Ein über weite Strecken starker Auftritt der Zebras wird mit drei Punkten gekrönt. Kother schnürt Doppelpack, Christensen gelingt ein Premierentor.
Spitzenreiter der 3. Fußball-Liga war der MSV Duisburg vor dem Spieltag. Spitzenreiter war der MSV auch in der virtuellen Tabelle unmittelbar nach dem Anpfiff der Partie beim SV Wehen Wiesbaden am Sonntagabend. Und Spitzenreiter blieb der MSV bis zum Schluss. Mit dem 4:1 (3:1)-Sieg in Hessen haben sich die Zebras optimal in die dreiwöchige Länderspielpause verabschiedet.

Die Phase, in der Dietmar Hirsch und sein Team mal nicht auf dem ersten Platz standen, hatte am Samstagnachmittag begonnen. Da war Viktoria Köln durch das 3:0 gegen den FC Ingolstadt 04 aufgrund der besseren Tordifferenz an den punktgleichen Duisburgern vorbeigezogen. Einfache Rechnung: Somit würde in der Wiesbadener Brita-Arena schon ein Remis reichen, um wieder auf die Pole-Position vorzustoßen.
Es ist kein Geheimnis, dass Trainer Hirsch seine Mannschaft nur selten mit der Marschrichtung ins Spiel schickt, am Ende einen Punkt herauszuholen. Manche Fans waren aber schon etwas verwundert, als sie einige Zeit vor dem Anpfiff auf die Aufstellung schauten, die gewählt worden war. Die klang mit der Hereinnahme von Niklas Jessen, Aljaz Casar, Martin Ens und Debütant Frederik Christensen anstelle des verletzte Joshua Bitter sowie Jakob Bookjans, Max Besuschkow und Can Coskun ein gutes Stück defensiver als gegen Kellerkind SVWW womöglich erwartet. Ein neues Gesicht gab es zudem auch im Kader: U-19-Kicker Reda Haddou, am Samstag noch beim 0:4 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München auf dem Platz, durfte erstmals bei den Profis auf der Bank sitzen.

Dominik Kother brachte den MSV mit seinem Doppelpack auf die Siegerstraße.© imago | Nico Herbertz
Die Hausherren unter der Regie von Interimstrainer Frank Steinmetz schienen die Mutmaßungen mit einem von Beginn an offensiv durchaus mutigen Auftritt zu bestätigen. Schon nach drei Minuten hatte Lukas Schleimer eine Großchance, zielte aber aus elf Metern deutlich zu weit über den Kasten von Max Braune. Der MSV agierte zunächst etwas zurückhaltend, verstärkte aber nach zehn Minuten den Druck. Der erste wirklich zügig vorgetragene Angriff brachte dann auch schon die Führung. Aljaz Casar startete auf der rechten Seite durch und passte in die Mitte auf Dominik Kother, der die Kugel mit einer Direktabnahme im Netz unterbrachte (18.).
Wehen Wiesbaden hielt am offensiven Auftritt fest und war nach 25 Minuten gefährlich in Strafraumnähe. Aus der nicht konsequent vorgetragenen Performance entwickelte sich allerdings ein MSV-Konter wie aus dem Lehrbuch. Diesmal sprintete Conor Noß rechts durch, passte nach innen und fand ebenfalls Dominik Kother, der ganz platziert von der Strafraumgrenze ins rechte Eck traf.
MSV kam ins RollenDas saß. Die Wirkung dieses Treffers war den Gastgebern anzumerken, der MSV kam nun richtig ins Rollen. Dabei vergab Peter Remmert zunächst noch zwei Meter vor dem Tor das 3:0 (31.), doch nur eine Minute klingelte es wieder. Nun agierte Dominik Kother als Vorbereiter, dessen Weiterleitung nach links Frederik Christensen mit einem linken Hammer in den linken Winkel krönte.

Duell mit Folgen: Tarik Gözüsirin (rechts) schoss dem auf dem Boden liegenden Can Coskun den Ball in den Unterleib und sah dafür die rote Karte.© imago | HMB Media/Claus
Fühlte sich vorentscheidend an, war es aber nicht. Der MSV versuchte in den letzten Minuten vor der Pause das Ergebnis über die Zeit zu bringen, agierte dabei aber einen Hauch zu lässig. Das schlug sich Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit im 1:3 durch Lukas Schleimer nach einem nicht unterbundenen Doppelpass nieder. So ging es unnötigerweise mit einem doch etwas ärgerlichen Gefühl in die Kabine.
SVWW: Stritzel – Nink (73. Kalem), Gillekens (82. Hübner), Janitzek, Greilinger – Gözüsirin, Brandt – Massimo (73. Stehle), Schleimer, Paula (46. Schultz) – Flotho (46. Müller).
MSV: Braune – Jessen (46. Coskun), Fleckstein, Schlicke, Ens, Christensen (89. Borkowski) – Kother (67. Safi), Bulic, Casar, Noß (67. Krüger) – Remmert (76. Besuschkow).
Tore: 0:1, 0:2 Kother (18., 25.), 0:3 Christensen (32.), 1:3 Schleimer (45.), 1:4 Noß (54.).
Schiedsrichter: Kabalakli (Gelsenkirchen).
Rote Karte: Gözüsirin (Wehen Wiesbaden, 59., Unsportlichkeit).
Gelbe Karten: Schleimer, Stehle.
Zuschauer: 4522.
So geht‘s weiter: Rheydter SV – MSV Duisburg (Mi., 23. September, Grenzlandstadion/2. Runde Niederrheinpokal), MSV Duisburg – TSG 1899 Hoffenheim II (Sa., 10. Oktober, Schauinsland-Reisen-Arena/3. Liga).
Zum zweiten Durchgang wechselte Wiesbaden zweimal, beim MSV nahm Can Coskun den Platz von Niklas Jessen ein. Beim Gastgeber kam mehr Schwung in die Aktionen, der hereingekommene Marcus Müller zwang Braune zu einer starken Parade (53.). Doch schon der Gegenangriff ließ die auf den Rängen in der Überzahl scheinenden MSV-Fans wieder jubeln: Conor Noß setzte über rechts ein spektakuläres Solo mit Tunnel und Übersteiger an, ehe sein erster Schuss noch auf der Linie von einem Wiesbadener geklärt wurde, doch im Nachsetzen traf er aus noch spitzerem Winkel zum 4:1.
Hoch her ging es dann in der 59. Minute. Can Coskun wurde in auf der rechten Angriffsseite von Max Brandt gefoult und bekam dann auf den Boden liegend den Ball von SVWW-Kapitän Tarik Gözüsirin in den Unterleib geschossen. Schiedsrichter Cengiz Kabalakli zögerte nicht und zückte sofort die rote Karte, die es zudem noch für den protestierenden Co-Trainer Giuliano Modica gab.
Glück für BrauneDie Unterzahl wirkte sich zunächst aber nicht vorteilhaft für den MSV aus. Vielmehr versuchten die Hessen noch einmal alles in die Waagschale zu werfen. Dabei tauchte zunächst wieder Müller ganz frei vor Braune auf, der aber erneut bravourös hielt (63.). Drei Minuten später hatte der Keeper der Zebras allerdings großes Glück: Bei einem Schuss von Roberto Massimo rutschte Braune mit der eigentlich schon abgewehrten Kugel ein Stück zurück und ließ – zumindest deuteten es die TV-Bilder so an – sie mit vollem Umfang über die Linie gleiten. Das Schiedsrichtergespann sah dies allerdings nicht so.
Mit dem 2:4 hätte das Spiel auch einmal eine andere Richtung einschlagen können. So aber hatte Wehen Wiesbaden sein Pulver verschossen. Der MSV brachte den Vorsprung nun souverän über die Runden und konnte nachher mit seinen Fans feiern.
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