Bei einer neuen Finanzierungsrunde hat das von CEO Dario Amodei geführte US-Unternehmen Anthropic rund 65 Milliarden Dollar eingesammelt. Damit ist die Bewertung der KI-Firma nun höher als die ihres Konkurrenten, des ChatGPT-Anbieters OpenAI.
Das US-Unternehmen Anthropic ist nach einer neuen Finanzierungsrunde nun wertvoller als sein Konkurrent im Bereich künstliche Intelligenz (KI), OpenAI. Anthropic sammelte am Donnerstag bei Investoren 65 Milliarden US-Dollar (rund 56 Milliarden Euro) ein. Vor dem erwarteten Börsengang in diesem Jahr wird der von CEO Dario Amodei (43) geführte Techkonzern nun mit 965 Milliarden Dollar bewertet.
Mit dem frischen Geld solle die Rechenkapazität ausgebaut werden, um der wachsenden Nachfrage nach dem Chatbot Claude gerecht zu werden, hieß es weiter. Zudem sollten Produkte weiter skaliert werden. Anders als der ChatGPT-Entwickler OpenAI hatte Anthropic von Anfang an auf KI für Unternehmenskunden gesetzt statt auf Privatnutzer.
Im Februar war Anthropic nach einer neuen Finanzierung noch mit 380 Milliarden Dollar bewertet worden. An der jüngsten Runde nahm auch Amazon teil. Der Onlinehändler hatte im April angekündigt, bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren, da sich das KI-Start-up verpflichtet hat, in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für Amazons Cloudtechnologien auszugeben.
OpenAI wurde zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Die beiden Konkurrenten könnten in diesem Jahr an die Börse gehen. Bereits ab dem 12. Juni wird zudem der Börsengang des Raumfahrtkonzerns SpaceX von Techmilliardär Elon Musk (54) erwartet. SpaceX könnte eine Rekordbewertung von 1,75 Billionen Dollar erzielen, das wäre der größte Börsengang aller Zeiten.
Anthropic steht derzeit in einem Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium. Dabei geht es um die uneingeschränkte militärische Nutzung der KI-Technologie, die Anthropic dem Pentagon verweigert hat. Der Konzern erklärte, er wolle KI nicht zur „Massenüberwachung im Inland“ oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als „Sicherheitsrisiko in der Lieferkette“ ein, wogegen das Unternehmen sich juristisch wehrt.
Deutsche Verfassungsschützer und Sicherheitspolitiker warnen derweil vor Risiken durch das KI-Modell Mythos des US-Unternehmens. Sie fürchten, Kriminelle oder staatliche Akteure könnten Mythos für Cyberangriffe nutzen. Anthropic hat Mythos bislang nicht veröffentlicht. Die US-Behörden sowie eine Handvoll von Konzernen haben testweise Zugriff.