Die deutsche Filmindustrie hat eine Durststrecke hinter sich. Nun sollen private Mittel und eine aufgestockte Förderung die Branche wieder beflügeln.
Verpflichtende Investitionen der groen Streamingdienste wie Netflix, Amazon oder Disney+ und eine aufgestockte staatliche Frderung sollen die Filmproduktion in Deutschland wieder in Schwung bringen. Das Bundeskabinett hat einen entsprechenden Gesetzentwurf von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer beschlossen. Die Vorlage geht jetzt in das Parlament. Sie soll Anfang 2027 greifen.
Hintergrund ist eine jahrelange Flaute der deutschen Filmbranche. In groen Studios wie etwa in Babelsberg oder bei der Bavaria fehlten Auftrge, groe Filme und Serien wurden anderswo gedreht - zum Beispiel der Netflix-Film "Im Westen nichts Neues" in Tschechien. Einige europische Lnder lockten mit attraktiven Konditionen und Steuervorteilen.
"Chance auf Filmhits"
Netflix, Amazon und Co sollen in Filmstandort investieren
Bild mit KI erstellt
Weimer hofft nun auf einen Boom und neue deutsche Blockbuster. "Mit
dem heutigen Kabinettsbeschluss znden wir fr den deutschen Film
eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb", erklrte der
parteilose Staatsminister fr Kultur und Medien. "Nun ist es an der
Branche, diese Chance zu nutzen, um Filmhits 'made in Germany' in
Serie zu produzieren."
Eckpunkte fr eine Investitionspflicht fr Streamingkonzerne und TV-Sender hatte die schwarz-rote Koalition schon im Februar vereinbart. Weimers Entwurf greift das auf. Demnach sollen die Dienste und Sender mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes mit Abos und Werbung in den Filmstandort Deutschland stecken. Das knnte sich auf Hunderte Millionen Euro summieren.
Nach Angaben des Branchenverbands VAUNET lagen die Umstze aus Pay-TV und Paid-Video-on-Demand in Deutschland schon 2024 bei rund 5,5 Milliarden Euro. Den Werbemarkt fr TV, Videostreaming und Audio-Medien prognostizierte VAUNET fr 2026 auf 6,5 Milliarden Euro. Von den Werbeumstzen mit Videostreaming sollen knapp drei Viertel auf die Grokonzerne Alphabet, Amazon, ByteDance und Meta entfallen.
Auch Fernsehsender betroffenDie Mindestinvestitionsquote gilt aber nicht nur fr die internationalen Konzerne, sondern auch fr Fernsehsender wie RTL, ProSieben/Sat1 und auch die ffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Als Bemessungsgrundlage fr sie sollen die Programmkosten fr das nicht-lineare Angebot gelten.
Daneben seien Anreize fr weitergehende freiwillige Selbstverpflichtungen vorgesehen, erklrte Weimer. "Ab einer Investitionsquote von 12 Prozent oder mehr ist es den Medienunternehmen erlaubt, von bestimmten Detailvorgaben des Gesetzes abzuweichen." Sogenannte Subquoten soll es fr deutschsprachige Inhalte, unabhngige Produzenten und die Herstellung neuer Werke geben. Zudem geht es um Vorgaben fr eine Rechteteilung mit unabhngigen Produzenten.
Filmfrdertpfe mit mehr als 300 MillionenVon staatlicher Seite stehen laut Weimer ab sofort die im vergangenen Jahr auf 250 Millionen Euro verdoppelten Mittel zur Filmfrderung des Bundes zur Verfgung. Weimer spricht von einem "Filmbooster". Mit diesem und anderen Frdertpfen stelle der Bund mehr als 300 Millionen Euro fr Filmproduktionen bereit. Hinzu kmen Frdermittel der Lnder. Das sei mehr als je zuvor, sagte der Kulturstaatsminister.
Die Koalition hatte vor der Einigung vom Februar lange darum gerungen, ob es wirklich eine gesetzliche Pflicht zu Investitionen geben sollte. Weimer frchtete rechtliche Risiken und bevorzugte zeitweise eine freiwillige Vereinbarung mit den Streamingriesen und Sendern, die nach seinen Angaben Investitionen von rund 15,5 Milliarden Euro binnen fnf Jahren in Aussicht gestellt hatten.
Die SPD und das Haus von Finanzminister Lars Klingbeil pochten hingegen auf die gesetzliche Verpflichtung und setzen sich durch - allerdings mit einer vergleichsweise niedrigen Quote von acht Prozent.
Jetzt erklrte Klingbeil: "Wer am deutschen und europischen Filmmarkt gute Geschfte macht, der muss hier auch seinen Beitrag leisten." Mit den neuen Regeln strke man den Filmstandort und seine Vielfalt. "Unser Ziel ist, dass mehr Auftrge nach Deutschland und Europa gehen. Wir wollen, dass europische Inhalte gestreamt werden. Und wir frdern die Arbeit unabhngiger Produzentinnen und Produzenten."
Lob von den GrnenAuch der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann von den Grnen, lobte das Vorhaben. "Endlich geht es vorwrts in der Filmpolitik", sagte Lehmann in Berlin. "Es ist gut, dass die Bundesregierung eine gesetzliche Investitionsverpflichtung fr Streamingdienste und private Sender auf den Weg bringt. Die Film- und Fernsehbranche hat lange genug auf diesen Schritt gewartet." Lehmann kritisierte, dass Weimer zu lange an freiwilligen Deals festgehalten und damit unntig Zeit verspielt habe.
Laut einer Umfrage von Zattoo soll erstmals eine Mehrheit der Haushalte Fernsehen ber das Internet empfangen. Eine andere Erhebung kommt zu stark abweichenden Ergebnissen.
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