Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

In Zentralasien sind Länder ohne Wasserreserven auf ihre Nachbarn angewiesen. Noch gelingt es Ihnen, Streit zu vermeiden – auch dank der Schweiz

Дата публикации: 03-10-2026 03:30:00

Kirgistan und Tadschikistan haben Wasser, drei Nachbarländer brauchen es für die Landwirtschaft. Der Umgang der Region mit diesem potenziellen Konflikt bietet wichtige Lektionen zum Umgang mit dem Klimawandel.

Основное содержимое страницы с новостью.

Pro Artikel

In Zentralasien sind Länder ohne Wasserreserven auf ihre Nachbarn angewiesen. Noch gelingt es Ihnen, Streit zu vermeiden – auch dank der Schweiz

Kirgistan und Tadschikistan haben Wasser, drei Nachbarländer brauchen es für die Landwirtschaft. Der Umgang der Region mit diesem potenziellen Konflikt bietet wichtige Lektionen zum Umgang mit dem Klimawandel.

03.10.2026, 05.30 Uhr

6 Leseminuten


Tadschikistan hat dank seinen Gebirgen genug Wasser. Der Nurek-Stausee dient der Wasserversorgung und der Stromerzeugung.

Tadschikistan hat dank seinen Gebirgen genug Wasser. Der Nurek-Stausee dient der Wasserversorgung und der Stromerzeugung.

Shamil Zhumatov / Reuters

Der Kampf um Wasser kann politische Konflikte auslösen, wenn nicht sogar Kriege. Zentralasien galt lange als ein Paradebeispiel für eine Region, in der es kritisch werden kann: Kirgistan und Tadschikistan verfügen über grosse Wasserreserven in Gebirgen mit Gletschern, während Turkmenistan, Usbekistan und der Süden Kasachstans davon abhängen, dass genug Wasser von dort zu ihnen gelangt.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Diese geografische Konstellation schien das perfekte Rezept für ein Desaster zu sein – vor allem, nachdem mit dem Sturz der Sowjetunion die Steuerung durch eine Zentralregierung verschwunden war.

Doch es kam anders. Dem Wassermangel zum Trotz gelingt es den fünf Ländern Zentralasiens bis anhin erstaunlich gut, sich friedlich über die Nutzung des Wassers zu einigen. Diese Entwicklung hält auch für andere Regionen wichtige Lektionen zum Umgang mit dem Wassermangel und dem Klimawandel bereit.

Der Bau von Dämmen oder Kanälen kann Konflikte auslösen

Der usbekische Hydrologe Abror Gafurov arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) in Potsdam. «Alles hängt vom Wasserdurchlauf aus den Gebirgsregionen in Kirgistan und Tadschikistan ab, wenn es in den anderen Ländern eine Dürre gibt», sagt er.

Die Gletscher in den Gebirgen speichern grosse Mengen Wasser. Im Sommer speist ihr Schmelzwasser die beiden von Südosten nach Nordwesten strömenden grossen Flüsse – den Amu Darja und den Syr Darja, lebenswichtige Wasseradern in der Region. Sie enden nicht im Meer, sondern in dem Gebiet des teilweise ausgetrockneten Aralsees.

Konflikte entstehen in solchen Regionen oft durch Baumassnahmen, die die Verteilung des Wassers verändern – etwa das Anlegen von Kanälen oder den Bau von Staudämmen. Zurzeit wird in Tadschikistan der Rogun-Staudamm errichtet. Er war schon zu Sowjetzeiten geplant worden. Der Damm soll einmal 335 Meter hoch werden und damit der höchste der Welt.

Früher gab es wegen des Baus politische Spannungen: Usbekistan äusserte Bedenken, weil der Damm einen Teil des Wassers zurückhalten kann, von dem das Land abhängt.

Seit 2016 habe sich die Situation aber stark verbessert, sagt Gafurov. Damals sei in Usbekistan eine neue Regierung ins Amt gekommen. «Präsident Schawkat Mirsijojew hat den hohen Wert der Kooperation mit den Nachbarländern beim Management der Wasserressourcen erkannt.» Inzwischen lehnt die usbekische Regierung den Bau des Damms nicht mehr ab.

Überhaupt ist der Wille zur Kooperation nach einer Phase des gegenseitigen Misstrauens in der Region stark gewachsen. Mehrere Länder planen nun sogar, gemeinsam neue Staudämme zu bauen, die zur gemeinsamen Energiegewinnung und Wassernutzung verwendet werden sollen.

An Konferenzen verhandeln die fünf Länder über Wasser

Vor ungefähr zwanzig Jahren warnten viele Experten vor drohenden Konflikten um Wasser in Zentralasien. Doch wegen der guten Kooperation der Länder habe sich diese Befürchtung als unbegründet herausgestellt, sagt der Geograf und politische Ökologe Andrea Zinzani von der Universität Bologna. Er erforscht die Entwicklung der Wasserpolitik in Zentralasien seit vielen Jahren. Es habe zwar einige lokale Auseinandersetzungen gegeben, sagt Zinzani, etwa im Ferganatal, aber keine grossen Konflikte zwischen diesen Staaten.

Seit 1992 finden unter der Schirmherrschaft der Interstate Commission for Water Coordination jedes Jahr Konferenzen statt, an denen alle Präsidenten und die zuständigen Ministerien der fünf zentralasiatischen Länder teilnehmen. Dabei würden etwa Diskussionen über die Nutzung von Energie aus Wasserkraftwerken und über die Gewährleistung einer möglichst gerechten Wasserverteilung geführt, erzählt Zinzani. Auch die Nutzung des Rogun-Staudamms werde in diesem Rahmen erörtert. Im Grossen und Ganzen habe die internationale Zusammenarbeit seit 1992 gut funktioniert.

Schwierigkeiten entstehen vielmehr, wenn Bauprojekte ausserhalb der kooperierenden Staaten das Wassermanagement bedrohen. Seit 2022 baut Afghanistan zum Beispiel den Qosh-Tepa-Kanal. Er soll 15 bis 20 Prozent des Wassers vom Amu Darja für die Bewässerung von neuen landwirtschaftlichen Flächen im Norden Afghanistans abzweigen. Die fünf zentralasiatischen Länder haben darüber beraten, sich aber noch nicht darauf geeinigt, wie sie mit der Taliban-Regierung und deren Forderungen umgehen sollen. Zinzani ist aber zuversichtlich, dass es in naher Zukunft zu Verhandlungen und einer Einigung kommen wird.

Die Schweiz assistiert bei der Wasserdiplomatie

Mehrere europäische Länder engagieren sich schon seit Jahren, um Zentralasien beim Umgang mit potenziellen Wasserkonflikten zu helfen. Dazu zählt neben Deutschland und Italien auch die Schweiz.

Das helvetische Engagement habe unter anderem historische Gründe, sagt Thierry Umbehr von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Seit 1992 leite die Schweiz eine Stimmrechtsgruppe der Bretton-Woods-Institutionen – das sind die Weltbank und der Internationale Währungsfonds. Zu dieser Stimmrechtsgruppe zählten auch die Länder Zentralasiens. Durch dieses Bündnis habe sich die Schweiz Vertrauen in der Region aufgebaut, sagt der Deza-Experte.

Bei internationalen Verhandlungen über die Nutzung und den Schutz des Rheins habe die Schweiz im Laufe von dreissig Jahren viel Erfahrung damit gesammelt, wie Konflikte um Wasser entstünden und wie sie sich am besten beilegen liessen, erzählt Thierry Umbehr. Diese Kenntnisse versuche das Land auf Zentralasien zu übertragen.

Im Jahr 2017 startete die Deza ein Programm namens Blue Peace Central Asia, das noch bis 2029 laufen soll. Mit diesem Programm soll einerseits die Wasserdiplomatie in Zentralasien unterstützt werden, andererseits geht es aber auch um technische Unterstützung. Zum Beispiel hilft die Deza den Ländern dabei, die Vorhersagen des Wasserabflusses durch die Wetterdienste in der Region zu optimieren. Drittens soll die Ausbildung von Wasserfachleuten verbessert werden: Das Programm fördert zum einen den Nachwuchs, zum anderen lernen Fachkräfte, ihre Erkenntnisse bei politischen Entscheidungen und bei Investitionen umzusetzen.

Lokal werde es immer Spannungen geben, sagt Umbehr. Aber wenn von aussen kein politischer Druck auf die Region ausgeübt werde, sollte es in Zukunft gutgehen. «Wir sehen das Potenzial für eine Verbesserung, und dabei zählen wir auf die neue Generation.»

Bevölkerungswachstum und Klimawandel als Herausforderung

Auf eine gute Kooperation werden die zentralasiatischen Staaten in Zukunft sehr angewiesen sein. Denn die Bevölkerung in der Region ist von 1990 bis 2025 von 51 Millionen auf 84 Millionen gewachsen. Mehr Menschen verbrauchen mehr Ressourcen, also auch mehr Wasser. Noch ist kein Abflachen der Kurve in Sicht.

Schon jetzt sinkt in den trockeneren zentralasiatischen Ländern vielerorts der Grundwasserspiegel, weil für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen Wasser abgepumpt wird. Der Klimawandel wird den schon bestehenden Wassermangel zusätzlich verschärfen.

Wenn die Gletscher in den Gebirgen schrumpfen, strömt zunächst mehr Schmelzwasser in die grossen Flüsse der Region als früher. Aber diese Entwicklung wird sich in der Zukunft umkehren. Nach ungefähr dem Jahr 2040 werde die Menge an sommerlichem Schmelzwasser von den Gletschern spürbar abnehmen, sagt der Hydrologe Gafurov. Turkmenistan und Usbekistan könnten in Zukunft wegen des Klimawandels unter Wassermangel leiden. Darum sei es nötig, sich jetzt an den kommenden Wandel anzupassen.

Dass Zentralasien mit dem Klimawandel vor einer grossen Herausforderung steht, haben die Länder vor ungefähr fünf Jahren erkannt. Inzwischen haben sie auch begonnen, an Lösungen zu arbeiten: Zum einen bauen sie im Gebirge zahlreiche neue Staudämme und kooperieren bei deren Nutzung. Zum anderen versuchen sie die Landwirtschaft zu modernisieren.

Neue Pflanzen und eine bessere Bewässerung sparen Wasser

Noch baut vor allem Usbekistan in grossem Stil Baumwolle an, wofür riesige Mengen Wasser benötigt werden. In Sowjetzeiten waren dafür etliche, sehr ineffiziente Bewässerungskanäle gebaut worden, was zum Austrocknen des Aralsees beitrug.

Neuerdings versuche die usbekische Regierung aber Anreize zu setzen, damit die Bauern auch andere Pflanzen anbauten, erzählt der Hydrologe Gafurov. Dieser Wandel werde allerdings Jahre dauern, die Beharrungskräfte seien stark.

In Usbekistan werden grosse Mengen Baumwolle angebaut. Wegen des hohen Wasserbedarfs ist dies aber keine Nutzpflanze für die Zukunft.

In Usbekistan werden grosse Mengen Baumwolle angebaut. Wegen des hohen Wasserbedarfs ist dies aber keine Nutzpflanze für die Zukunft.

Timur Karpov / AP

Der Deza-Experte Umbehr hofft, dass die Bauern der Region sich zunehmend von der Baumwolle lösen und auf hochwertigere Produkte setzen können. Für diese könne man dann spezielle wassersparende Bewässerungstechniken einsetzen.

Bis anhin haben sich die früheren, düsteren Prognosen, bald werde es in Zentralasien Kriege um das Wasser geben, nicht bewahrheitet. Die gute Zusammenarbeit in der Region hat diese Entwicklung verhindert. Auch die Hilfe aus dem Ausland hat mitgeholfen, Konflikte zu vermeiden.

Von der Ambition, ein Retter sein zu wollen, müsse man allerdings Abstand nehmen, sagt der Deza-Experte Umbehr. Durch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe gewönnen beide Seiten – auch die Schweiz. Zentralasien habe früher als europäische Länder akzeptiert, dass Wasserknappheit ein wirtschaftliches Risiko sei, und deshalb Mechanismen für die Anpassung an den Wandel entwickelt. «Vielleicht können wir in zwanzig Jahren von Zentralasien lernen.»

1 Kommentar

Marc Anderson

Gestern

Abgesehen von der Möglichkeit eines Dammbruchs der 335 Meter hohen Staumauer muss das Ding ja erstmal befüllt werden, das kann ja nur zu Krieg führen. Auf der anderen Seite ist unten am Aralsee Wasser wahrscheinlich schnell verdunstet.

Passend zum Artikel

Wegen jahrzehntelanger Misswirtschaft wird in Zentralasien die wichtigste Ressource knapp. Während ein Bauer seine Felder mit Tropfbewässerung rettet, streitet sich Usbekistan mit den Nachbarstaaten um die Wasserverteilung.

Bis zum Jahr 2100 wird die Erde mindestens die Hälfte ihrer Eiszungen verloren haben. In den Alpen werde das schon bis 2045 passieren, heisst es in einer Studie unter Leitung der ETH Zürich.

Kirgistan und Tadschikistan haben sich nach jahrzehntelangen Konflikten im fruchtbaren Fergana-Tal auf Grenzverläufe geeinigt. Das ist weit über die Region hinaus von Bedeutung – auch für Europa.

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1AKW brauchen mehr Wasser als die Schweizer Landwirtschaft08.7128-09-2026
2Западные финансы вливаются в водный поток Центральной Азии, - Сергей Жильцов 05.2429-09-2026
3Медведев: РФ продолжает выстраивать сердечные отношения с Центральной Азией09.4503-10-2026
4Africa: Climate Change Is Fuelling African Conflict - Governments Are Developing a Shared Response05.2123-09-2026
5The water paradox: drowning in floods, dying of thirst06.0827-08-2026
6МИД Таджикистана: необходимо доступное финансирование мирового развития09.2227-09-2026
7МВД Афганистана: на границе с Таджикистаном обеспечена безопасность08.427-09-2026
8Китай усиливает влияние на Ближнем Востоке без войск06.6622-09-2026
9МИД: за пятьдесят лет в Таджикистане исчезло более тысячи ледников09.2528-09-2026

Классификация: . Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 8.06. Источник: www.nzz.ch.