Der pompöse Staatsempfang für den chinesischen Präsidenten im Weissen Haus kann die geopolitischen Spannungen zwischen den Grossmächten nicht überdecken. Doch sowohl Trump wie auch Xi wollen Stabilität.
Der pompöse Staatsempfang für den chinesischen Präsidenten im Weissen Haus kann die geopolitischen Spannungen zwischen den Grossmächten nicht überdecken. Doch sowohl Trump wie auch Xi wollen Stabilität.
24.09.2026, 20.10 Uhr
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Evan Vucci / Reuters
Der Staatsempfang von Xi Jinping in Washington war durchchoreografiert. Selbst der für seine Improvisationen bekannte Donald Trump befolgte strikt das Protokoll. Auch das Schulterklopfen hielt sich in Grenzen. Kurz nach 10 Uhr Ortszeit begrüssten der amerikanische Präsident und die First Lady Melania Trump vor dem Weissen Haus das chinesische Präsidentenpaar Xi Jinping und Peng Liyuan. Es schien, als hätten sich die vier bei der Kleidung abgestimmt. Beide Präsidenten trugen pflaumenfarbige Krawatten, die Gattinnen schwarze Deux-Pièces.
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Diese Live-Bilder sahen allerdings nur wenige Amerikaner, denn der sogenannte Medienpool des Weissen Hauses boykottierte den Anlass am Vormittag, nachdem mehrere Medien von Trump Hausverbot erhalten hatten. Keine der wichtigen Fernsehstationen filmte die Ansprachen, die Trump und Xi nach dem Begrüssungsritual im Innern des Weissen Hauses hielten.
Was sie sagten, wirkte wie ein Déjà-vu des letzten Gipfeltreffens in Peking im Mai. Trump betonte die «grossartige Freundschaft» der beiden Staatsoberhäupter und die «gemeinsamen Interessen» der Länder. Xi sprach zurückhaltender von «gegenseitigem Respekt» und «strategischer Stabilität». Er wiederholte den Satz, dass die beiden Länder es vermeiden müssten, in die Thukydides-Falle zu treten. Laut dieser Theorie entsteht eine gefährliche Dynamik, wenn eine aufsteigende Macht eine Führungsmacht zu verdrängen droht. Nicht Rivalen, sondern Partner sollten China und die USA sein, sagte Xi.
Danach fand im Rosengarten des Weissen Hauses die militärische Empfangszeremonie statt. Die Marinekapelle President’s Own spielte, während B-2-Bomber über die Köpfe flogen. Am Abend folgte das Staatsbankett im East Room. Unter den Gästen befand sich, wie bereits in Peking, das Who’s who der amerikanischen Techmilliardäre.

Joey Sussman / Imago
Trump und Xi trafen sich am Mittag zu bilateralen Gesprächen im Oval Office. Im Zentrum stand die Verlängerung der Busan-Vereinbarung vom vergangenen Oktober, die den Zoll- und Handelsstreit vorerst auf Eis gelegt hatte. Zuvor hatte Peking die Ausfuhr seltener Erden stark eingeschränkt, was die amerikanische Techindustrie empfindlich traf. Die Vereinbarung läuft am 10. November aus. Die Zeichen stehen gut für eine ausgedehnte Détente, wie die Ansprachen von Trump und Xi verdeutlichten. Am Mittwoch kündigte Finanzminister Scott Bessent bereits eine Erstreckung von zwei Monaten an.
Inzwischen ist offenbar auch das gemeinsame Handelsgremium operativ, das Trump am Donnerstag als «enormen Erfolg» bezeichnete. Tatsächlich liess die Umsetzung seit Mai auf sich warten. Das Board of Trade soll «unbedenkliche Gütergruppen» definieren, die von einem künftigen Handelsstreit ausgenommen werden sollen. Derweil beanstandete Bessent, dass die Chinesen ihren bisherigen Versprechen weder bei der Abnahme von Sojabohnen noch beim Export von seltenen Erden vollständig nachkämen.

Evan Vucci / Reuters
Ein Thema waren mögliche Leitplanken für die künstliche Intelligenz. Doch Trump hatte die Idee mit einem Post auf Truth Social bereits abgewürgt: «Ich möchte alles genau so belassen, wie es ist. Und das ist auch Xis Meinung», schrieb er. Beide wollen die Suche nach Superintelligenz ungehindert vorantreiben und liefern sich dabei ein Wettrüsten. An der Uno-Generalversammlung hatte Trump die Forderung mehrerer amerikanischer Techunternehmer nach einem vorsichtigeren Vorgehen kritisiert und den Ruf nach Kontrollen als «globalistische Machenschaft» bezeichnet, die den USA schaden solle.
Gleichzeitig lotet die Trump-Regierung einen Mechanismus aus, mit dem sich Risiken der Technologie in Krisensituationen besser beherrschen liessen. Bessent lancierte die Idee, Washington und Peking könnten ähnlich wie im Kalten Krieg mit Moskau ein «rotes Telefon» installieren.
Dass Xi mit allen Ehren von Präsident Trump in Washington empfangen wird, führte unter prominenten Republikanern im Kongress zu negativen Reaktionen: «Ich würde Xi nicht den Rücken zudrehen, selbst wenn er schon seit zwei Tagen tot wäre», sagte Senator John Kennedy. Senator Roger Wicker, der den Streitkräfteausschuss des Senats leitet, liess wissen, er hätte von dem Staatsempfang des «brutalen Diktators» dringend abgeraten. Aussenminister Marco Rubio, der selbst als China-Falke gilt, versuchte die Wogen zu glätten: «Die Idee, uns nicht mit China auf höchster Ebene auszutauschen, wäre unverantwortlich, wir müssen es tun.»
Iran und Taiwan als ReizthemaVor einer Woche hat der Kongress Sanktionen gegen Russland und Iran verabschiedet, die auch die Energieimporte Chinas treffen könnten. Die geopolitische Rivalität zwischen den USA und China hat sich insbesondere durch den Krieg im Nahen Osten zugespitzt. China gilt als wichtigster Handelspartner Irans und Käufer iranischen Öls. Als besonders stossend empfinden die Amerikaner, dass Peking Teheran mit Komponenten versorgt, die in Drohnen und Raketen zum Einsatz kommen. Mit Sorge beobachtet Washington die fortschreitende Aufrüstung der chinesischen Streitkräfte und die Machtansprüche im Indopazifik.
Auch Taiwan könnte die Beziehungen bald trüben. Trump hat nach dem letzten Gipfeltreffen eine Waffenlieferung an die von China bedrängte Insel ausgesetzt, was er als «sehr gutes Verhandlungspfand» bezeichnete. Falls er bald grünes Licht erteilt, wie allgemein erwartet wird, dürfte das Xi vor den Kopf stossen. Taiwan hat für ihn höchsten Stellenwert – ähnlich wie Iran für Trump. Bei beiden Fragen liegen die Positionen der Regierungen weit auseinander, was eine Verständigung erschwert.

Evan Vucci / Reuters