Michael Lohscheller löst Thomas Ingenlath an der Spitze von Polestar ab. Der Elektroautobauer strauchelte zuletzt, die Verkaufszahlen stockten, der Börsenkurs brach ein. Jetzt soll es der ehemalige Opel-Chef richten.
Neue Chefaufgabe: Ex-Opel-Boss Michael Lohscheller übernimmt bei Polestar
Foto: Oliver Dietze / dpaDer Elektroautohersteller Polestar tauscht den Chef aus. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, wird ab 1. Oktober Michael Lohscheller (55) den Posten von Thomas Ingenlath (60) übernehmen. Offiziell hieß es, Ingenlath trete von seinem Amt zurück. Der frühere Volkswagen-Designer hatte Polestar seit der Gründung im Frühjahr 2017 als CEO geleitet.
Die Karriere von Michael Lohscheller nimmt damit eine weitere Wendung. Der gebürtige Bocholter hatte einst als Finanzchef für Volkswagen in Nordamerika gearbeitet, ehe er 2012 als Vorstand zu Opel wechselte. Nach der Übernahme durch den heutigen Stellantis-Konzern trieb er als Opel-Chef zwischen Juni 2017 und September 2021 die Sanierung des Rüsselsheimer Autobauers voran. Es folgten Engagements bei der vietnamesichen Vinfast-Gruppe und beim amerikanischen Nikola-Konzern, die allerdings schnell wieder endeten.
In Lohschellers Umfeld heißt es, in Vietnam habe das Verhältnis zu den Eigentümern nicht gestimmt, bei Nikola habe Lohscheller das Amt wegen eines Krankheitsfalls in der Familie niedergelegt. Zuletzt trat Lohscheller als Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller wieder in Deutschland in Erscheinung.
Nun also der Wechsel nach Göteborg. Seine Erfahrung als Sanierer kann Lohscheller bei Polestar gut gebrauchen. Der Elektroautohersteller ist angeschlagen, verbrannte im vergangenen Jahr fast 1,5 Milliarden Dollar. Hauptaktionär Volvo hatte im Frühjahr einen Großteil seiner Anteile an seine Konzernmutter Geely abgegeben. In gut zwei Jahren an der New Yorker Techbörse ist der Autobauer von einer 20-Milliarden-Dollar-Bewertung zum Pennystock abgestiegen. Polestars Verkäufe lahmen, nach knapp 51.500 Auslieferungen im Jahr 2022 konnte sich die Marke im vergangenen Jahr nur minimal auf 54.600 Einheiten steigern. Im ersten Halbjahr 2024 sackte der Absatz auf gerade mal noch 20.200 Neuwagen ab.
Gebremst wurde der zuletzt vor allem vom verzögerten Start des Polestar 3. Deutlich länger als geplant war die Marke so nur mit einem Modell, dem Polestar 2, am Markt aktiv. Soll die Kehrtwende gelingen, braucht es jetzt eine Aufholjagd. Neben dem Polestar 3 beginnt der Hersteller in Europa gerade mit den Auslieferungen seines dritten Modells, dem Polestar 4. Mancher Beobachter befürchtet, beide Autos könnten sich aufgrund des kurzen Abstands zueinander kannibalisieren. Polestar dagegen hofft auf einen Schub, „155.000 bis 165.000“ Auslieferungen nehme man sich für 2025 vor, hieß es zuletzt vom Hersteller. Das manager magazin schrieb zuletzt, 2025 werde für Polestar zum „Jahr der Entscheidung“.
Dass der Turnaround unter Thomas Ingenlath gelingen könnte, so heißt es aus Göteborg, hielten vor allem Hauptaktionär Geely und der künftige Aufsichtsratschef Winfried Vahland (67) nicht mehr für wahrscheinlich. Vahland löst im Oktober Håkan Samuelsson (73) an der Spitze des Kontrollgremiums ab, der Polestar gemeinsam mit Ingenlath aufgebaut hatte. Der ehemalige Volkswagen-Topmanager Vahland hatte zuvor schon einige Wechsel bei der Marke durchgesetzt, etwa einen neuen Vertriebschef und neue Landeschefs in den USA, Norwegen und Großbritannien installiert. Zuletzt gab Polestar die Verpflichtung des langjährigen Audi-Designers Philipp Römers als neuen Chefdesigner bekannt.
In einem Brief an die Polestar-Belegschaft, der dem manager magazin vorliegt, schrieb Vahland, Ingenlath habe die Basis für die Marke gelegt, mit „einem Fokus auf Design, Performance und Premiumqualität“. Inzwischen sei das Unternehmen dem Status eines Start-ups entwachsen und starte in eine neue Entwicklungsphase. Deshalb habe man sich zu den personellen Wechseln entschlossen.
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Auch organisatorisch greift Vahland durch: Statt die Autos vor allem direkt verkaufen zu wollen, wird Polestar in Zukunft mehr mit Händlern zusammenarbeiten. Geely stehe hinter dem Kurs, heißt es. Die Hoffnung, Polestar als aktuell einzige globale reine E-Premiummarke zum Erfolg zu führen, bleibt. Dafür müssen jetzt höhere Verkaufszahlen kommen. 2025 erwartet Vahland, auch das machte er in seinem Brief deutlich, aber noch mehr von Polestar: „Solide Geschäftsergebnisse, mit dem Ziel, im nächsten Jahr profitabel zu sein.“ Statt dem Designer Ingenlath darf sich daran nun Controller Lohscheller versuchen.
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