitung von Pesäpallo in Deutschland so verdient, dass er im Jahr 2017 vom finnischen Pesäpallo-Verband als »Pionier des internationalen Pesäpallo« mit dem Tahko-Pihkala-Preis ausgezeichnet wurde.

Bei den Weltmeisterschaften werden Turniere für Herren, Frauen und im Mixed ausgetragen. Die Anzahl der teilnehmenden Länder ist in der Regel einstellig. Noch nie hat ein anderes Land als Finnland eine Goldmedaille gewonnen – in allen Kategorien.

Deutschland ist nach Australien die dritterfolgreichste Nation bei Pesäpallo-Weltmeisterschaften. Auch in Sydney reichte es für eine Medaille. Das einzige deutsche Team, das dort antrat, jenes der Herren, holte Bronze. Indien wurde im Spiel um Platz drei klar mit 13:2 besiegt. Finnland gewann im Finale gegen Australien mit 8:2. Bei den Frauen setzte sich Finnland im Finale gegen Australien mit 9:3 durch, im Mixed-Wettbewerb besiegte Finnland Kanada mit 6:1.

Es war die dritte WM in Australien. Im Jahr 2000 war Melbourne Gastgeber, 2012 die Gold Coast. In diesem Jahr klang die WM mit einer gemeinsamen Bootstour im Hafen von Sydney aus. Alkohol war keiner erlaubt, doch die Feier ging nachher wohl weiter.

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