Walter Benz bricht zu Hause mit Herzstillstand zusammen. Seine Familie beginnt sofort mit der Wiederbelebung. Heute sagt der 83-Jährige: Ohne diese Hilfe wäre er tot.
Walter Benz sitzt auf seiner Couch in Ingerkingen bei Schemmerhofen (Kreis Biberach). Dann bricht der 83-Jährige zusammen. Sein Herz bleibt stehen. An mehr kann er sich nicht erinnern.
Tochter beginnt mit Herzdruckmassage"Ich weiß halt noch, dass ich hier auf der Couch gesessen bin", erzählt Benz dem SWR. Danach fehlt ihm jede Erinnerung. Erst im Krankenhaus bekommt er mit, was in seinem Haus passiert ist. Es ist der 25. Mai 2025. Drei Wochen zuvor hatte Benz bereits einen Herzinfarkt.
Seine Tochter wohnt über ihm. Sie bekommt mit, dass etwas nicht stimmt, kommt nach unten und setzt den Notruf ab. Die Leitstelle erklärt ihr und ihrem Mann am Telefon, was sie jetzt tun müssen. Sie beginnen mit der Herzdruckmassage.
Wiederbelebung auf dem Land: Hilfe kommt nach fünf MinutenGerade auf dem Land kann es dauern, bis ein Rettungswagen eintrifft. Deshalb gibt es im Kreis Biberach zusätzlich ausgebildete Ersthelfer, die in ihrer Nähe zu einem Notfall gerufen werden können. Bei Walter Benz funktioniert diese Hilfe.
Nach etwa fünf Minuten trifft ein solcher Ersthelfer ein. Er hat einen Defibrillator dabei. Das Gerät kann bei bestimmten Herzstillständen einen Stromstoß abgeben und dem Herzen helfen, wieder in seinen Rhythmus zu kommen.
Der Helfer setzt den Defibrillator ein. Walter Benz beginnt wieder zu atmen. Er ist noch bewusstlos, als Rettungsdienst und Notarzt eintreffen. Doch sein Herz schlägt wieder. Für Benz ist diese Abfolge bis heute kaum zu fassen: seine Tochter und sein Schwiegersohn, die Anleitung der Leitstelle, der schnelle Ersthelfer und schließlich der Rettungsdienst. Alles greift ineinander.

Was passiert ist, erfährt Walter Benz später von seiner Tochter. Er selbst hat keine Erinnerung an seine Wiederbelebung. Umso stärker beschäftigt ihn, wie viel an diesem Tag zusammenpassen musste.
"Das kann man eigentlich gar nicht beschreiben", sagt Benz. Es sei "unbeschreiblich, dass man so ein Glück hat, dass das so funktioniert, dass alles so gut läuft". Besonders dankbar ist er den Menschen, die in ihrer Freizeit für solche Notfälle bereitstehen.
"Was soll man machen, wenn es die Leute nicht gäbe, die das auf sich nehmen und den ganzen Dienst ableisten über das Wochenende und abends?", fragt Benz. Seine Antwort fällt drastisch aus: "Dann wäre ich nicht mehr da. Dann wäre ich auf dem Friedhof."
Wiederbelebung: Warum Angehörige so wichtig sindAm Montag beginnt bundesweit die Woche der Wiederbelebung. Bis zum 27. September soll sie zeigen, wie wichtig schnelle Hilfe bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist. Der Fall von Walter Benz zeigt, wie plötzlich es jeden treffen kann.
Nach Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters erlitten 2025 in Deutschland schätzungsweise 130.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das sind mehr als 350 Menschen am Tag. Bei rund der Hälfte leitete der Rettungsdienst Maßnahmen zur Wiederbelebung ein.
Besonders wichtig: Rund 70 Prozent dieser Herzstillstände passieren zu Hause. Im Ernstfall geht es deshalb häufig um einen nahestehenden Menschen: die Mutter, den Vater, den Partner oder einen Freund. Und die ersten Minuten können entscheiden.
Erste Hilfe auffrischen: Walter Benz hat eine Botschaft an JüngereWalter Benz kennt das Rote Kreuz schon lange und ist selbst Mitglied. Dass er einmal selbst auf sie angewiesen sein würde, konnte er nicht ahnen. Heute wünscht sich Benz, dass mehr Menschen ihre Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig auffrischen. Besonders junge Menschen hat er dabei im Blick.
Viele machten einen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein, sagt er. Danach gerate das Wissen häufig in Vergessenheit. Aus seiner eigenen Arbeitszeit kennt Benz es anders. Damals seien Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig wiederholt worden. Das hält er bis heute für sinnvoll.
Nach dem Herzstillstand: Walter Benz lebt heute langsamerWalter Benz hat überlebt. Aber sein Leben ist nicht mehr dasselbe. Vor dem Herzstillstand sei er ein Mensch gewesen, der jeden Tag gearbeitet habe, erzählt er. Heute fehlen ihm dafür Kraft und Ausdauer. Er besitzt eine Werkstatt im Keller und geht noch immer hinunter. Manchmal repariert er etwas. Doch nach spätestens zwei Stunden ist Schluss. Dann wird er müde und muss sich ausruhen.
Benz hat gelernt, das anzunehmen. Die neue Ruhe sieht er inzwischen sogar als etwas Positives. Früher sei sein Alltag hektischer gewesen. Heute lässt er sich mehr Zeit. Seinen Jahrestag im Mai hat er nicht mit einer großen Feier begangen. Mit seiner Lebensgefährtin trank er Kaffee. Für ihn war es trotzdem ein besonderer Tag. Sein "erster Geburtstag", wie Benz ihn nennt.
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