Ein fröhliches Peace-Zeichen auf Fotos kann genügen, um Ihren Fingerabdruck zu kopieren – ein unterschätztes Alltagsrisiko.
Ein fröhliches Peace-Zeichen auf Fotos kann genügen, um Ihren Fingerabdruck zu kopieren – ein unterschätztes Alltagsrisiko.
Durch immer leistungsfähigere Smartphone-Kameras und Künstliche Intelligenz wird es laut BSI einfacher, aus öffentlich zugänglichen Bildern Fingerabdrücke zu rekonstruieren. Das Problem: Biometrische Merkmale lassen sich, anders als Passwörter, nicht einfach ändern.
Wie realistisch solche Angriffe sind, zeigte bereits 2014 der Hacker Jan Krissler, der unter dem Pseudonym „Starbug“ auftritt. Auf einem Kongress des Chaos Computer Clubs demonstrierte er, wie sich aus gewöhnlichen Pressefotos der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihr Daumenabdruck rekonstruieren ließ.
Für die Aufnahme genügte eine handelsübliche Kamera mit einem Teleobjektiv, die aus einigen Metern Entfernung fotografierte, sodass die abgebildete Person von der Auswertung nichts bemerkte. Wird ein solches Bild anschließend mit spezialisierter Software analysiert, lassen sich die feinen Rillenmuster der Fingerkuppe nachbilden und auf ein künstliches Abbild übertragen, das bei manchen fingerabdruckbasierten Zugangssystemen als echt erscheinen kann.
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Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Fingerabdrücke sind dabei nur ein Teil eines größeren Problems, denn auch andere biometrische Merkmale lassen sich aus frei zugänglichen Fotografien gewinnen. Hochauflösende Nahaufnahmen der Augen können unter bestimmten Bedingungen sogar zur Rekonstruktion von Irismustern dienen, während Gesichtserkennungsdienste wie das hochumstrittene „PimEyes“ inzwischen so leistungsfähig sind, dass ein einziges im Internet veröffentlichtes Foto genügt, um eine Person über zahlreiche Plattformen hinweg wiederzuerkennen und ihr weitere Bilder, Orte und Kontakte zuzuordnen.
Hinzu kommt, dass viele Aufnahmen deutlich mehr preisgeben, als der eigentliche Bildinhalt vermuten lässt: In Fensterscheiben oder Sonnenbrillen spiegeln sich mitunter Straßenschilder oder Hausnummern, auf Schreibtischen im Hintergrund liegen Firmenausweise mit lesbarem Barcode, und angehängte Standortdaten verraten den genauen Ort der Aufnahme bis auf wenige Meter genau.
Wer folglich regelmäßig Fotos und Videos seines Alltags teilt, zeichnet damit ungewollt ein sehr genaues Bewegungsprofil, das Rückschlüsse auf Wohnort, Arbeitsplatz und tägliche Routinen zulässt. Doch auch Unternehmen können betroffen sein: Supergau vor einigen Jahren war der Fall des französischen Nachrichtensenders „TV5 Monde“, der gehackt wurde, nachdem Passwörter in einer Sendung im Hintergrund eines Interviews auf Zetteln an der Wand auftauchten.
Besonders leichtfertig gehen viele Menschen außerdem mit Fotografien von Schlüsseln um, die sich etwa beim Posieren vor einem neuen Auto oder einer neuen Wohnung häufig gut sichtbar im Bild befinden. Aus solchen Aufnahmen lassen sich mit entsprechender Software dreidimensionale Modelle erzeugen, aus denen funktionsfähige Nachschlüssel gefräst werden können.
Auch Bordkarten, die stolz vor dem Abflug fotografiert werden, enthalten häufig einen Code, aus dem sich Buchungsnummer, vollständiger Name und weitere Reisedaten auslesen lassen.
Kinder sind von diesen Risiken keineswegs ausgenommen, denn Eltern veröffentlichen oft über Jahre hinweg zahlreiche Gesichtsaufnahmen ihres Nachwuchses, wodurch bereits im Kindesalter ein umfangreiches biometrisches Profil entsteht, ohne dass die Betroffenen selbst jemals zugestimmt hätten.
Ein weiteres und oft unterschätztes Problem: Das Fälschen von Unterschriften, die auf fotografierten Dokumenten öffentlich beispielsweise in Social Media geteilt werden.
Niemand muss aber deshalb auf gemeinsame Fotos oder fröhliche Gesten verzichten, denn ein bewusster Umgang mit der eigenen Bildsprache genügt bereits, um das Risiko erheblich zu senken.
Wer vor dem Auslöser kurz innehält und überlegt, was auf dem Bild tatsächlich zu sehen ist, schützt damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen, die zufällig mit auf dem Foto zu sehen sind.
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