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Deutschland und der EU-Binnenmarkt: Europas ungenutzte Wachstumsreserve

Дата публикации: 23-09-2026 09:42:52

Deutschland profitiert besonders vom EU‑Binnenmarkt. Daher sollte die Bundesregierung europäische Lösungen wie die Kapitalmarktaufsicht nicht hemmen, meint Andreas Pinkwart.

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Erhöhter Innovationsdruck aus den USA und Fernost, geopolitische Spannungen, die erratische US-Zollpolitik und die Gefahr wachsender Abhängigkeiten bei Schlüsseltechnologien und -ressourcen setzen die europäische Wirtschaft unter Druck. Anhaltende ökonomische Schwäche wiederum bildet den Nährboden für extreme Kräfte und gefährdet die Demokratie.

Doch so weit muss es in Europa nicht kommen. Wir können den Trend umkehren. Mit einem Europa, das bis 2040 wirtschaftlich und technologisch mit den weltweit besten Regionen auf Augenhöhe steht, in dem innovative Unternehmen nicht nur zahlreich gegründet werden, sondern auch dynamisch wachsen und über den Kapitalmarkt zu globalen Marktführern aufsteigen. Und mit einem Europa, das bei vertrauenswürdiger KI, Quantentechnologie und Fusionsenergie, Medizintechnik und Green Tech weltweit führend ist.

Wir haben alles, was wir dafür brauchen: exzellente Forschung, innovative Unternehmen, gut gebildete Menschen und einen gemeinsamen Binnenmarkt mit 450 Millionen Verbrauchern.

Wie wichtig dieser Binnenmarkt und sein Wachstumspotenzial für Deutschland sind, zeigen die Daten für das erste Halbjahr 2026. Während deutsche Exporte in die USA und nach China eingebrochen sind, stiegen die Exporte in die anderen EU-Mitgliedstaaten stark an – um 7,5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres. Doch hierzulande wird das große Wachstumspotenzial des europäischen Binnenmarkts häufig verkannt.

27 verschiedene Rechtssysteme

Der Internationale Währungsfonds rechnet mit Produktivitätsgewinnen in den nächsten zehn Jahren von bis zu 20 Prozent, wenn Europa interne Handelsbarrieren reduziert und nationale Strukturreformen umsetzt. Damit könnte Europa rund die Hälfte der Produktivitätslücke gegenüber den USA schließen und seine Attraktivität für internationale Talente, Unternehmen, Kapital und Investitionen erhöhen. Damit das gelingt, müssen Hindernisse im Binnenmarkt – für Dienstleistungen, Energie oder Telekommunikation – beseitigt werden.

Unternehmen sind im europäischen Binnenmarkt mit 27 verschiedenen Rechtssystemen konfrontiert; im Steuer-, Arbeits- oder Unternehmensrecht gelten unterschiedliche nationale Regelungen. Die Folgen davon sind messbar: Europa bringt Start-ups hervor, aber kaum Unternehmen, die zu globalen Champions werden. Nur 13 Prozent aller privat gehaltenen „Einhörner“ weltweit sitzen in Europa, aber 48 Prozent in Nordamerika.

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt zudem: Europäische Unternehmen gehen seltener und mit einer geringeren Bewertung an die Börse als Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Bei weniger als 50 Prozent der Börsengänge in den USA lag der Wert der frei handelbaren Aktien unter 100 Millionen Euro; in Europa waren es dagegen 72 Prozent.

Während in politischen Sonntagsreden der Binnenmarkt beschworen wird, stocken in der Realität wichtige Reformvorhaben. Obwohl für viele Binnenmarktreformen im Rat eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten ausreicht, werden Reformen meist so lange verhandelt und abgeschwächt, bis fast alle EU-Mitglieder zustimmen können.

Deutschland bremst

Es liegt an den Mitgliedstaaten, stärker auf große Reformschritte zu setzen – auch wenn diese nicht von allen mitgetragen werden. Wirkliche Integration bedeutet auch, nationale Kontrolle und Zuständigkeiten abzugeben.

Hierzu ein Beispiel aus Deutschland: Mit dem „Market Integration and Supervision Package“ sollen Kapitalmärkte stärker integriert und grenzübergreifende Marktakteure von einer gemeinsamen europäischen Aufsicht beaufsichtigt werden. Während sich Deutschland grundsätzlich zu integrierten Kapitalmärkten bekennt, versucht die Bundesregierung, die Börse in Frankfurt am Main vorerst von der gemeinsamen Aufsicht abzuschirmen.

Ein besser integrierter Binnenmarkt würde private Investitionen mobilisieren, Produktivität steigern und neues Wachstum ermöglichen. Dies würde zu höheren Steuereinnahmen führen und den finanziellen Spielraum der Mitgliedstaaten vergrößern.

Das ist unmittelbar relevant für die laufenden Verhandlungen zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Deutschland gehört zu denjenigen, die den Kommissionsvorschlag deutlich kürzen wollen.

Das mag kurzfristig angesichts der angespannten Haushaltslage verständlich sein, langfristig greift dies jedoch zu kurz: Wer mehr europäische Handlungsfähigkeit fordert, muss bereit sein, in gemeinsame europäische Wettbewerbsfähigkeit zu investieren.

Das Zusammenspiel aus tieferer Integration, gemeinsamen Zukunftsinvestitionen und der globalen Durchsetzungskraft fairer Handelsabkommen schafft die Voraussetzungen für mehr Wachstum, Wohlstand und Handlungsfähigkeit. Diese Chancen gilt es für Europa beherzt zu nutzen.

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Классификация: Экономика. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 12.07. Источник: www.tagesspiegel.de.