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„Schauen, dass man vor 12 Uhr tankt“: Das rät der ADAC bei hohen Benzinpreisen

Дата публикации: 14-08-2026 10:24:46

Iran-Konflikt, Niedrigwasser, Ende des Tankrabatts: Ein ADAC-Experte klärt auf, wie Verbraucher auf dem Weg in den Urlaub sparen können.

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Wer die aktuellen Krisen nicht schon ohnehin verfolgt, spürt ihre Folgen spätestens an der Zapfsäule. Gerade die Lage im Nahen Osten beeinflusst den Kraftstoffpreis. Hinzu kommen das Ende des Tankrabatts seit dem 1. Juli und das Niedrigwasser im Rhein, was auch Unternehmen im Ruhrgebiet betrifft. Am Freitag (14. August) liegt der Dieselpreis in Essen bei durchschnittlich 2,39 Euro pro Liter, Super kostet 2,35 Euro, so der Onlinevergleich des ADAC. Seit dem 1. April besagt die 12-Uhr-Regel, dass an Tankstellen in Deutschland die Spritpreise nur noch einmal am Tag – nämlich um genau 12 Uhr mittags – erhöht werden dürfen. Roman Suthold, Verkehrs- und Umweltfachmann beim ADAC Nordrhein, erklärt, zu welcher Uhrzeit man bis zu neun Euro bei 50 Litern sparen kann – und wozu er beim nächsten Autokauf rät.

Was hat sich seit dem Auslaufen des Tankrabatts am 1. Juli verändert?

Roman Suthold: Nach dem Auslaufen des Tankrabatts zeigte sich an den Tankstellen deutlich, dass die Mineralölkonzerne die höhere Steuer unmittelbar an die Endverbraucher weitergegeben haben. Interessant ist, dass bei Diesel der Aufschlag im Nachgang auch noch ein bisschen höher ist als beim Benzin.

Suthold ADAC Nordrhein 

Roman Suthold, Verkehrs- und Umweltfachmann beim ADAC Nordrhein, ist Honorarprofessor an der Hochschule Fresenius in Köln. © ADAC Nordrhein | ADAC

Warum reagiert der Diesel stärker auf Krisen?

Diesel hat, wenn es um Krisenzeiten geht, immer stärker reagiert als Benzin. Außerdem muss man in Deutschland zukaufen, das ist immer ein Importgut.

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Rhein führt Niedrigwasser, der Iran-Konflikt ist wieder aufgeflammt: Welcher Faktor treibt den Preis derzeit am stärksten?

Am stärksten wirkt der Iran-Konflikt, dann der Wegfall des Tankrabatts und als Letztes erst das Niedrigwasser-Thema. Aus Verbrauchersicht ist kritisch, dass wir eigentlich einen Rückgang der Rohölpreise hatten. Aber dieser Rückgang ist nicht weitergegeben worden an die Endverbraucher an der Tankstelle. Wir sprechen hier vom Rakete-Feder-Prinzip. Steigen die Rohölpreise, erhöhen sich auch die Benzinpreise an den Tankstellen unmittelbar. Sinken die Rohölpreise hingegen, werden die Preisnachlässe nur verzögert und schrittweise an die Endverbraucher weitergegeben. Das ist, was wir als ADAC kritisieren.

Tankrabatt ab 1. Mai

Der Iran-Krieg hat den größten Einfluss auf den Spritpreis, so ADAC-Fachmann Suthold.© FUNKE Foto Services | André Hirtz

Zu welcher Tageszeit und an welchen Wochentagen tanken Autofahrer am günstigsten?

Früher haben wir immer gesagt, zwischen 19 und 20 Uhr ist es am günstigsten. Das kann man jetzt vergessen. Man sollte schauen, dass man vor 12 Uhr tankt. Denn um 12 Uhr schlagen die Tankstellenbesitzer einen dicken Preisaufschlag drauf – im weiteren Tagesverlauf sinkt das Preisniveau nur langsam ab. Im Schnitt springen mittags die Preise um 15 Cent bei E10 und 18 Cent beim Diesel hoch. Wer statt um 12.15 Uhr um 11.45 Uhr tankt, spart bei 50 Litern schnell 7,50 bis 9 Euro. Die Wochentage spielen im Moment keine Rolle.

Weitere Texte aus dem Ressort Wirtschaft finden Sie hier:

Was raten Sie Menschen, die in den Urlaub fahren: jetzt volltanken oder warten, um auf dem Weg zu tanken?

Tanken Sie zu Hause und dann, wenn Sie auf der Autobahn unterwegs sind, fahren Sie bitte ab. Ein Rasthof ist günstiger als die Autobahn-Raststätte. Und wenn Sie dann vielleicht in den nächsten Ort fahren und da tanken, haben Sie noch mehr gespart.

Welche Nachbarländer sind günstiger? Lohnt es sich, über der Grenze zu tanken?

Am billigsten wäre es aktuell in Luxemburg, dort kostet der Liter Super 1,71 Euro. Tschechien ist günstiger, Österreich ist günstiger, Belgien ist günstiger. Teurer ist es dann in den Niederlanden und Dänemark. Das hängt damit zusammen, wie die Steuern sich an den Orten zusammensetzen. Wir sind eines der Länder, in denen die Steueranteile relativ hoch sind. Man sollte sich also, bevor man losfährt, genau informieren. Das kann man auf den ADAC-Seiten machen.

Tankchaos an den Tankstellen  Feature-Bild von der Aral-Tankstelle in Elten

Vor der Fahrt in den Urlaub solle man volltanken, das rät der ADAC Nordrhein.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Was spart messbar beim Fahren: richtiger Reifendruck, abmontierte Dachbox oder vorausschauendes Fahren?

Wenn man sparsam fährt, also früh hochschaltet und nicht so hohe Drehzahlen hat, da kann man 20 Prozent Kraftstoff sparen. Das ist am effizientesten. Wir empfehlen auch immer ein Kraft-Sprit-Spartraining. Das bieten wir als ADAC auch an. Die Dachbox abzumontieren, ist auch sehr gut, weil sie natürlich den Windwiderstand reduziert. Und der richtige Reifendruck kann auch noch etwas sparen. Also am meisten können Sie durch das Fahrverhalten einsparen.

Was können Verbraucher tun, wenn sie einen Verstoß gegen die 12-Uhr-Regel vermuten?

Es ist nicht vorgesehen, dass der Ottonormalverbraucher Verstöße gegen diese 12-Uhr-Regelung meldet. Weder dem Kartellamt noch dem ADAC. Das Kartellamt selber macht eine automatisierte Preiserfassung, den ganzen Tag über. Jede Preisänderung wird digital erfasst. Das Kartellamt muss dann zuständige Behörden benennen, die Strafen oder Bußgelder einfordern. Das Bußgeld liegt bei bis zu 100.000 Euro. Tatsächlich gibt es in NRW aber noch keine Behörde, die aktuell dafür zuständig ist. Das ist ein Problem. Die Daten sind vorhanden, aber wer kontrolliert das?

Fünf Spartipps fürs Tanken
  • vor 12 Uhr tanken
  • Reifendruck prüfen
  • insgesamt vorausschauend fahren
  • Dachbox (bzw. anderes unnötiges Gewicht) abnehmen
  • bei Fahrten auf der Autobahn: Rasthof statt Raststätte nutzen
  • Vergleichsapps nutzen. z.B. Clever Tanken oder die App des ADAC. Laut Prof. Suthold nutzen alle Apps dieselbe Quelle, nämlich die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Was empfehlen Sie Verbrauchern, die ein neues Fahrzeug kaufen wollen?

Mittlerweile ist das Elektroauto sehr attraktiv geworden. Wer über eine Neuanschaffung nachdenkt, sollte auf jeden Fall prüfen, ob nicht ein Elektroauto infragekommt. Ich gehe nicht davon aus, dass die Benzinpreise nächste Woche wieder unter zwei Euro fallen. Ich fahre selbst Elektro und kann sagen: Auf den Hauptrouten gibt es genügend Ladesäulen. Eine Hürde bei der Reichweite gibt es heute nicht mehr.

Interaktiv

Wie wirkt sich das Niedrigwasser auf die Spritversorgung aus?

Massengüter werden hauptsächlich auf Schiffen transportiert, dazu gehören Benzin, Diesel und Rohöl. Die kommen aus Rotterdam und werden über den Rhein in die Raffinerien gebracht. Noch fahren die Tanker, auch wenn sie nicht mehr voll beladen werden können. Wenn der Pegel weiter fällt, wird es für die großen Schiffe immer schwieriger. Ein Schiff transportiert so viel wie 270 Lkw. Das kann man nicht eben durch ein paar Lastwagen ersetzen. Und wo sollen Spediteure die ganzen Fahrer hernehmen? Irgendwann werden die Mineralölkonzerne das als Begründung für den Aufschlag heranziehen. Sie suchen ja immer Begründungen, warum sie die Preise hochhalten.

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Das Tanken vor der Urlaubsfahrt macht zurzeit den wenigsten Spaß. (Symbolbild)© Shutterstock / New Africa | New Africa

Rechnen Sie damit, dass ein Tankrabatt wiederkommt?

Also, ausschließen kann man das nie, aber im Moment sehe ich das nicht. Solange es keine Mehrheit im Bundestag gibt, wird es diesen Tankrabatt nicht geben. Über so einen Rabatt erreicht man die Zielgruppe nicht. Wenn man die Autofahrer direkt erreichen will, müsste man über die Senkung der Stromsteuer oder die Pendlerpauschale gehen, nicht über den Umweg über die Mineralölkonzerne. Der Nachteil: Das Geld fließt erst am Jahresende zurück. Deswegen hat die Politik sich bislang dagegen entschieden. Dabei wäre das der sauberere Weg.

Was ist Ihre Prognose bis zum Jahresende? Mit welcher Preisentwicklung müssen Autofahrer rechnen?

Das hängt davon ab, wie sich die geopolitische Lage entwickelt. Es gibt Prognosen, die gerade von einer Entspannung reden. Aber ob das wirklich so ist, ist Kaffeesatzleserei. Es ist schwierig vorherzusagen, gerade wenn das Niedrigwasser so lange anhält, wie aktuell angenommen. Dann werden die Mineralölkonzerne das als Anlass nutzen, den Preis hochzuhalten.

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