Die Euphorie um Jürgen Klopp ist nach zwei Spielen ohne Sieg schon verflogen. Jetzt müssen die Fans zeigen, ob sie auch hinter dem neuen Bundestrainer stehen.
Die Euphorie um Jürgen Klopp ist nach zwei Spielen ohne Sieg schon wieder verflogen. Jetzt müssen die Fans zeigen, ob sie auch in schwierigen Zeiten hinter dem neuen Bundestrainer stehen.
Nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay und dem Ende von Julian Nagelsmann sollte Jürgen Klopp der dringend gebrauchte Erlöser des deutschen Fußballs werden. Ganz Deutschland hat sich nach ihm gesehnt: nach Emotionen, Energie, Leidenschaft und Hingabe, nach der Fähigkeit, Mannschaften zu beleben, wie er es in Mainz, Dortmund und Liverpool bewiesen hat.
Doch jetzt ist erstmal Ernüchterung da. Ein wackeliges 1:1 in den Niederlanden, gefolgt von einem historischen 0:1 gegen Griechenland in Augsburg. Erste Skeptiker melden sich, es gehe nahtlos dort weiter, wo es unter Nagelsmann aufgehört habe. Erste Pfiffe waren am Sonntagabend im Stadion zu hören.
Dabei ist die Formel doch ganz einfach: Wer jahrelang nach Klopp geschrien hat, muss jetzt auch die Geduld haben, hinter ihm zu stehen. Jetzt werden wir also sehen, wie sehr wir Klopp wirklich wollen.
Wer monatelang eine radikale Kehrtwende und einen neuen Ton beim DFB gefordert hat, darf nicht beim ersten Gegenwind wieder in alte Muster verfallen und alles schwarzmalen. Einen echten Neuanfang gibt es nicht sofort, sondern der braucht Zeit.
Natürlich darf man über das sprechen, was auf dem Platz nicht funktioniert hat. In Amsterdam gerieten die Deutschen heftig unter Druck, die Holländer schossen 22-mal auf das Tor, Deutschland nur zehnmal.
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Und auch gegen Griechenland war nur wenig gut. Die deutsche Mannschaft tat sich lange schwer, gegen den sehr defensiven Gegner kreative Lösungen zu finden. Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, Chancen blieben jedoch ohne Erfolg und Griechenland nutzte die eigene eiskalt aus. Das ist ernüchternd. Keine Frage.
Aber aus zwei Spielen eine erste Bewertung von Klopp abzuleiten, wäre viel zu hastig. Denn Klopp hat nicht einfach eine fertige Mannschaft übernommen, die nur noch funktionieren muss. Er hat sich bewusst entschieden, Dinge aufzubrechen, seine XXL-Nominierung beweist das.
Eine Mannschaft, die neben einigen etablierten Kräften zum Großteil aus Neulingen oder Spielern mit wenig Länderspielerfahrung besteht. Wie soll so ein Gefüge nach wenigen gemeinsamen Trainingstagen schon eingespielt sein? Dass dabei Abstimmungsfehler passieren und die Statik des Spiels wackelt, ist keineswegs überraschend, sondern zwangsläufig.
Klopp stellte sich dieser Realität ehrlich und reflektiert. Nach dem Abpfiff machte er klar: „Wir sind dabei, die Tür zu öffnen für die neuen Gesichter. Ich habe auch ganz viele positive Dinge gesehen. Die haben aber nicht zu einem guten Ergebnis geführt.“ Recht hat er: Wer Veränderung fordert, muss auch die unvermeidlichen Probleme eines Neustarts akzeptieren.
Die eigentliche Bewährungsprobe für Klopp beginnt erst jetzt, wenn die erste Euphorie verschwunden ist. Solange alles neu und aufregend war, fiel es auch Fans leicht, alle Hoffnung in den neuen Trainer zu legen. Schwerer wird es, wenn erste Rückschläge kommen.
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Genau dann zeigt sich, ob Aufbruch trotzdem möglich ist. Dann zeigt sich, ob der Ruf nach Klopp mehr war, als die Sehnsucht nach einem großen Namen und einem kurzfristigen Hoffnungsschub. Wer Klopp wirklich wollte, muss ihm Zeit zugestehen, die er braucht, um aus diesem neuen Team eine Mannschaft zu machen.
Das bedeutet nicht, dass jede Niederlage beklatscht werden muss oder Kritik verboten ist. Es bedeutet aber, nicht nach zwei Spielen die Geduld zu verlieren und nicht bei jeder schwachen Leistung den Neustart infrage zu stellen und die Spieler auszupfeifen.
Und vielleicht ist ein Blick zurück dabei hilfreich. Klopp hat nach zwei Spielen keinen Sieg. Das ging zuletzt Helmut Schön vor über 60 Jahren als neuer Bundestrainer so.
Was danach passierte, ist bekannt: Schön gewann 1972 mit Deutschland die Europameisterschaft, zwei Jahre später folgte im eigenen Land der WM-Titel. Das zeigt, wie wenig zwei Spiele über eine Trainerära aussagen können.