Lange wurde darüber spekuliert, jetzt ist es beschlossen: Siemens Energy will die von Anne-Laure de Chammard geführte Industriesparte abspalten und womöglich in Teilen verkaufen. Erste Bieter bringen sich bereits in Stellung.
Die Sparte mit 17.000 Mitarbeitern stellt unter anderem Dampfturbinen, Kompressoren und Anlagen für die Wasserstoffproduktion her. Kunden sind Unternehmen der energieintensiven Industrie, die sich klimaschonender aufstellen wollen. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Siemens Energy mit der Sparte einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro erzielen. Sie war damit deutlich kleiner als die Bereiche Grid Technologies mit Erlösen von 11,3 Milliarden Euro und Gas Services mit 12,2 Milliarden Euro.
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy will sein Dampfturbinengeschäft neu aufstellen und möglicherweise später veräußern. „Siemens Energy beginnt mit den Vorbereitungen für die rechtliche und operative Verselbstständigung seines Geschäftsbereichs Transformation of Industry“, teilte der Konzern am Dienstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit.
Ziel sei die Schaffung eines starken und unabhängigen Unternehmens für industrielle Energielösungen. Die künftige Aufstellung solle Transformation of Industry mehr unternehmerische Flexibilität und zusätzliche Möglichkeiten für weiteres Wachstum eröffnen – von der Hereinnahme externer Investoren bis hin zu einer möglichen Kapitalmarkttransaktion.
Siemens Energy kündigte an, eine „wesentliche Minderheitsbeteiligung“ behalten zu wollen. „Wenn wir unsere Struktur nicht verändern, begrenzen wir die Möglichkeiten von Transformation of Industry“, sagte Vorstandschef Christian Bruch (56). Derzeit liege der Investitionsschwerpunkt auf der Stromerzeugung und der Stromübertragung. „Dort erzielen Investitionen kurzfristig höhere Erträge.“
Gerüchte über eine geplante Abspaltung sind nicht neu. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, hat Siemens bereits die US-Bank Goldman Sachs mit dem Verkauf mandatiert.
Bieter bringen sich bereits in StellungZugleich formiert sich der Kreis möglicher Bieter für den Geschäftsbereich. Dem Bericht zufolge erwägen Private-Equity-Gesellschaften wie CVC Capital Partners, EQT und Bain Capital, Angebote für einen Mehrheitsanteil an dem Geschäft abzugeben. Das Geschäft würde bei einem Verkauf wohl mit mehr als zehn Milliarden Euro bewertet, heißt es. Auch Brookfield und KKR prüfen offenbar Angebote. Alle möglichen Beteiligten als auch ein Siemens Energy selbst wollten den Bericht nicht kommentieren.
Die Aktie von Siemens Energy gehörte am Dienstag zu den Gewinnern im Dax: Die Pläne zu Abspaltung und möglichem Verkauf der Sparte hatten bereits in den vergangenen Wochen den Aktienkurs gestützt.
Der Bereich „Transformation of Industry“ erzielte im letzten Geschäftsjahr mit 17.000 Beschäftigte einen Umsatz von rund 5,7 Milliarden Euro. Er stellt außerdem Generatoren, Kompressoren und Mikronetze vorwiegend für Industriekunden her. Das unterscheidet ihn von den auf den Energiesektor ausgerichteten Geschäftsbereichen des Unternehmens.
Beide Bereiche sind hochprofitabel und wachsen. „Aber sie konkurrieren um dieselben Ressourcen in Bezug auf Kapital“, sagte Vorstandsvorsitzender Christian Bruch (56) Anfang dieses Monats. Zusammen mit Anne-Laure de Chammard (44), die die Sparte Transformation of Industry seit dem Jahr 2022 leitet, hatte er kürzlich dem Aufsichtsrat zusammen dargelegt, warum die Einheit als eigenständige Firma besser dran wäre.
Die Geschäftsbereiche Gasturbinen und Netzausrüstung sind die Haupttreiber des Rekordauftragseingangs. Sie profitierten von der starken Nachfrage nach Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung, da der Boom der künstlichen Intelligenz den Bau von Rechenzentren beflügelt.
Die Investitionslücke wird immer größerChammard befürchtet, dass im internen Wettstreit eben mit den Bereichen zentrales Gas, Netze und Windkraft um die verfügbaren finanziellen Ressourcen ihre Einheit zu kurz kommen könnte. Konkurrenten wie Baker Hughes investieren jährlich bis zu 9 Prozent ihres Umsatzes. Transformation of Industry liegt laut Insidern deutlich darunter, bei einem Niveau von etwa 4 Prozent.
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Und die Lücke zu den Wettbewerbern könnte in den nächsten Jahren größer werden, heißt es. Um sie zu schließen, wären zunächst gut 300 Millionen Euro an frischen Investitionen in die Industriesparte nötig, erklärte ein Energy-Insider gegenüber dem manager magazin. Der Betrag wirkt überschaubar. Doch um die unterschiedlichen Geschäfte tatsächlich auf das nächste Level zu heben, so berichten Kenner der Materie, müssten die Investitionen kumuliert über die nächsten Jahre auf gut 3 Milliarden Euro ausgeweitet werden.
Investoren drängen Siemens Energy schon länger, die angeschlagene Windkraftsparte Siemens Gamesa zu verkaufen. Das Geschäft verzeichnete kürzlich seinen ersten Quartalsgewinn seit fast vier Jahren und das Management rechnet damit, dass es in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen wird.
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