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Vorzeigestadt: In Lübbenau macht sich der Strukturwandel breit

Дата публикации: 19-08-2026 15:24:00

Riesige Kräne und Mega-Baustellen an jeder Ecke: Lübbenau ist ein Wirtschaftswunder im Lausitzer Strukturwandel. Doch nicht überall in der Region sieht die Zukunft im Moment so rosig aus wie hier.
 


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Vorzeigeprojekt Rechenzentrum In Lübbenau ist der Strukturwandel zunehmend sichtbar

Der eingerüstete Rohbau des Rechenzentrums in Lübbenau
Der eingerüstete Rohbau des Rechenzentrums in Lübbenau

Von Isabelle Schilka

Mit Helmen auf dem Kopf und Arbeitsschuhen an den Füßen stapft ein ganzer Tross von Journalisten mitten durch die größte Baustelle in Lübbenau. Der Himmel über dem hier entstehenden Bauwerk zeigt sich an diesem Tag Mitte August bewölkt. Trotzdem scheint die Stadt gerade wie von der Sonne geküsst.

Die Schwarz-Unternehmensgruppe, zu der etwa Lidl oder Kaufland gehören, baut hier ihr bislang größtes Rechenzentrum. Riesige Datenmengen sollen bald im Gebäude gespeichert und verarbeitet werden. Elf Milliarden Euro investiert die Gruppe dafür am Standort.

Kein Wunder also, dass die Presse-Reise von Klaus Freytag ausgerechnet auf dieser Baustelle beginnt. Er ist der Lausitz-Beauftragte des Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und will die Lausitz im Strukturwandel - weg von der Kohle, hin zu neuen Wirtschaftszweigen - als Region der Chancen promoten. Dabei ist die Investition der Schwarz-Gruppe ein wahres Vorzeigeprojekt.

Planung, Infrastruktur - und etwas Glück

Mit Sicherheit sei in Lübbenau etwas erreicht worden, dass man sonst so nicht im Strukturwandel finde. Das sagt André Fritsche, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus, mit Blick auf das Rechenzentrum. Denn die Spreewald-Stadt hat damit eine private Einzelinvestition ergattert, die ganz ohne Fördermittel realisiert wird.

Viele andere Projekte in der Region wären ohne diese öffentlichen Mittel aber gar nicht denkbar. Der wirtschaftliche Aufschwung wird zu großen Teilen politisch forciert. In Lübbenau hingegen fließt die Investition eines privaten Investors - und das in Milliardenhöhe.

Das Gewinnlos in der Investitions-Lotterie erklärt sich Bürgermeister Helmut Wenzel so: Man habe zeitig genug die Weichen gestellt, um sich als Wirtschaftsstandort attraktiv zu präsentieren. "Unser Transformationsprozess hat ja vor über 30 Jahren begonnen." Die Entwicklung hier sei ein Marathon, kein Sprint.

Überzeugt habe die Schwarz-Gruppe außerdem die Infrastruktur des alten Kraftwerks, das vor vielen Jahren genau dort stand, wo jetzt das Rechenzentrum gebaut wird. Und ein bisschen Glück war wohl auch mit dabei, gibt Bürgermeister Wenzel zu.

Profitieren von den Pendlern

Ein Glück ist es zudem, dass Lübbenau genau auf der Achse zwischen Berlin und Cottbus, der Strukturwandel-Stadt schlechthin, liegt. In der selbsternannten "Boomtown Cottbus" werden unter anderem Forschungsinstitute, eine Unimedizin und ein eigener "Science-Park" aus dem Boden gestampft, großzügig gefördert von Land und Bund.

Von den Pendlern zwischen diesen beiden Standorten will auch Lübbenau profitieren. Auf halbem Weg, zwischen dem entstehenden Science-Park und dem Technologiepark Berlin Adlershof, baut die Stadt darum einen CO2-neutralen Co-Working-Space für 150 Menschen. Bis zu zehn Prozent derjenigen, die in Adlershof arbeiten, pendeln laut Bürgermeister Helmut Wenzel aus der Lausitz nach Berlin ein. Diese Menschen auch zum Arbeiten hier zu halten, das könnte auch die eigene Stadtwirtschaft weiter ankurbeln.

Um die Attraktivität der Stadt weiter zu steigern, wird gerade auch ein bekanntes Ärgernis im Herzen der Stadt beseitigt. Die Bahnschranken dort weichen Unter- und Überführungen, damit der Verkehr besser fließen kann. Durch Autobahnanschluss und regelmäßige Bahnverbindungen ist die Stadt sowieso schon gut im Verkehrsnetz eingebunden. Von solchen Bedingungen kann man etwa im Elbe-Elster-Kreis an der Grenze zu Sachsen nur träumen.

Die Baustelle am Bahnübergang in Lübbenau von oben Die Baustelle am Bahnübergang in Lübbenau von oben

Nicht alle Lausitzer Städte ziehen nach

Tatsächlich brummt der Strukturwandel-Wirtschaftsmotor nicht überall so wie in Lübbenau. In Guben hadert die Firma Rocktech mit der Finanzierung ihrer geplanten Lithiumhydroxid-Industrie. Die Pläne für eine Batteriefabrik in Schwarze Pumpe sind bereits gestorben. Und in Lauchhammer kann das Projekt "Erz und Kohle", welches Touristen in die Stadt locken und so die Wirtschaft ankurbeln sollte, aufgrund der angespannten Haushaltslage vorerst nicht umgesetzt werden.

Nicht über alle Städte wird der Fördertopf so großzügig ausgeschüttet, wie über der "Boomtown Cottbus". Laut dem Lausitz-Beauftragten Klaus Freytag sind öffentliche Gelder aber ohnehin nur der Grundstein für den Wandel, der kommen soll. Es brauche dringend private Investoren, wie es in Lübbenau der Fall ist. Die zu bekommen sei im Moment schwer, gibt er zu.

Investoren wollen eine gute Infrastruktur

Die Investoren sind zögerlicher geworden - und auch notwendige Infrastrukturprojekte stocken unter der angespannten Wirtschaftslage. Etwa der geplante Ausbau der Bahnstrecke zwischen Görlitz und Cottbus, wie IHK-Hauptgeschäftsführer André Fritsche sagt. Dabei sei eine gute Infrastruktur Grundvoraussetzung für das Anlocken von Privatinvestitionen. Trotzdem gibt sich Fritsche optimistisch. Mit guten Projekten könnten auch andere Regionen vom Strukturwandel profitieren.

Die Stadt Lübbenau profitiert dieser Tage auf jeden Fall. Im nächsten Jahr sollen hier die ersten Module des Rechenzentrums ans Netz gehen. Mit seiner Abwärme soll das Zentrum dann auch Haushalte der Stadt versorgen. Genau dort, wo das einst das Braunkohlekraftwerk der Stadt tat.

Mit Informationen von A.Rausch und I.Wußmann.

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 18.08.2026, 16.40 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 18.08.2026, Iris Wußmann

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