Russlands Angriffe kosteten die Ukraine ein Drittel ihrer Exportkapazität. Kiew bat um direkte Hilfe für Bauern – Brüssel verweist auf bestehende Programme.
Die EU-Kommission will für die ukrainischen Landwirte trotz der schweren Schäden durch Russlands Angriffe auf die Schwarzmeerhäfen keine zusätzlichen 220 Millionen Euro an direkter Unterstützung bereitstellen. Das berichtet das ukrainische Nachrichtenportal Europäische Wahrheit unter Berufung auf eine Stellungnahme der EU-Kommission in Brüssel.
Das ukrainische Landwirtschaftsministerium hatte die Kommission Anfang August gebeten, 220 Millionen Euro an nicht rückzahlbarer Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Damit sollten insbesondere kleine und mittlere Agrarbetriebe entlastet werden, die wegen der zunehmenden russischen Angriffe auf die Exportinfrastruktur und der dadurch verschärften Blockade der Schwarzmeerhäfen unter finanziellen Druck geraten.
Brüssel verwies nun stattdessen auf bereits bestehende Hilfsprogramme. „Wir können bestätigen, dass wir auf das jüngste Schreiben des ukrainischen Landwirtschaftsministers geantwortet haben“, sagte der Kommissionssprecher Markus Lammert nach Angaben von Europäische Wahrheit. In der Antwort habe die Kommission Möglichkeiten aufgezeigt, den ukrainischen Agrarsektor „unter Nutzung bereits bestehender Mechanismen“ zu unterstützen.
Nach Angaben Lammerts erhalten ukrainische Landwirte bereits Unterstützung bei Kreditzinsen über die sogenannte Ukraine Facility. Darüber hinaus fördere die EU Kreditprogramme über ukrainische Banken, die wiederum Darlehen an Unternehmen und insbesondere an landwirtschaftliche Betriebe vergeben. Diese Programme könnten Bauern helfen, die wegen der gegenwärtigen Krise in Liquiditätsschwierigkeiten geraten seien, erklärte der Sprecher.
Neue Hilfen: Die EU-Kommission sagt ukrainischen Bauern abDie finanzielle Lage vieler ukrainischer Agrarbetriebe hat sich zuletzt deutlich verschärft. Russland intensivierte seine Angriffe auf Häfen, Terminals und andere Teile der Exportinfrastruktur am Schwarzen Meer. Nach ukrainischen Angaben hat das Land dadurch inzwischen rund ein Drittel seiner Kapazitäten für den Getreideexport über die wichtigsten Schwarzmeerhäfen verloren.
Ende Juli liefen wegen der verschlechterten Sicherheitslage zeitweise keine Schiffe mehr ukrainische Häfen an. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zudem davor gewarnt, dass Russland den Druck auf den maritimen Exportkorridor weiter erhöhen werde.
Ukraine sucht neue Wege für ihre GetreideexporteFür die ukrainischen Landwirte ist die Lage besonders schwierig, weil ein erheblicher Teil ihrer Produktion für den Export bestimmt ist. Können Getreide und andere Agrarprodukte nicht wie geplant verschifft werden, müssen sie zunächst eingelagert oder über alternative und häufig teurere Routen ausgeführt werden. Dabei entstehen zusätzliche Kosten für Transport, Versicherung und Finanzierung.
Die EU-Kommission erklärte, sie stehe wegen der Entwicklung am Schwarzen Meer weiterhin in engem Kontakt mit der ukrainischen Regierung. Dabei würden auch die wirtschaftlichen Folgen der durch russische Angriffe verursachten Einschränkungen des Schiffsverkehrs untersucht.
Moldau in Sorge wegen möglicher Überlastung des Schienennetzes – russische Bauern auch von Drohnenangriffen betroffenZugleich berät Brüssel mit Rumänien und Moldau über alternative Transportwege. Dabei geht es insbesondere um die sogenannten Solidaritätskorridore, über die ukrainische Agrarprodukte auf dem Landweg in die EU und zu anderen Absatzmärkten gelangen können.
Doch auch dort drohen Engpässe. In Moldau wächst bereits die Sorge, dass zusätzliche ukrainische Getreidetransporte das Schienennetz überlasten könnten. Die Regierung in Chișinău befasst sich deshalb mit den Folgen eines stärkeren Transits ukrainischer Agrarprodukte.
Auch russische Landwirte können Teile ihrer neuen Ernte derzeit nur schwer exportieren. Der Schiffsverkehr im Asowschen Meer, über das normalerweise rund ein Viertel der russischen Weizenexporte abgewickelt wird, ist nach ukrainischen Drohnenangriffen stark eingeschränkt. Russland musste den Verkehr durch den Don-Asow-Kanal und die Straße von Kertsch zuletzt zeitweise einstellen.
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