Drei Jahre wurde gebaut, saniert und modernisiert. Jetzt öffnet das Aquarium Berlin wieder – mit alten Stars und erstaunlichen neuen Einblicken.
Berlin hat viele Wahrzeichen. Manche ragen in den Himmel. Andere liegen direkt an der Budapester Straße und verbergen ihre Schätze hinter historischen Mauern. Nach drei Jahren Modernisierung öffnet das Aquarium Berlin am 18. August wieder seine Türen. Pünktlich zum 113. Geburtstag des Hauses ist wieder Showtime für Haie, Quallen, Krokodile und allerlei Krabbelgetier.
Weltpremiere für Krokodilhalle im Berliner AquariumWer das Gebäude betritt, reist durch mehr als ein Jahrhundert Berliner Geschichte. Das Aquarium wurde zwischen 1911 und 1913 errichtet und am 18. August 1913 eröffnet. Am Aufbau war maßgeblich der berühmte Tierforscher Oskar Heinroth beteiligt, der das Haus 30 Jahre leitete. Schon damals galt es als spektakulär.
Die spektakulärste Attraktion des Aquariums war die 170 Quadratmeter große Krokodilhalle mit Hängebrücke. Die Halle, die sich über mehrere Stockwerke erstreckte, gilt als erste für Besucher begehbare Tierfreianlage innerhalb eines Zoo-Gebäudes weltweit.

Eine historische Aufnahme der Krokodilhalle. Sie war weltweit die erste für Besucher begehbare Halle mit Reptilien.Handout / Berlin/AZGB (Archiv Zoologische Gärten Berlin)/dpa
Vor dem Eingang wacht seit der Eröffnung ein rund fünf Meter hoher Dinosaurier von der Gattung Iguanodon. Der Dinosaurier ist kein Zufall. Auch die Reliefs an der Fassade zeigen Urzeittiere und schlagen eine Brücke zwischen heutigen Arten und ihren fossilen Verwandten. Krokodile etwa gehören wie die Dinosaurier zu den Archosauriern.
Die Geschichte des Hauses verlief allerdings keineswegs geradlinig. 1943 traf eine Bombe die Krokodilhalle. Das Aquarium wurde nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau zog sich über Jahre hin. Erst 1952 konnte das Erdgeschoss wieder eröffnen, später folgten Terrarium und Insektarium. Erst 1983 wurde nach weiteren Umbauten eine große Wiedereröffnung gefeiert.

Besonders stolz ist da Aquarium auf seine Quallenzucht.Michael Brandt/dpa
Jetzt folgt die nächste große Verwandlung. Drei Jahre lang blieb das denkmalgeschützte Gebäude für Besucher geschlossen. Ziel der Modernisierung war nicht nur neue Technik, etwa für Lüftung und Filteranlagen, sondern auch mehr Tierwohl. So sorgt jetzt in Terrarien und der Krokodilhalle eine präzise, digitale Steuerung für Luftfeuchtigkeit, Wärme und Spezial-UV-Licht, um tropische Lebensräume originalgetreu nachzubilden. Die modernere Präsentation der Tierwelt sowie digitale Inhalte, Hörstationen und interaktive Stationen sollen noch mehr Besucher für das Aquarium begeistern.
20.000 Tiere haben im Aquarium ihr ZuhauseDie Zahlen hinter den Kulissen sind beeindruckend: Rund 20.000 Tiere aus etwa 1000 Arten leben hier (Stand Dezember 2025). Die Becken fassen insgesamt rund eine Million Liter Wasser. Über drei Besucheretagen verteilen sich Fische, Reptilien, Amphibien und Insekten. Hinzu kommen weitere Ebenen, die ausschließlich Mitarbeitern vorbehalten sind.

Vor dem Aquarium des Berliner Zoos steht eine fünf Meter hohe Steinfigur eines Dinosauriers.Michael Brandt/dpa
Besonders stolz ist das Aquarium auf seine Quallen. Nach Angaben des Zoos wird hier eine der umfangreichsten Quallenzuchten der Welt betrieben. Die empfindlichen Tiere benötigen spezielle Becken mit ausgeklügelten Strömungssystemen. Denn stößt eine Qualle zu oft gegen die Scheibe oder sinkt auf den Boden, kann das bereits ihr Ende bedeuten.
Und dann sind da die Geschichten, die man in keinem normalen Reiseführer findet. Von 1927 bis 1943 lebte hier der Komodowaran Moritz. Der Riese soll so zutraulich gewesen sein, dass er seinem Tierpfleger „wie ein Hund über alle Etagen des Hauses“ folgte.
Kurios geht es bis heute weiter. Unter dem Dach befindet sich ein eigener Fliegenraum für die Futterzucht. Heuschrecken, Grillen und Plankton werden teilweise im Haus selbst produziert. An einigen Becken wachsen sogar Bananenstauden, deren Früchte regelmäßig geerntet werden. Und weil manche Arbeiten nur direkt im Wasser möglich sind, besitzen sieben von 19 Mitarbeitern einen Tauchschein.
Auch das Wasser selbst ist eine Wissenschaft. Das Salzwasser für die ersten Meeresbewohner wurde einst tatsächlich aus der Nordsee nach Berlin gebracht. Es kam per Lastkahn über die Elbe bis zur Tiergartenschleuse. Von dort pumpte die Feuerwehr das Wasser durch eine etwa einen Kilometer lange Schlauchleitung zum Aquarium. Heute wird künstliches Meerwasser aus 76 verschiedenen Salzen hergestellt. Je nach den Bedürfnissen der Tiere werden daraus unterschiedliche Wasser-Mischungen gemischt.
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