Das Bündnis „Unzwingbar“ hat am Freitag zu einer Demo gegen Aufrüstung, Krieg und Wehrpflicht aufgerufen. Vor allem junge Menschen sind gekommen. Erwartet werden prominente Gäste.
Tausende vornehmlich junge Menschen haben sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu einer Demo gegen eine mögliche Wehrpflicht und militärische Aufrüstung versammelt. Gegen 19.30 Uhr waren rund 3000 Teilnehmende vor Ort, sagte ein Sprecher im Lagezentrum der Berliner Polizei. Aufgerufen zu dem Protest hatte das Bündnis „Unzwingbar – kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“.
Auf der Bühne vor dem Berliner Wahrzeichen traten unter anderem der Chef der Satirepartei Die Partei und EU-Parlamentarier Martin Sonneborn sowie verschiedene Musiker auf. Am Abend sollte zudem die Berliner Hip-Hop-Gruppe K.I.Z. auftreten.

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„Ich sage es deutlich: Merz leck Eier. Und von mir aus kann er persönlich an die Ostfront gehen“, sagte Sonneborn während seiner Rede.
Bereits bei vergangenen Protesten gegen die Wehrpflicht war der Spruch „Merz leck Eier“ aufgetaucht. Bei einer Schüler-Demonstration Anfang März in Berlin hatte ein 18-Jähriger ein Plakat mit der Aufschrift getragen. Die Polizei teilte anschließend mit, dass sie gegen den jungen Mann wegen des Verdachts der Verleumdung von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ermittelt. Auch bei späteren Protestzügen waren Plakate mit dieser Aufschrift zu sehen.
Die Polizei hatte im Vorfeld bis zu 30.000 Teilnehmende erwartet. In den sozialen Medien hatten junge Menschen angekündigt, aus ganz Deutschland anreisen zu wollen – wohl aber eher wegen der Auftritte der hochkarätigen Musik-Acts. Auch auf Veranstaltungsseiten wie „Musikexpress“ war von einem „Gratiskonzert am Brandenburger Tor“ die Rede – statt einer politischen Versammlung.

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Getragen wird die Veranstaltung unter anderem von der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation Attac, der Hilfsorganisation Medico international und der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Zu den weiteren Unterstützern zählen Greenpeace, Sea-Watch und diverse Anti-Kriegs-Initiativen.
Hintergrund der Demo ist das Gesetz über den neuen Wehrdienst, das im Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden. Der Bundestag hatte die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt.
Unter den Teilnehmern ist auch Jura-Student Richard aus Steglitz-Zehlendorf. „Wenn ich darauf Lust habe, eine Waffe in die Hand zu nehmen, dann mache ich das. Aber ich möchte nicht von Menschen dazu verpflichtet werden, die selbst keine Waffe in die Hand nehmen müssen“, begründet er seine Teilnahme. Solange Frieden herrsche, habe er Hoffnung, dass keine Wehrpflicht kommt, sagt der 22-Jährige. „Gerade wenn ich sehe, wie viele junge Menschen sich dagegen wehren. Und wie viele Ältere uns unterstützen.“ Seinen Nachnamen möchte er wie die meisten Befragten nicht veröffentlichen.

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Die 29-jährige Lena ist gekommen, weil in ihrer Uni-Gruppe Werbung dafür gemacht wurde. Auch sie studiert Rechtswissenschaften. „Die Antwort auf Krieg kann nicht mehr Krieg sein. Sondern Diplomatie“, sagt sie. Auch junge Menschen besäßen in Deutschland Freiheitsrechte. Eine Wehrpflicht spräche grundsätzlich gegen die Gewissensfreiheit, sagt Lena.
„Wie unverschämt es auch einfach ist, junge Menschen, die nichts außer Einschränkungen bekommen haben, nun auch noch zum Dienst an der Gesellschaft zu zwingen. Die Schulen wurden geschlossen. Bildung ist schlecht. Mieten werden teurer. Ein Haus konnten sich nur noch meine Eltern leisten. Und jetzt sollen wir dem Land auch noch dienen?“, sagt Lena.

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Die Stimmung unter den Menschen ist sehr freundschaftlich. Die Veranstalter:innen mischen sich unter die Menge und fragen, ob es den Teilnehmenden gut geht.
Auch Schülerinnen und Schüler sind unter den Demonstrierenden. Die 16-jährige Linda aus Steglitz-Zehlendorf ist vor allem wegen des K.I.Z.-Konzerts gekommen. „Aber nebenbei möchte ich auch nicht, dass irgendjemand zu irgendetwas gezwungen wird“, sagt sie. „Statt zu verpflichten, sollten die Bedingungen für Berufssoldaten verbessert werden. Wenn wir genug Geld zahlen, melden sich schon genug freiwillig.“ Sie finde es gar nicht schlecht, dass die Bundeswehr gerade so viel Werbung mache. „Natürlich hat das was von Indoktrination, aber auch etwas von Freiwilligkeit statt Zwang für alle“, sagt Linda.
„Warum sollten wir eine Generation verteidigen, die nichts für uns macht?“, fragt die 16-jährige Eva, die ebenfalls aus Steglitz-Zehlendorf kommt. „Wenn die Bundesregierung die Wehrpflicht einführt, dann kann auch keine Veranstaltung wie diese uns mehr schützen. Dann müssen wir an die Waffe und haben keine Wahl mehr.“

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Der zwölfjährige Jakob Lange ist mit seiner Mutter aus Hessen angereist. „Ich möchte nicht eine Waffe in die Hand nehmen und mit der auf andere Jugendliche schießen. Wir sind einfache Menschen, die von wenigen Menschen ausgenutzt werden. Von Menschen, die aus uns Profit schlagen wollen“, sagt er. „Ich werde auf keinen anderen Menschen schießen. Dazu dürfen sie mich nicht zwingen.“

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Ursula und Christoph, beide 77 Jahre alt, sind ebenfalls extra für die Demo aus Bremen nach Berlin gekommen. „Wir möchten nicht, dass es noch mal einen Krieg gibt. Wir möchten nicht, dass unsere Enkelkinder eingezogen werden“, sagt Christoph. „Wir stellen infrage, wer überhaupt an Kriegen Profit schlägt. Das ist sicherlich nicht die einfache Bevölkerung.“
Die Pläne der Bundesregierung bezeichnet Ursula als einen Angriff auf die Jugend. Eine allgemeine Pflicht für ein soziales Jahr für alle Geschlechter halten die beiden dagegen für eine gute Idee. „Aber das stellt die Bundesregierung überhaupt nicht zur Debatte“, sagt Christoph. (mit dpa)
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