Oracle stellt die Zahlungen für ein teures Rechenzentrum in New Mexico ein. Die Aktie fällt, die finanzierenden Banken geraten unter Druck.

Project Jupiter
Oracle stoppt per Force-Majeure-Klausel die Zahlungen für das 18 Milliarden US-Dollar (15,8 Milliarden Euro) teure Rechenzentrum „Jupiter“ in New Mexico, weil Proteste, Klagen und fehlende Pipeline-Rechte den Bau blockieren.
Die finanzierenden Banken bleiben auf ihren Krediten sitzen, die bereits mit deutlichen Abschlägen gehandelt werden.
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem des KI-Booms: Fehlende Stromanschlüsse und steigende Finanzierungskosten gefährden einen Großteil der geplanten Rechenzentren.
Oracle stellt die Zahlungen für ein geplantes Rechenzentrum im Wert von 18 Milliarden Dollar ein. Der Softwarekonzern hat dem Projektentwickler Blue Owl Capital am Donnerstag eine Force-Majeure-Mitteilung zugestellt. Die Baustelle in New Mexico steht still – die Oracle-Aktie fiel daraufhin um fünf Prozent.
Das Projekt „Jupiter“ sollte auf 1400 Hektar in Doña Ana County entstehen und 2028 ans Netz gehen. Oracle wollte dort Supercomputer für die Kooperation mit OpenAI betreiben.
Lokale Proteste, Klagen von Umweltverbänden und verweigerte Durchleitungsrechte für eine Erdgaspipeline blockieren den Bau. Die geplante Anlage mit 2,45 Gigawatt sprengt den Zeitplan.
Oracle schiebt Mietzahlungen jetzt per Force-Majeure-Klausel auf. Diese Klausel greift bei Naturkatastrophen oder unvorhersehbaren Ereignissen. Die Börse reagierte prompt: Neben Oracle verlor auch Blue Owl 4,4 Prozent, der Brennstoffzellenhersteller Bloom Energy brach vorbörslich um sieben Prozent auf 256,45 Dollar (225 Euro) ein.
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Blue Owl finanziert das Rechenzentrum über ein Konsortialdarlehen von 18 Milliarden Dollar. Santander, Jefferies und BNP Paribas stellten das Geld bereit. Stoppt Oracle die Mietzahlungen, verliert die Betreibergesellschaft ihre Einnahmen für den Schuldendienst. Die Banken versuchen nun, die Kredite loszuwerden.
An den Sekundärmärkten handeln die Papiere bereits mit deutlichen Abschlägen bei 89 bis 91 Cent je Dollar. Das ist ungewöhnlich: KI-Infrastrukturkredite notieren üblicherweise nahe dem Nennwert von 100 Cent. Laut „Financial Times“ weigern sich institutionelle Investoren, den Banken die Anleihen abzunehmen.
Der Oracle-Stopp zeigt die Finanzierungsprobleme der KI‑Infrastruktur. Bernstein-Analyst Chad Dillard rechnet vor: Die gemeldete Pipeline für Rechenzentren in Nordamerika summiert sich auf 404 Gigawatt. Doch nur 35 Prozent dieser Vorhaben lassen sich realisieren. Fast zwei Drittel scheitern an fehlender Energieinfrastruktur und Finanzierungshürden.
Investitionslücke von 1,5 Billionen DollarMorgan Stanley beziffert den globalen Investitionsbedarf für Rechenzentren bis 2028 auf 2,9 Billionen Dollar (2,5 Billionen Euro). Die großen Cloud-Betreiber wie Amazon, Google, Microsoft und Oracle können aus ihrem operativen Cashflow im selben Zeitraum aber nur 1,4 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro) aufbringen. Fremdkapital muss die Lücke von 1,5 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) schließen.
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Die Risikoeinschätzung der Investoren hat sich gedreht. Einzelne Projektanleihen verlangen inzwischen Renditen im zweistelligen Bereich. Die SoftBank Group musste bei einer Platzierung über elf Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) zur Finanzierung ihrer OpenAI-Pläne bis zu 9,9 Prozent Coupons bieten. Das entspricht einem Aufschlag von fast 500 Basispunkten über US-Staatsanleihen. Die Ratingagentur vergab nur BB+.
Laut Auswertung der Londoner Börse notieren 78 von 91 im Jahresverlauf emittierten Hyperscaler-Anleihen mit Kursabschlägen. Die Renditen liegen höher als zum Emissionszeitpunkt. Institutionelle Anleger zögern zunehmend, weitere Hyperscaler-Anleihen ins Portfolio zu nehmen – sie fürchten ein Klumpenrisiko.
Moody’s warnt vor Netzanschluss-RisikoMoody’s warnte Ende Juli in ihrer Studie „Power without delivery“ vor dem zentralen Kreditrisiko: der unkalkulierbaren Frist zwischen Fertigstellung und Netzanbindung. Rechenzentren ohne Stromanschluss erwirtschaften keine Einnahmen.
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Um ihre Bilanzen zu schonen, weichen Konzerne wie Meta, Broadcom und Nvidia bereits seit zwei Jahren auf Zweckgesellschaften und Private-Credit-Fonds aus. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nennt diese Praxis „Schattenverschuldung“.
Ohne Stromanschlüsse müssen die Konzerne mit eigenem Geld für die Kredite der Zweckgesellschaften einstehen. Gleichzeitig verlangen Investoren für neue Anleihen bereits zweistellige Renditen.
Die fehlende Energieinfrastruktur bedroht den gesamten KI-Börsenboom. Ohne Leitungen müssen Firmen teuer eingekaufte Nvidia-Supercomputer einlagern, wo sie binnen Quartalen technisch veralten.
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