Bei den Ausbildungsplätzen in Deutschland sieht es noch recht gut aus. Danach aber gelingt es jungen Menschen oft nicht, eine Stelle zu finden. Weniger Branchen bieten Chancen.
Wer aktuell in Deutschland nach einem neuen Job sucht, könnte auf Probleme stoßen. Das zeigen derzeit mehrere Analysen und Studien. Zuletzt hatte das Portal Stepstone etwa gezeigt, dass viele Menschen lieber an ihrem aktuellen Job festhalten, statt sich auf die Suche nach etwas Neuem zu begeben. Und das selbst dann, wenn sie unglücklich sind und keine Aufstiegschancen in der aktuellen Position sehen. Jetzt folgt eine weitere Analyse vom Jobportal Indeed, die sich auf Berufseinsteiger fokussiert.
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Für die Analyse hat Indeed zunächst Stellenausschreibungen in Deutschland seit 2019 ausgewertet. Um die Stellen für Berufseinsteiger herauszufiltern, wurden Begriffe wie „Junior“, „Berufseinstieg“, „Trainee“, „Absolvent“ und „Young Professional“ als Kriterium herangezogen. Ausbildungsstellen wurden hingegen über Begriffe wie „Ausbildung“, „Lehrstelle“, „Azubi“ oder „Duales Studium“ definiert.
Laut Indeed zeigt sich, dass die Zahl der Berufseinstiegsjobs von 2019 bis 2022 noch angestiegen ist. Im Juli 2022 zeigte sich dann der Höchststand mit einem Plus von 75 Prozent im Vergleich zu 2019. Seither geht es allerdings wieder mit den Jobs für junge Menschen bergab. Die Stellenangebote für Einsteiger sind laut Indeed in der Zwischenzeit um mehr als zwei Drittel gefallen. In derselben Zeit verlor zwar auch der Gesamtmarkt an der Zahl der Stellenanzeigen, allerdings nur um ein Drittel.
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Von diesem Rückgang sind laut Indeed fast alle Bereiche betroffen. In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen konnte ein sinkendes Jobangebot verzeichnet werden. 23 davon sind ebenfalls stärker als der Gesamtmarkt betroffen. Dazu gehören primär Bürojobs in den Bereichen Marketing, IT und Projektmanagement. Nur in den Bereichen Pflege, Medizin und Pharmazie sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie wurden mehr Jobs für Einsteiger verzeichnet, wobei diese auch größtenteils über Ausbildungen erfolgen.
Wie Indeed betont, zeichnet sich bei Ausbildung auch ein gänzlich anderes Bild. Im Vergleich zu 2019 wurden von August 2025 bis Juli 2026 etwa 50 Prozent mehr Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Hier geht im Vergleich zum Höchststand das Niveau zwar auch zurück, aber deutlich langsamer als bei Einstiegsjobs. In 20 von 23 Gruppen hat sich das Angebot besser entwickelt als in den Pendants der Einstiegsjobs.
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Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, sagte zu den Ergebnissen: „Wer heute ins Berufsleben startet, hat nur noch gut halb so viele Stellen zur Auswahl wie vor wenigen Jahren. Damit steigt für junge Menschen das Risiko, ihre Karriere mit einer Phase der Beschäftigungslosigkeit zu beginnen. Aus Studien wissen wir, dass dies langfristige Narben in ihren Erwerbsbiografien hinterlassen kann, etwa in Form niedrigerer Gehälter, die sich später nur schwer aufholen lassen. Es droht ein Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben geht.“
Als Ursache sieht die Expertin nur teilweise KI. Die Tools können „Routineaufgaben übernehmen, die traditionell von Berufseinsteigern erledigt wurden“. Die Datenlage gibt aber keinen Anlass für einen belegbaren „KI-Effekt“, da der Rückgang schon vor der Veröffentlichung von ChatGPT zu verzeichnen war. Als größeren Treiber sieht Sondergeld die „schwache Konjunktur, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten zuerst dort sparen, wo sie in Nachwuchs investieren müssten. Die wirksamste Hilfe für diese Generation ist deshalb eine Wirtschaft, die wieder wächst.“
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Junge Menschen sollten deshalb jetzt genau überlegen, ob sie nach einem Einstiegsjob oder einer Ausbildung suchen, wie Sondergeld betont: „Eine Ausbildung findet im Betrieb statt, der seinen Nachwuchs für den eigenen Bedarf qualifizieren kann und häufig übernimmt. Dass Unternehmen auch in schwachen Jahren an der Ausbildung festhalten und somit jungen Menschen Perspektiven bieten können, trägt dazu bei, dass Deutschland eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten in Europa hat. Dieser Vorteil bleibt aber nur erhalten, wenn die Ausbildungsinhalte mit der KI-Transformation Schritt halten und Auszubildende nicht Aufgaben lernen, die in wenigen Jahren eine Maschine erledigt.“
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