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ChatGPT mit Werbung: KI misst Käufe ohne Nutzerzustimmung

Дата публикации: 31-08-2026 12:30:00

Seit dem 24. August zeigt ChatGPT in Deutschland Werbung. Nutzer sollten jetzt prüfen, welche Daten beim Klick auf Anzeigen fließen.


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Seit dem 24. August zeigt ChatGPT in Deutschland Werbung. Nutzer sollten jetzt prüfen, welche Daten beim Klick auf Anzeigen fließen.

Seit dem 24. August kann ChatGPT in Deutschland Werbung anzeigen. Ich habe am Tag danach ein frisches Gratiskonto angelegt und dem Chatbot Fragen gestellt, die Werbekunden lieben müssten: Welcher Kühlschrank passt zu mir, welches Smartphone, welches Hotel in Südtirol. Das Ergebnis: keine einzige Anzeige. Auch der neue Anzeigenverlauf in den Einstellungen, eine Art Kontoauszug der gezeigten Werbung, blieb leer.

Ein Blick in die USA zeigt, wohin die Reise geht. Dort läuft die Werbung seit Februar, und das Magazin WIRED hat sie vermessen: 500 Fragen in der Handy-App, ungefähr jede fünfte in einem neuen Chat brachte eine Anzeige, am häufigsten bei Reisefragen.

In Deutschland beginnt diese Entwicklung gerade erst, in den USA vergingen vom Start bis zu dieser Taktung keine zwei Monate. Genau deshalb lohnt sich der Blick in die Einstellungen jetzt. Es wartet nämlich ein Schalter, der wichtiger ist als die Werbung selbst.

Werbung betrifft vor allem kostenlose ChatGPT-Nutzer

Betroffen sind Nutzerinnen und Nutzer der kostenlosen Version und des kleinen Abos namens Go für rund acht Euro im Monat. Die größeren Abos Plus und Pro bleiben werbefrei, ebenso Firmenkonten, Konten von Minderjährigen und sogenannte temporäre Chats. Das sind Unterhaltungen, die nicht im Verlauf auftauchen und nach spätestens 30 Tagen gelöscht werden.

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Eine Anzeige erkennen Sie leicht: Sie steht unterhalb der Antwort, klar abgetrennt und mit dem Wort „Anzeige“ beschriftet. OpenAIs deutsches Beispielbild zeigt, wie das aussieht: Unter einer Anleitung zum Zaunbau wirbt dort ein fiktiver Anbieter für fertige Sichtschutz-Elemente, die Anzeige liefert die bequeme Alternative zur Antwort gleich mit. Neben heiklen Gesprächen, etwa über die eigene Gesundheit, platziert OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, nach eigenen Angaben keine Werbung, politische Anzeigen sind ganz verboten. Auch die Antworten selbst sollen unbeeinflusst bleiben. Von außen prüfen lässt sich das nicht, es ist eine Zusage des Unternehmens.

ChatGPT-Werbung nutzt zunächst nur wenige persönliche Daten

Aus Datenschutzsicht beginnt das Werbezeitalter erstaunlich zahm, jedenfalls auf den ersten Blick. In Europa läuft die Werbung zum Start ohne Personalisierung, also ohne ein Werbeprofil Ihrer Person. Die Anzeige richtet sich nur nach dem Thema des laufenden Gesprächs, dem ungefähren Standort, der Tageszeit und dem Gerätetyp. Ihre früheren Chats bleiben außen vor. An die Werbekunden fließen keine Gespräche und keine Namen, sondern nur Zählwerte wie Aufrufe und Klicks.

Ein Detail steht allerdings nur im Kleingedruckten der neuen Datenschutzrichtlinie: In die Gegenrichtung dürfen Daten sehr wohl fließen. OpenAI darf von Werbepartnern Informationen empfangen, ausdrücklich auch über Einkäufe, die Sie nach einem Klick auf eine Anzeige tätigen. So lässt sich messen, welche Anzeige zu welchem Kauf geführt hat. Hinter den unscheinbaren Anzeigen entsteht damit ein vollwertiges Werbesystem. Welche Werbung Sie sehen und anklicken, speichert OpenAI ebenfalls, als Anzeigenverlauf. Sie finden und löschen ihn unter Einstellungen, Datenkontrollen, Werbeeinstellungen.

Dieser Schalter könnte für Ihre Chat-Daten entscheidend werden

Genau dort liegt auch der Schalter „Anzeigen personalisieren“. Personalisierte Werbung gibt es in Europa bislang nicht, der Schalter ist ohne Funktion, und einen Termin für den Start nennt OpenAI nicht. Festgelegt hat das Unternehmen aber längst, wie sie funktionieren würde. Es steht in der Datenschutzrichtlinie: Wer zustimmt, erlaubt OpenAI, auch frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen für die Auswahl der Werbung auszuwerten, dazu den eigenen Anzeigenverlauf und die Daten der Werbepartner.

Wer nicht zustimmt, verliert nichts. Die Werbung kommt trotzdem, nur allgemein statt maßgeschneidert. Eines stoppt der ausgeschaltete Schalter allerdings nicht: die Erfolgsmessung. Ob Anzeigen zu Käufen führen, darf OpenAI auch ohne Ihre Zustimmung auswerten. Meine Empfehlung: Lassen Sie den Schalter aus, solange niemand weiß, wie die Personalisierung in der Praxis aussieht. Zustimmen können Sie später immer noch.

Und wenn Sie schon in den Einstellungen sind, ein Tipp, der mit Werbung nichts zu tun hat und mit Ihren Daten sehr viel: Unter Datenkontrollen steht der Punkt „Das Modell für alle verbessern“. Bei meinem frisch angelegten Konto war er von Anfang an eingeschaltet. Er erlaubt OpenAI, mit Ihren Chats seine künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln. Wer das nicht möchte, schaltet ihn ab.

Auch kostenlose ChatGPT-Nutzer können Werbung abschalten

Bleibt die Frage, wie Sie mit der Werbung umgehen. Drei Wege stehen offen. Sie nehmen die Anzeigen hin und behalten das volle Nachrichtenkontingent des Gratiskontos. So stellt OpenAI es im Einstellungsmenü selbst dar: Durch Werbung seien mehr Nachrichten möglich. Oder Sie wählen in den Werbeeinstellungen „Nachrichtenlimits herabsetzen“, das geht nur in der Gratis-Version. Dann verschwindet die Werbung kostenlos, dafür bremst ChatGPT früher und Funktionen wie das Erzeugen von Bildern stehen womöglich nicht mehr bereit. Genaue Zahlen nennt OpenAI nicht, ein Tester des US-Portals TechRadar stieß nach einigen Dutzend Nachrichten an die Grenze. Der dritte Weg ist das werbefreie Plus-Abo für rund 23 Euro im Monat, den Gegenwert von zwei Kinokarten.

Mein eigener Anzeigenverlauf ist übrigens bis heute leer. So ärgerlich viele den Kurswechsel finden: Werbung, die sich nur am aktuellen Gespräch orientiert, kommt mit wenig Daten aus. Ob das so bleibt, entscheidet sich an dem grauen Schalter. Sobald OpenAI ihn freischaltet, wissen Sie, was ein Ja bedeutet.

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