Nach den schweren Ausschreitungen beim Zweitliga-Derby in Magdeburg ist ein 29-Jähriger wegen versuchten Mordes angeklagt. Vor Gericht hat er die Tat eingeräumt und Reue gezeigt.
AUDIO: Prozess gegen FCM-Fan: Angeklagter und Polizisten sagen aus (2 Min)
Anklage wegen versuchten Mordes
Stand: 21.07.2026 16:12 Uhr
Nach den schweren Ausschreitungen am Rande des Spiels des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden im Januar hat am Montag der Prozess gegen einen 29-Jährigen begonnen. Dem Mann wird versuchter Mord vorgeworfen. Am Dienstag hat er eine Erklärung verlesen. Er räumte die Tat ein und zeigte Reue. Ein leitender Beamter sprach von dramatischen Szenen während des Einsatzes.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Im ersten Prozess um die schweren Krawalle beim Fußball-Zweitligaspiel vom 24. Januar 2026 hat der Angeklagte vor Gericht Reue gezeigt. Der 29-Jährige muss sich seit Montag (20. Juli) wegen versuchten Mordes an einem Polizisten vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Aschersleben im Salzlandkreis niedrige Beweggründe vor.
Er soll laut Anklage eine 15 Kilogramm schwere Betonplatte mit voller Kraft auf die Polizisten geworfen haben. Ein Polizist wurde am Kopf getroffen und verletzt. Es sei darum gegangen, als Fans Dominanz gegenüber der Polizei auszudrücken, hieß es.
Video: Prozessbeginn zu Hooliganausschreitungen im Januar (1 Min)
Darüber hinaus werden dem 29-Jährigen besonders schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung sowie ein Angriff auf Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall vorgeworfen.
Der Angeklagte soll am Rande des Derbys in Magdeburg unter den ersten 50 vermummten Fans gewesen sein, die die Polizei bedroht haben – unter anderem mit den Worten "Wir bringen euch um". Der Angeklagte soll andere herangewunken und zu Gewalt animiert haben.
Video: Fans vs. Polizei – Was läuft falsch im Fußball? (60 Min)
Nachdem er bislang zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, äußerte der Angeklagte sich am Dienstag erstmals in einer Erklärung dazu, die er vor Gericht vorlas. Dabei stritt er die Tat nicht ab und sagte: "Ich werde mich bei betroffenen Beamten entschuldigen. Was ich getan habe, war falsch und ich bereue es zutiefst." Er sei alkoholisiert gewesen und hätte sich nicht mitreißen lassen sollen.
Der 29-Jährige erklärte, er habe zuvor noch nie Gewalt gegen andere Fans oder Polizisten ausgeübt und wisse nicht, was in ihn gefahren sei. Die Situation sei unübersichtlich gewesen. Er habe unbeteiligte Fans verteidigen und die Polizei zurückdrängen wollen. Die Betonplatte – seiner Einschätzung nach sieben bis acht Kilogramm schwer – habe er aufgehoben und geworfen.
Er habe gesehen, wie sie den Beamten am Kopf traf, und dass dieser sofort wieder habe stehen können, sagte er. Zudem erklärte er, dadurch, dass seine Freundin Polizistin gewesen sei, habe er gewusst, dass der Treffer bei Vollmontur nicht tödlich sein würde. Auch habe er niemand anderen angestiftet.
Mehrere Ermittler, die am Dienstag ebenfalls im Prozess aussagten, beschrieben den Einsatz am 24. Januar und stellten die Vorwürfe in Teilen anders dar als der Angeklagte. Dieser habe vor dem Wurf der Betonplatte außerdem Pyrotechnik gezündet und auf Beamte geworfen, ebenso wie einen Mülleimer. Zudem soll er andere potenzielle Gewalttäter herangewunken haben, wie es auch in der Anklage steht.
Ein leitender Beamter beschrieb dramatische Szenen während des Einsatzes im Umlauf des Stadions. Er sagte, eine solche Gewalt habe er noch nicht erlebt. Polizisten seien mit allem beworfen worden, was die "Störer" gefunden hätten. Unmittelbar nach dem Treffer am Helm soll sein Kollege einen "verschwommenen Blick" gehabt haben. Der Zugführer sagte, nach der Attacke habe er befürchtet, dass es Tote geben könnte. 20 der 21 Beamten seiner Gruppe seien körperlich verletzt worden, einige hätten auch psychische Schäden erlitten.
Ermittlungen gegen weitere Fußball-Fans laufenDer Angeklagte wurde am 28. Januar 2026 festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft in der JVA Burg. Insgesamt sind laut Gericht 14 Verhandlungstage angesetzt, zu denen aktuell 17 Zeugen und zwei Sachverständige geladen seien. Der nächste findet am 11. August statt.
Im Zuge der Ausschreitungen wurden damals weitere Personen festgenommen, gegen sie laufen noch die Ermittlungen. Bei den Krawallen waren insgesamt 77 Polizisten verletzt worden. Auch Fans und Stadiongäste wurden verletzt. Unter anderem flogen Gullydeckel und Gehwegplatten.
MDR (K. Bunk, A. Sonntag, D. Blatt, S. Liermann, S. Gall, G. Hensch, M. Wilczek, M. Hensch, M. Rosebrock, M. Holzberger), dpa | Zuerst veröffentlicht am 4. Juni 2026
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