Bauteile schweben über den Neuen Markt, wo „Circus Circus“, „Jetlag“ und „Big Ben“ Form annehmen. Die Fahrgeschäfte müssen passgenau mitten in die Stadt. Warum der Kirmes-Aufbau alle fasziniert.
23.09.2026 · 17:00 Uhr
Haan · Bauteile schweben über den Neuen Markt, wo „Circus Circus“, „Jetlag“ und „Big Ben“ Form annehmen. Die Fahrgeschäfte müssen passgenau mitten in die Stadt. Warum der Kirmes-Aufbau alle fasziniert.
Behutsam steuert den Kranführer den riesigen Haken zwischen dem Häuserring hinab auf die einzelnen Platten, die später einmal das Rund-Fahrgeschäft „Circus Circus“ der Schaustellerfamilie Preuß bilden werden. Es wirkt, als müsse der erfahrene Mann noch nicht einmal hinschauen bei dieser Millimeterarbeit mit tonnenschweren Einzelteilen, die Sekunden später scheinbar schwerelos durch die Luft schweben. Seine Kollegen packen unten mit an, einer wuchtet eine riesige Krone auf die Schultern, als wöge sie nichts. Der große Clown in der Mitte steht schon und die Buchstabenreihe befindet sich im Werden an diesem Tag kurz vor Beginn der Kirmes. Die Schausteller vom Fahrgeschäft nebenan helfen mit, als es gilt, etwas auszutarieren, widmen sich dann wieder ihrer eigenen Arbeit, bei der jeder Handgriff sitzt. So geübt sind die Mitarbeiter darin, innerhalb kürzester Zeit riesige Fahrgeschäfte aufzubauen. Es herrscht eine ruhige, konzentrierte Stimmung auf dem Neuen Markt und den umliegenden Straßen, als die Haaner Kirmes aufgebaut wird.
Bei Haans besonderer Kirmes, die sich mitten in der Innenstadt befindet, zählt jeder Zentimer. Die einzelnen Fahrgeschäfte stehen passgenau nebeneinander inmitten der Häuserzeilen, und jetzt im Vorhinein beim Aufbau passen auch noch Lastwagen, Kräne, Hubwagen und Co. mitten hinein in die Innenstadt. Das geht nicht alles gleichzeitig, was bei den helfenden Händen allerdings niemanden stört: „Die Kollegen neben uns haben extra gewartet und bauen jetzt erst auf, nachdem wir reingefahren sind“, beschreiben es die Mitarbeiter der Schaustellerfamilie Weber, die mit ihrem „Jetlag“ gerade aus Rheinbach angekommen sind und normalerweise in Moers ansässig sind, wenn kein Jahrmarkt ist. Auf der Haaner Kirmes sind sie zum zweiten Mal und genauso fasziniert wie 2025: „Das ist schon eine ganz besondere Kirmes“, sagen die beiden Männer einhellig, kein Wunder also, dass Platzmeisterin Andrea Kotthaus eine Warteliste führe mit Schaustellern, die gern dabei wären.
Dass der „Jetlag“ und die anderen spektakulären Fahrgeschäfte innerhalb von nur noch zwei Tagen bis zur Eröffnung stehen, mögen Außenstehende kaum glauben. Für die erfahrenen Schausteller ist das allerdings nichts Besonderes, im Gegenteil: „Selbst, wenn wir nur einen Tag Zeit hätten, würden wir es schaffen. Wir schaffen es in der Zeit, die uns zwischen zwei Events oder vom Aufbauplan her zur Verfügung steht“, beschreiben die „Jetlag“-Mitarbeiter ihren Alltag.
Zum zumindest jährlich wiederkehrenden Alltag gehört die Kirmes auch für die vielen Haaner, die an diesem Tag ihre Erledigungen in der Stadt machen – oder einfach nur zum Zuschauen beim Aufbauen gucken kommen. Letztere sind vor allem Familien mit kleineren Kindern, sind hier doch riesige Kräne, Lkw und Wagen zu bestaunen, von denen sonst selbst bei größeren Baustellen nur ein einziger zu sehen ist. Andere Passanten gehen gelassen zwischen den Fahrgeschäften hindurch und besuchen etwa die Bücherei schräg hinter „Circus Circus“ oder den Bücherschrank, der nun ebenfalls mitten im Kirmesgeschehen liegt. Zu den Passanten gehört auch Haans Beigeordnete Annette Herz, die zwischen Terminen oder in der Mittagspause derzeit täglich am Kirmesrummel vorbeikommt. „Es ist im Prinzip wie ein riesiges Tetris-Spiel“, sagt Herz bewundernd. Sie sei stets aufs Neue fasziniert, obgleich sie dieses „Spiel“ ja bereits in den vergangenen Jahren gesehen habe.
Bei der Haaner Kirmes da zu sein und keinesfalls in den Urlaub zu fahren, zu verfolgen, wie sich die Feierstimmung über die beschauliche Innenstadt senkt, das gehöre für die Haanerinnen und Haaner einfach dazu, beschreibt es auch ein anderer Passant. Besonders habe er persönlich in den vergangenen Jahren stets den Backfisch genossen. Für die Schausteller hat der Haaner ausschließlich Bewunderung: „So fleißige Leute. Und wer über den schnellen Aufbau innerhalb von drei Tagen staunt, müsste mal den Abbau beobachten. Wenige Stunden innerhalb von nur einer Nacht – und dann ist hier alles wieder so wie vorher.“
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