KI-Modelle hacken sich bei Regierungen oder der Konkurrenz ein, lehren die Entwickler das Fürchten: All das ficht den US-Präsidenten nicht an. Trump lehnt Kontrolle oder Regeln für KI-Firmen ab. Was er stattdessen präsentiert.
30.09.2026 · 02:31 Uhr
Zufriedene Gesichter bei den Manager von KI-Firmen: US-Präsident Donald Trump überlässt ihnen volle Kontrolle.
Foto: AP Photo/Jacquelyn Martin/Jacquelyn MartinWashington · KI-Modelle hacken sich bei Regierungen oder der Konkurrenz ein, lehren die Entwickler das Fürchten: All das ficht den US-Präsidenten nicht an. Trump lehnt Kontrolle oder Regeln für KI-Firmen ab. Was er stattdessen präsentiert.
US-Präsident Donald Trump will trotz Warnungen vor existenziellen Risiken Künstlicher Intelligenz die Aufsicht über die Technologie ihren US-Entwicklern selbst überlassen. Die Unternehmen würden sich selber kontrollieren, sagte Trump nach einem Treffen mit Vertretern führender KI-Unternehmen in Washington. An dem Treffen im Weißen Haus nahmen unter anderem Trumps früherer Berater, der Tech-Milliardär Elon Musk, Meta-Chef Mark Zuckerberg, Alphabet-Boss Sundar Pichai, Anthropic-Chef Dario Amodei, Jeff Bezos von Amazon und Nvidia-Chef Jensen Huang teil.
Trump bekräftigte dabei seine Ablehnung gegenüber gesetzlichen Vorschriften für KI-Entwickler. Dies begründete Trump bei der Sitzung erneut mit dem technologischen Vorsprung der USA vor China. „Wir führen, und das wollen wir beibehalten“, sagte der 80-Jährige.
Statt auf Vorschriften oder Leitlinien setzt Trump darauf, dass wirtschaftliche Interessen der Firmen ausreichenden Schutz bieten könnten. „Ihre Unternehmen stehen auf dem Spiel, wenn etwas schiefgeht“, sagte der Präsident. „Sie werden das nicht zulassen.“ Die Unternehmen würden „sich gegenseitig kontrollieren“.
In den vergangenen Monaten waren immer wieder Zwischenfälle bekannt geworden, bei denen sich KI-Agenten selbstständig gemacht hatten und anders vorgingen als beabsichtigt. So bestätigte etwa OpenAI einen Zeitungsbericht, wonach seine KI-Werkzeuge auf Internetseiten von US-Bundesbehörden zugegriffen hatten. Trotzdem beschimpfte Trump KI-Skeptiker als „Verschwörungstheoretiker“ und „Verräter“.
Experten warnten vor einem Kontrollverlust bei der Entwicklung immer leistungsfähigerer Systeme. Einige Branchenvertreter selbst warnten, man könne nicht ganz ausschließen, dass KI in der Zukunft die Menschheit auslösche. Anthropic und OpenAI plädierten zuletzt für eine gedrosselte Entwicklung der Technologie. Wie die „Financial Times“ am Dienstag berichtete, warnt Anthropic Investoren im Prospekt für seinen geplanten Börsengang zudem vor möglicherweise „existenziellen Risiken für die Menschheit“.
Bei dem Treffen mit KI-Firmenbossen am Dienstag unterzeichnete Trump eine gemeinsame Vereinbarung, die er als „moralisch bindend“ und als eine Art „Verfassung“ bezeichnete. Zudem erwäge seine Regierung die Einrichtung eines Gremiums aus etwa zehn Personen, um die gesamte KI-Branche zu überwachen. Einzelheiten über die Vereinbarung nannte der US-Präsident nicht.
Nach Angaben des Facebook-Gründers Zuckerberg enthalte sie eine Reihe von Grundsätzen, zu denen „robuste interne Kontrollen“ gehörten. Dazu solle es externe Beobachter geben.
Das entspricht einer Idee, die Amodei vor einigen Wochen vorstellte, und die unter anderem von seinem Konkurrenten Sam Altman beim ChatGPT-Entwickler OpenAI unterstützt wurde. Amodei sagte nach dem Treffen mit Trump, KI habe großes Potenzial - „aber auch sehr reale Risiken“. Maßnahmen, um diesen Risiken entgegenzuwirken, seien „noch in der Diskussion“.
Laut einer aktuellen Umfrage für den Sender CNN sind 82 Prozent der US-Bürgerinnen und -bürger „beunruhigt“ über das rasante Tempo der KI-Entwicklung. Zudem sind 87 Prozent besorgt über den Bau der dafür nötigen Rechenzentren, die viel Wasser und Strom verbrauchen.
Trump spielte die Bedenken erneut herunter. Die Rechenzentren würden bald „sehr beliebt“ sein, da die umliegenden Gemeinden „sehr reich“ würden, behauptete er. Selbst in republikanisch regierten Bundesstaaten gibt es allerdings erheblichen Widerstand, da die Datenfabriken laut Kritikern die örtlichen Energie- und Wasserpreise weiter in die Höhe treiben und für Lärm und Luftverschmutzung sorgen. Die zu dem Treffen im Weißen Haus eingeladenen Tech-Manager investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur mit Datenfabriken.
Die Diskussion um KI sorgte bereits für ungewöhnliche Bündnisse: Der linksgerichtete US-Senator Bernie Sanders und der ultrarechte ehemalige Trump-Chefstratege Steve Bannon traten kürzlich unmittelbar nacheinander auf einer Konferenz auf, wo sie vor den Gefahren von KI warnten.
Das Thema spielt auch vor den US-Kongresswahlen Anfang November eine große Rolle. Abgeordnete sowohl der Demokraten als auch von Trumps Republikanern haben Gesetzentwürfe ausgearbeitet, um den Einsatz von KI besser zu regeln. Allerdings gilt es als so gut wie sicher, dass der Kongress vor den Wahlen keine KI-Gesetze verabschiedet. Das könnte sich ändern, sollten die Demokraten die Kontrolle im Parlament übernehmen.
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