Nach dem Transfer von Niclas Füllkrug herrscht bei Werder große Euphorie. Die TV-Fußballexperten Lothar Matthäus und Didi Hamann fürchten dennoch, dass die Bremer vor einer schweren Saison stehen.
Nach dem Transfer von Niclas Füllkrug herrscht bei Werder große Euphorie. Die TV-Fußballexperten Lothar Matthäus und Didi Hamann fürchten dennoch, dass die Bremer vor einer schweren Saison stehen.
TV-Fußballexperte Lothar Matthäus glaubt nicht an eine erfolgreiche Werder-Saison. dpa/Tom Weller
Nach den jüngsten Transfers und Rückholaktionen von Eren Dinkci und Niclas Füllkrug ist rund um den SV Werder Bremen wieder mehr Optimismus und Vorfreude auf die in knapp einer Woche beginnende Bundesliga-Saison zu spüren. Nach einer verkorksten Spielzeit mit Platz 15 wollen die Verantwortlichen und die Mannschaft diesmal möglichst schnell für Ruhe sorgen und in der Tabelle wieder einige Plätze klettern.
Geht es nach zwei prominenten TV-Experten, dürfte das allerdings schwierig werden. Auch die Füllkrug-Rückkehr hat ihre Einschätzung dabei bislang nur wenig verändert. Didi Hamann sieht Werder sogar als einen der drei Vereine, die am Ende der Saison auf einem Abstiegsplatz landen. Der Sky-Experte nannte die Hanseaten gemeinsam mit den Aufsteigern Elversberg und Paderborn als seine drei Tabellenletzten. "Ich mache mir ein bisschen Sorgen", erklärt der ehemalige Nationalspieler.
Matthäus: Werder hat auf dem Transfermarkt zu wenig gemachtEtwas weniger dramatisch, aber ebenfalls wenig schmeichelhaft fällt die Prognose von Lothar Matthäus aus. Der Ex-Profi sieht Werder zusammen mit dem Hamburger SV, Köln, Gladbach, Schalke und Union Berlin im Kampf um Platz 16 – also um den Relegationsrang. Köln, Gladbach und Bremen würden sich seiner Einschätzung nach am Ende zwar retten, "dass es nicht weiter in der Tabelle für die drei Klubs nach oben geht, dafür gibt es Gründe". Einen sieht Matthäus in der Kaderplanung: Werder hebe sich von der Konkurrenz "von seiner Spielerqualität nicht genügend ab“ und habe "zu wenig auf dem Transfermarkt gemacht". Dass sich die Bremer kurzfristig noch um Füllkrug bemühten, wertet der frühere Weltfußballer dabei als Hinweis auf den vorhandenen Bedarf.
Fußballexperte Didi Hamann.
Foto: dpa/Sven Hoppe
Gerade bei Füllkrug gehen die Einschätzungen von Hamann und den Wünschen am Osterdeich auseinander. Der 33-Jährige soll Werder mit seiner Erfahrung und seinen Toren helfen, gilt im Bremer Umfeld als der Hoffnungsträger für die neue Spielzeit. Hamann warnt jedoch davor, von der Rückkehr des Angreifers zu viel zu erwarten. "Er hat die letzten zwei Jahre kaum gespielt. Wenn er gespielt hat, hat er keine Tore geschossen", sagt der Ex-Fußballer und stellt die entscheidende Frage: "Ob er der Heilsbringer ist?"
Gleichzeitig will Hamann Füllkrugs Bedeutung für Werder nicht kleinreden. "Eine Verstärkung ist er mit Sicherheit." Seine Erfahrungen in England und Italien sowie seine Auftritte für die deutsche Nationalmannschaft könnten der Mannschaft "eine gewisse Sicherheit und ein gewisses Selbstvertrauen" geben. Ob daraus auch sportlich der erhoffte Effekt entsteht, müsse sich allerdings erst zeigen. "Ob er dann das zeigt, was er bei seiner letzten Zeit in Bremen gezeigt hat, ob er das bringen wird, weiß man nicht", so Hamann.
Zumal Füllkrug in seiner erfolgreichen vergangenen Bremer Zeit mit einem starken Sturmpartner wie Marvin Ducksch harmoniert habe. "Die Euphorie verstehe ich ja, ob das dann allerdings sportlich auch so unterstrichen wird, da wäre ich jetzt im Moment vorsichtig."
Werders Cheftrainer Daniel Thioune nahm die Prognosen der beiden Experten mit einem gewissen Augenzwinkern zur Kenntnis. Durch die Füllkrug-Verpflichtung sei Werder "noch um einen Platz geklettert, zumindest bei der Gunst und bei der Einschätzung von Lothar Matthäus", meinte er. Hamann und Matthäus seien "beide sehr wertgeschätzte, absolute Fußballfachleute", betonte der Werder-Trainer.
Gleichzeitig sieht er in den Einschätzungen auch einen Ansporn: "Aber sie motiviert mich und auch sicherlich die Mannschaft, noch ein deutlich besseres Bild abzugeben als letzte Saison." Thioune hofft deshalb, "dass sie nicht recht behalten".
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