Das Straßenrennen der Männer bildet am Sonntag den Abschluss der Rad-WM in Montreal. Ohne Titelverteidiger Pogacar ist der Kampf um Gold offen. Eurosport 1 überträgt live im Free-TV.
Am Sonntag steigt der große Abschluss der Straßenrad-WM 2026 in Montreal. Im Straßenrennen der Elite-Männer wird der neue Weltmeister gesucht. Nach knapp 274 Kilometern und mehr als 3800 Höhenmetern wartet auf die Fahrer eine der härtesten Entscheidungen der gesamten Titelkämpfe.
Besonders spannend wird das Rennen durch die Abwesenheit von Tadej Pogacar. Der Tour-Champion und Titelverteidiger fehlt nach seinem schweren Sturz bei der Vuelta a España verletzungsbedingt. Damit ist der dominierende Fahrer der vergangenen beiden Weltmeisterschaften nicht dabei und der Kampf um das Regenbogentrikot deutlich offener.
Zu den großen Namen gehören Remco Evenepoel, Mathieu van der Poel, Wout van Aert, Isaac Del Toro und Paul Seixas. Auch Deutschland schickt ein vielseitiges Aufgebot ins Rennen. Im Mittelpunkt steht Florian Lipowitz, der allerdings nach seinem schweren Sturz bei der Tour de France noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Zuschauer können den WM-Showdown in Deutschland kostenlos verfolgen. Eurosport 1 überträgt das Straßenrennen live im Free-TV. Über HBO Max und discovery+ gibt es das Rennen zudem im Stream.
274 Kilometer und 3800 Höhenmeter wartenDer WM-Kurs in Montreal verlangt den Fahrern nahezu alles ab. Insgesamt müssen im Straßenrennen der Männer 273,7 Kilometer und rund 3803 Höhenmeter bewältigt werden. Zunächst führt die Strecke von Brossard in Richtung Montreal. Anschließend geht es auf den anspruchsvollen Rundkurs rund um den Mont Royal. Dort warten mehrere Anstiege. Besonders die 2,3 Kilometer lange Côte Camillien-Houde dürfte im Verlauf des Rennens immer stärker in die Beine gehen. Hinzu kommt die kürzere und steilere Côte de Polytechnique.
Selbst der Weg zur Ziellinie auf der Avenue du Parc steigt noch leicht an. Ein klassischer Massensprint ist auf diesem Profil deshalb kaum zu erwarten.
Stattdessen benötigt der kommende Weltmeister eine Mischung aus Ausdauer, Kletterstärke und Explosivität. Nach mehr als 270 Kilometern könnten gerade die wiederholten Anstiege am Mont Royal für die entscheidende Selektion sorgen.
Rad-WM 2026
Bild: KI Generiert
Die größte Geschichte vor dem Rennen ist ein Fahrer, der gar nicht am Start stehen wird. Tadej Pogacar fehlt bei der Weltmeisterschaft. Der Titelverteidiger hatte sich bei seinem schweren Sturz während der Vuelta a España verletzt. Damit fehlt ausgerechnet der Fahrer, der die vergangenen beiden Straßen-Weltmeisterschaften dominiert hatte. Für die Konkurrenz verändert sich dadurch die komplette Ausgangslage.
Statt möglicherweise um den zweiten Platz hinter Pogacar zu kämpfen, können sich nun gleich mehrere Fahrer realistische Hoffnungen auf das Regenbogentrikot machen. Einer davon ist Remco Evenepoel. Der Belgier möchte nach seinem ersten Straßen-WM-Titel 2022 erneut Weltmeister werden. Mit Wout van Aert besitzt Belgien gleichzeitig eine zweite hochkarätige Option. Dadurch dürfte das belgische Team im Finale taktisch besonders interessant werden.
Evenepoel, van der Poel und Del Toro jagen GoldDer Kreis der möglichen Weltmeister ist allerdings deutlich größer. Mathieu van der Poel bringt ein Profil mit, das hervorragend zum anspruchsvollen Kurs in Montreal passen könnte. Auch Isaac Del Toro hat bereits gezeigt, wie gut ihm die Straßen rund um Montreal liegen. Der Mexikaner gewann zuletzt den Grand Prix Cycliste de Montréal und geht damit mit einem Erfolg auf einem ähnlichen Terrain in die Weltmeisterschaft. Frankreich setzt große Hoffnungen auf Paul Seixas. Der erst 19-Jährige erhält die volle Unterstützung seiner Mannschaft und zählt ebenfalls zu den aussichtsreichen Kandidaten.
Daneben gibt es weitere Fahrer, die von einem offenen und aggressiven Rennen profitieren könnten. Gerade ohne den dominierenden Pogacar dürfte es für die großen Nationen schwieriger werden, das Rennen vollständig zu kontrollieren. Attacken könnten entsprechend früh beginnen.
Lipowitz: „Die WM ist speziell, da kann viel passieren“Auch Deutschland tritt mit mehreren interessanten Optionen an. Die größte Aufmerksamkeit gilt Florian Lipowitz. Der 26-Jährige musste sich allerdings erst zurückkämpfen. Vor rund zwei Monaten stürzte er im Zeitfahren der Tour de France schwer und brach sich das Schlüsselbein. Es folgten eine Operation und zwei Wochen absolute Bettruhe. Trotzdem wollte Lipowitz seine Saison noch nicht beenden. Die WM wurde zum großen Ziel seiner Rehabilitation. „Das wäre sonst ein ganz schön langes Jahr geworden“, erklärt der Deutsche. „Ich brauchte ein Ziel, aus dem ich Motivation ziehen konnte. Das hat mir die Reha erleichtert.“
Seine Erwartungen hält Lipowitz allerdings bewusst niedrig. „Ich habe versucht, in der bestmöglichen Form zu sein. Es wird sicher nicht für ein super gutes Ergebnis reichen.“ Ganz abschreiben möchte er seine Chancen dennoch nicht: „Aber die WM ist speziell. Da kann viel passieren.“ Intern wird seine Form bei etwa 80 Prozent eingeschätzt. Drei Rennen in Italien sollten ihm vor der WM wieder die nötige Rennhärte bringen.
Deutschland könnte mit Brenner und Engelhardt überraschenDass Lipowitz startet, könnte für die deutsche Mannschaft auch taktisch wertvoll sein. Bundestrainer Jens Zemke bringt es auf den Punkt: „Der Name Lipowitz scheint über allem.“ Nico Denz soll Lipowitz im Rennen unterstützen. Zemke bezeichnet ihn dabei als möglichen „Bodyguard“. Die Aufmerksamkeit der Konkurrenz auf Lipowitz könnte gleichzeitig anderen Deutschen Freiheiten verschaffen. Besonders Felix Engelhardt und Marco Brenner könnten davon profitieren.
Brenner überzeugte zuletzt bei der Vuelta und gewann dort eine schwere Bergetappe. Engelhardt erwartet in Montreal ein „hartes, ehrliches Ausscheidungsrennen“. Zum deutschen Aufgebot gehören außerdem Maximilian Schachmann und Georg Zimmermann. Der Verband peilt eine Top-10-Platzierung an. Ein Podiumsplatz wäre angesichts der starken internationalen Konkurrenz eine Überraschung.
Kein Funk könnte für zusätzliches Chaos sorgenEine weitere Besonderheit könnte den ohnehin offenen Rennverlauf beeinflussen. Bei der Weltmeisterschaft fahren die Profis ohne Teamfunk. Damit gewinnen Erfahrung, Positionierung und das Gespür für die entscheidenden Rennsituationen an Bedeutung. Maximilian Schachmann fasst die Anforderungen zusammen: „Auf dem Kurs braucht man gute Beine. Das sind schon mal 80 Prozent. Die restlichen 20 Prozent sind Taktik.“
Gerade auf dem anspruchsvollen Rundkurs dürfe man sich keine Unaufmerksamkeit erlauben. „Bei dem Kurs ist es wichtig, dass man aggressiv fährt, mit den Ellbogen ausgefahren. Die Position ist wichtig, man darf nicht schlafen“, erklärt Schachmann. Auch Bundestrainer Zemke rechnet ohne Funk mit einem teilweise chaotischen Rennen. Deutschland möchte deshalb nicht lediglich im Feld mitschwimmen. Wenn mehrere deutsche Fahrer im Finale noch in einer aussichtsreichen Gruppe vertreten sind, sollen sie offensiv fahren und ihre Chancen suchen.
Rad-WM der Männer live im Free-TV bei EurosportDas Straßenrennen der Elite-Männer findet am Sonntag, 27. September, statt und bildet den Abschluss der Straßenrad-WM 2026 in Montreal. Eurosport 1 überträgt das Rennen live im Free-TV. Damit können Radsportfans die Entscheidung um das Regenbogentrikot ohne zusätzliches Sport-Abonnement im linearen Fernsehen verfolgen.
Auch online gibt es verschiedene Möglichkeiten. HBO Max und discovery+ bieten die Rennen in voller Länge und auf Abruf an. Das ZDF zeigt zudem ausgewählte WM-Rennen über ZDFsportstudio.de. Eurosport 1 lässt sich mit einem entsprechenden TV-Paket außerdem über waipu.tv und Zattoo empfangen.
Die Übertragung im Überblick:Selten war ein WM-Straßenrennen der Männer im Vorfeld derart offen. Mit Pogacar fehlt der Titelverteidiger und große Dominator. Dadurch ergeben sich für zahlreiche Nationen völlig neue taktische Möglichkeiten. Evenepoel und van Aert geben Belgien mehrere Optionen, van der Poel bringt die Qualitäten für einen schweren Eintageskurs mit, Del Toro kennt das Gefühl eines Sieges in Montreal bereits und Frankreich setzt große Hoffnungen auf Seixas.
Deutschland geht dagegen als Außenseiter ins Rennen. Bei Lipowitz bleibt nach seiner langen Verletzungspause offen, wie lange er mit den Besten mithalten kann. Gerade das könnte Brenner, Engelhardt oder Zimmermann allerdings Freiheiten verschaffen. Nach 273,7 Kilometern, mehr als 3800 Höhenmetern und einem möglicherweise chaotischen Finale ohne Teamfunk wird am Sonntag feststehen, wer Pogacar als Straßen-Weltmeister ablöst.
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