Wer mit ChatGPT oder Claude Zeit für Kopfarbeiten einsparen will, verrät Kolleginnen und sich selbst ans Monopolkapital. Ein Gastbeitrag
Aus verschiedenen Gründen Mist: Zusammenfassung bei ChatGPT lesen
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Text- und bildgenerierende Anwendungen wie die US-amerikanischen Chatbots ChatGPT und Claude oder offene chinesische Modelle wie DeepSeek oder Kimi, die zu Marketingzwecken gern allgemein als »Künstliche Intelligenz« beworben werden, halten Einzug in unser Leben – genutzt werden sie für Schulhausaufgaben, Plakatentwürfe, die Begutachtung von Forschungsanträgen oder für Gesundheitsfragen. Auch User, die sich ansonsten als links oder progressiv verstehen, betonen die vermeintlichen Vorzüge dieser Technologien: Wissensintensive Aufgaben, die zuvor viel Zeit beansprucht haben (wie übersetzerische Tätigkeiten, Recherchen, Zusammenfassungen, aber auch die Erstellung von virtuellem Videomaterial), können ohne besondere Vorkenntnisse und scheinbar ohne große Kosten übernommen werden.
Dabei sind viele User, die generative KI einsetzen, gar nicht unbedarft, was die Auswirkungen betrifft. Sie wissen nicht nur um die schwankende Qualität der Ergebnisse, sondern auch um den enormen Wasser- und Energieverbrauch der Anwendungen. Eine durchschnittliche Anfrage bei ChatGPT, etwa zur Formulierung einer E-Mail, beansprucht zur Kühlung der Datenzentren ungefähr einen Teelöffel Wasser und verbraucht ungefähr so viel Energie wie ein Backofen für eine Sekunde. Komplexere Anfragen, die auf sehr große Datenbestände zugreifen müssen, wie Bild- und Videoanfragen, verbrauchen natürlich deutlich mehr.
Eine einzige Anfrage bei ChatGPT, etwa zur Formulierung einer E-Mail, beansprucht zur Kühlung der Rechenzentren ungefähr einen Teelöffel Wasser.
Skaliert auf alle verschiedenen Anfragen im Web, die sich inzwischen auf mehrere Milliarden am Tag belaufen, nehmen die Datenzentren Unmengen an Wasser, Strom und physischen Ressourcen für die Hardware und sonstige Anlagen in Anspruch. Während an vielen Orten Wasserknappheit herrscht, vernutzen KI-Datenzentren Wasserbestände, verpesten Anwohner beispielsweise mit Methangasen (zum Betrieb von Elon Musks KI-Chatbot »Grok« werden mobile Gasturbinen mit Methangasen zur Stromerzeugung eingesetzt) und verbrauchen mehr Energie als die meisten Staaten der Welt.
Solche Systeme beruhen auf überausgebeuteter, häufig rassifizierter Arbeit (Stichwort »Click Worker«), was ein weiterer Grund ist, warum Linke nicht bloß eine zimperliche Regulierung, sondern eine umfassende Sanktionierung kommerzieller generativer KI einfordern sollten.
Die Apologie (Verteidigungsrede, Anm. d. Red.), wieso man sie individuell dennoch nutzt, kommt von Chatbot-Usern oft ungefragt – ähnlich wie bei Fleischessern die beliebte Selbstauskunft »Wir kaufen immer nur Biofleisch«. Es heißt, »die KI« spare im Arbeitsalltag und darüber hinaus viel Zeit, die man für angeblich Sinnvolleres nutzen könne.
Bewusst kommen Claude und Co. allerdings vor allem zum Einsatz für dreierlei Anwendungsfälle: Man wendet sich an sie erstens für Aufgaben, für die man sich selbst für nicht kompetent genug hält, etwa für Berechnungen. Hier müsste das Ziel doch allerdings sein, allen Menschen die Bildungsmöglichkeiten zu gewähren, damit sie sich diese Aufgaben selbst zuzutrauen, oder den Zugang zu Experten allgemein verfügbar zu machen.
Oder man verwendet sie zweitens für Aufgaben, die man als müßig oder sinnlos empfindet, zum Beispiel für schablonenhafte Schreiben oder für die Datenverarbeitung. Das ist aus Bequemlichkeits- und Überlastungsgründen nachvollziehbar. Allerdings sollte uns klar sein, dass die vermeintlichen Zeiteinsparungen letztlich ihr Gegenteil bewirken: Statt die Arbeitszeit und Zeit vor Bildschirmen aller zu minimieren, bietet die Beschleunigung wissensintensiver Tätigkeiten vor allem Einsparungsmöglichkeiten für Unternehmen, indem Personal austauschbarer und billiger wird und sich Aufgaben mittel- und langfristig verdichten lassen. So wird effektiv keine Arbeitszeit minimiert und uns die freie Zeit eben nicht zur eigenen Verfügung zuteil, wie kurzfristig von den Advokaten dieser Technologien erhofft wird.
Wenn Maschinen dichtenDie dritte und wohl bedauernswerteste Verwendung findet generative KI bei Aufgaben, die man eigentlich am liebsten selbst übernehmen möchte, für die man aber wegen des Jobs und anderer Verpflichtungen nicht genügend Zeit zur Verfügung hat. Kreative Aufgaben wie Malen, Komponieren und Dichten, sogar das Verfassen von Trau- und Trauerreden lassen sich inzwischen viele Menschen aus den Händen reißen. Dabei sind das die Zeitfenster, die es politisch zu erkämpfen gilt und in denen man sich frei und nicht fremdbestimmt entfalten können sollte.
Die digitalen Monopolkonzerne hinter generativer KI akkumulieren das global verfügbare text- und bildförmige Wissen nicht, um die vermeintlichen Produktivkraftsprünge der Allgemeinheit zugutekommen zu lassen; ihr Projekt ist dessen private Aneignung, um kognitive Tätigkeiten billiger oder obsolet zu machen und um anhand der Eingaben von Usern weitere, noch perfidere Verwertungsmöglichkeiten zu schaffen. Generative KI wird vom Feld autoritärer Umstrukturierungsmaßnahmen nicht nur begleitet, sondern ist innerhalb dieser entstanden und intensiviert sie.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ChatGPT vs Claude: какая нейросеть лучше | 0 | 11.44 | 13-03-2026 |
| 2 | Post zum Freitag: KI-Magie braucht Know-how – und Rechenleistung | 0 | 16.71 | 14-08-2026 |
| 3 | ChatGPT vs Claude: какая нейросеть лучше | 0 | 5 | 13-03-2026 |
| 4 | Claude: Chatbot von Anthropic markiert KI-Texte künftiger Modelle mit digitalen Wasserzeichen | 0 | 16.04 | 11-08-2026 |
| 5 | Как экономить токены в Claude Code | 0 | 5.86 | 21-07-2026 |
| 6 | SpaceX, OpenAI, Anthropic and their giga-IPO dreams | 0 | 5 | 16-12-2025 |
| 7 | Aus der Praxis: Die 30 besten KI-Tools für den Alltag | 0 | 10.96 | 08-04-2026 |
| 8 | Нанимаем ChatGPT на работу или автоматизация бизнес-процессов | 0 | 9.63 | 19-02-2026 |
| 9 | „Wer mich blind kopiert, fällt hin“ – ChatGPT über seine Grenzen | 0 | 7 | 10-07-2025 |