Im Abwehrkampf gegen UniCredit wirf die Commerzbank der italienischen Großbank erneut vor, nicht sauber zu spielen und Aktien über verbündete Marktteilnehmer einzusammeln. Die UniCredit weist die Vorwürfe zurück. Es wird schmutzig.
Der Übernahmekampf zwischen der Commerzbank und der italienischen UniCredit wird mit immer härteren Bandagen geführt. Während die Commerzbank am Mittwoch ihre Vorwürfe erneuerte, dass sich die UniCredit bei der geplanten Übernahme unlauterer Methoden bediene, warf die UniCredit den Deutschen „haltlose Anschuldigungen“ vor. Beide Parteien bezichtigen sich damit schmutziger Tricks.
In einer Presseaussendung vom Mittwoch erneuerte die von Bettina Orlopp (56) geführte Bank ihre Vorwürfe, dass es bei der Übernahme nicht mit wirtschaftlicher Logik zuginge. Die Commerzbank verwies darauf, dass der Aktienkurs des Frankfurter Instituts durchgehend über dem Angebotspreis der Italiener gelegen habe. „Eine Angebotsannahme folgt unter diesen Umständen keiner wirtschaftlichen Logik und wirft die Frage auf, ob nicht offengelegte wirtschaftliche Ausgleichsvereinbarungen
bestehen“, teilte die Commerzbank mit.
Orlopp forderte sowohl von der UniCredit wie auch von der Finanzaufsicht Bafin Aufklärung über mögliche wirtschaftliche Anreize der Angebotsannahme für die Verkaufenden. Diese sei die UniCredit bislang schuldig geblieben. Hier erwarte man im Interesse der Aktionäre mehr Markttransparenz und übermittle daher der deutschen Bankenaufsicht Bafin fortlaufend Daten und Erkenntnisse.
Schwere gegenseitige VorwürfeDie UniCredit wies die Anwürfe scharf zurück und warf der Commerzbank ihrerseits die „Verbreitung unbegründeter Desinformation“ vor. Zwar stünde es den Frankfurtern zu, sich gegen die Übernahmeofferte auszusprechen. Die Bank sei aber nicht berechtigt, „die Integrität des Angebotsverfahrens zu untergraben“, indem sie unbelegte Behauptungen aufstelle.
So halte sich die UniCredit bei ihren Angaben „vollständig“ an die Vorgaben des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes sowie des deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes. Man habe der Bafin sämtliche Verträge und etwaige Nebenabreden im Rahmen der Angebotsunterlage sowie des Gestattungsverfahrens fristgerecht zur Verfügung gestellt und werde dies auch künftig tun, so die UniCredit.
Knapp 11 Prozent der Aktien wurden angedientUniCredit hatte zuvor erklärt, bei dem laufenden Übernahmeangebot seien inzwischen 10,9 Prozent der Commerzbank-Aktien angeboten worden. Wenige Tage vor Ablauf der Offerte hat UniCredit-Chef Andrea Orcel damit 37,7 Prozent an dem deutschen Rivalen sicher, einschließlich Termingeschäften sind es schon 40,9 Prozent. Zusätzlich halten die Italiener noch andere Terminkontrakte, für die zwar grundsätzlich ein Barausgleich vorgesehen ist, die ihnen aber bei einer ebenfalls möglichen Bezahlung in Aktien weitere 13,19 Prozent an der Commerzbank bringen könnten. Damit hätte UniCredit eine Mehrheit an Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank.
Dass UniCredit eine Woche vor Fristende schon so viele Aktien eingesammelt hat, hatte Beobachter überrascht, weil die Tauschofferte weiterhin rechnerisch unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie liegt – und die Kursziele von Analysten noch höher sind. Zudem dienen institutionelle Investoren ihre Papiere in aller Regel erst in den letzten Tagen einer Übernahmefrist an.
Aktionäre der Commerzbank haben noch bis zum 16. Juni Zeit, ihre Aktien der UniCredit anzudienen. Die Italiener haben jedoch bereits eine Ausweitung der Annahmefrist in Aussicht gestellt, die voraussichtlich noch bis vom 20. Juni bis 3. Juli laufen soll.
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