Die Beziehung des US-Präsidenten zu seiner Assistentin sorgt für Aufsehen. Sie schreibt ihm Liebesbriefe und versorgt ihn mit positiven Nachrichten.
Die persönliche Assistentin des US-Präsidenten steht im Zentrum der US-Gerüchteküche.
Foto: AFP/KEN CEDENO
Verschiedene Kritiker*innen des Trump-Regimes bezeichneten Trumps Maga-Basis und die Dynamik des ihn umgebenden Reigens von Funktionär*innen wahlweise als Sekte oder Hofstaat. Die Personalie seiner persönlichen Assistentin, Natalie Harp, spricht für eine Mischung aus beidem.
Ein spitzzüngiger Kommentar des demokratischen Senators aus Georgia Jon Ossoff hat einen Flächenbrand an Tratsch über das Duo und den Zorn der rechten US-Medienwelt ausgelöst. Ossoff warf Trump vor, statt seinen Job ernst zu nehmen, würde er lieber mit Natalie herumfliegen und implizierte somit eine Affäre zwischen beiden. Dabei spielt er auf die Tatsache an, dass Trump auf dem Rückweg vom Nato-Gipfel in Ankara im Juli nach Warnungen Israels vor einem Angriff Irans auf den Präsidenten heimlich das Flugzeug wechselte. Mit an Bord der sicheren Alternativ-Maschine war neben dem Kriegsminister Pete Hegseth – Natalie Harp. In der zur Ablenkung trotzdem startenden »Air Force One« verblieben Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent.
Aber wer ist Natalie Harp? Die 35-Jährige überzeugte Christin aus Kalifornien trat 2019 erstmals ins Rampenlicht, als sie dem rechten TV-Kanal Fox News berichtete, Donald Trump habe ihr das Leben gerettet. Gemeint war Trumps 2018 eingeführtes »Right to Try«-Gesetz (»Das Recht zu probieren«), das todkranken Patient*innen Zugang zur Behandlung zum Beispiel mit noch nicht zugelasssenen Medikamenten ermöglicht. Dadurch habe sie ihren Knochenkrebs besiegen können, erklärte Harp damals. Die »Washington Post« hat jedoch Zweifel an dieser Geschichte gesät, da die Medikamente, die Harp retteten, bereits vor Trumps Gesetz von der US-Arzneimittelbehörde freigegeben worden sein sollen.
»Du bist alles, was mir wichtig ist.«
Natalie Harp Persönliche Assistentin von Donald Trump
Nichtsdestotrotz lud Trump sie zum Parteitag der Republikaner 2020 ein, wo sie ihn abermals als ihren Lebensretter preisen durfte und zur Belohnung Berater für Trumps Wahlkampagne 2020 wurde. Im selben Jahr begann Harp eine kurzlebige Karriere als TV-Moderatorin bei »One America News Network«, einem kleinen rechtsradikalen Fernsehkanal. Zwei Jahre später begann sie als Hilfskraft in Trumps Wahlkampagne 2024. Seitdem hat sich Harp kontinuierlich hochgearbeitet bis zu ihrem jetzigen Posten als »Executive Assistant« des Präsidenten.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Trump durchgehend mit positiven Nachrichten, Artikeln und Posts aus den sozialen Medien zu beliefern. Dass sie dafür ständig mit einem tragbaren Drucker reist, gab ihr den Spitznamen »der menschliche Drucker«. Mittlerweile hat Harp auch das Schreiben von Trumps Posts in den sozialen Medien übernommen. Die Macht, die sie durch die eigenständige Selektion dessen hat, was der Präsident von außen mitbekommt, und durch die Beeinflussung dessen, was er postet, missfällt dem restlichen Trump-Hofstaat außerordentlich. So sollen die Darstellung Barack Obamas als Affe und Trumps als Jesus sowie der Leak vertraulicher Nachrichten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf ihr Konto gehen.
»Sie hat anderen Präsidenten Briefe geschrieben. Und endlich ist ihr Traum in Erfüllung gegangen.«
Preston Harp Bruder von Natalie Harp
Hinzu kommt Harps absonderliche Beziehung zu Trump, der sie »Sweetie« nennen soll. Harp himmelt den Präsidenten wie eine Art Heiland an. Mehrfach soll sie ihm Liebesbriefe in dessen privaten Räumen hinterlegt haben. Kolleg*innen berichten über den Inhalt: »Du bist alles, was mir wichtig ist« und »Ich möchte dir Freude bereiten«, soll sie geschrieben haben. Ihre Obsession soll auch den Secret Service besorgt haben, dem sie über ein Jahr lang den Hintergrund-Check ihrer Person verweigerte und dennoch Zugang zu Trump und dem Weißen Haus erhielt. Erst durch Intervention Trumps stimmte sie der üblichen Sicherheitsüberprüfung zu.
Versuchen, sie vom Präsidenten zu trennen, widersetzte sie sich. So soll sie etwa in Trumps schottischem Golf-Resort Bedminster in einer Damenumkleidekabine gehaust haben, um näher bei Trump zu sein, weil ihr vom Team kein Zimmer gebucht wurde. Trump selbst soll über sie gesagt haben, dass sie die einzige Person sei, die ihn so sehr liebe wie seine Frau und Kinder.
Harps Bruder Preston, zu dem sie mittlerweile keinen Kontakt mehr hat, hatte in einem Interview impliziert, dass sie schon als 16-Jährige von Präsidenten besessen gewesen sei: »Sie hat anderen Präsidenten Briefe geschrieben. Und endlich ist ihr Traum in Erfüllung gegangen.« So soll sie auch George W. Bush während des Irak-Krieges Briefe geschrieben haben, nur habe dieser und sonst kein anderer Präsident ihr je geantwortet. Außer Trump.