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Felix Lobrecht über Steffen Krach: „Der hat diese Stadt überhaupt nicht verstanden“

Дата публикации: 20-08-2026 12:41:52

Der Berliner Comedian hält nichts vom SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach. Er wirft ihm „Weltfremdheit“, hohle Phrasen und vor allem fehlende Berlin-Kenntnis vor.

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Rund einen Monat vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus läuft der Wahlkampf in Berlin auf Hochtouren. An Laternen, Straßenschildern und Ampeln prangen auf jeder Höhe bunte Wahlplakate mit Slogans, Versprechen und den Namen der Spitzenkandidaten. An Infoständen werden Flyer verteilt, wird der Dialog mit Bürgern gesucht. Und in Talkshows, Podcasts und Zeitungsartikeln buhlen die einzelnen Parteien um die Gunst der Wähler.

Auch der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach dürfte aktuell nur wenig zur Ruhe kommen. Vor wenigen Tagen war er bei „Jung & Naiv“ zu Gast und stellte sich den Fragen des Podcast-Hosts Tilo Jung – wobei seine Vorstellung nicht jeden überzeugt zu haben scheint.

Ganz im Gegenteil: Der Berliner Comedian Felix Lobrecht ist außer sich und hat kein Verständnis für die Entscheidung der SPD, Krach zur Wahl zum Regierenden Bürgermeister aufzustellen.

Felix Lobrecht: „Habt ihr keinen Berliner gefunden?“

In der neuen Folge des Podcasts „Gemischtes Hack“, den Lobrecht zusammen mit Moderator und Comedy-Autor Tommi Schmitt macht, lässt er seinen Frust los. Zwar sieht der 37-jährige Stand-up-Comedian in Krach grundsätzlich einen „dynamischen und auf den ersten Blick nicht unsympathischen Typen“ – jedoch ist das eben, wenn überhaupt, nur die halbe Miete. „Im Laufe des Interviews denkst du dir: Ey Leute, was habt ihr euch denn bei dem schon wieder gedacht?“

Für den Comedian ist allein die Tatsache, dass Krach als nicht gebürtiger Berliner Regierender Bürgermeister werden möchte, ein Dorn im Auge. Er käme aus Hannover und lebe erst seit zehn Jahren in der Hauptstadt. Den Tatsachen entspricht das nur bedingt: Seit 2002 hat der SPD-Politiker aus Hannover mit Unterbrechungen in Berlin gelebt, 20 Jahre lang habe er laut eigener Partei hier gelebt und gearbeitet. Und dennoch: Ein Ur-Berliner ist der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten tatsächlich nicht.

Sympathiefaktor hin oder her – Lobrecht hätte an Krachs Stelle lieber jemand anderen gesehen. Verständnislos wendet er sich direkt an die SPD: „Habt ihr denn keinen Berliner in euren Reihen gefunden? Muss wirklich einer aus Hannover hier Bürgermeister von Berlin werden?“

Im Laufe des Interviews mit Tilo Jung sei Lobrecht dann bewusst geworden, dass Krach „überhaupt keine Ahnung“ von seiner neuen Heimat habe. Statt mit Anekdoten und echter Lebenserfahrung zu glänzen, habe er eine Floskel nach der nächsten vorgetragen. „Der hat diese Stadt überhaupt nicht verstanden“, resümiert Lobrecht.

Vor allem Krachs Bild vom Drogenhandel und -konsum in der Hauptstadt wirkt auf den Podcaster wie ein Offenbarungseid, der realitätsferner kaum sein könnte. Mit einem „Kinderblick“ auf Drogen sei der SPD-Politiker nicht in der Lage, zwischen einzelnen Substanzen zu differenzieren, wie es einem Mann in seiner Position eigentlich angemessen wäre. Demnach seien für Krach alle, die mit Drogen in Kontakt kommen, grundsätzlich Suchtkranke.

Weiter empfindet Lobrecht es als „extrem weltfremd“, dass der gebürtige Hannoveraner noch nie gekifft habe. „Der versteht gar nicht, dass das Drogenproblem viel mehr ist als irgendwelche richtigen Junkies“, sagt er und sieht das Problem selbst vielmehr in der Zugänglichkeit zu illegalen Substanzen in der Stadt überhaupt.

Buzzword-Gefeuer statt konkreter Lösungsansätze

Auch beim Thema Sicherheit im öffentlichen Raum konnte Krach den Kreuzberger Comedian so gar nicht überzeugen. Bei der Frage nach den gefährlichsten U-Bahn-Linien der Stadt habe Krach zwar die üblichen Verdächtigen genannt, dann aber gesagt: „Also ich fühle mich da nicht unsicher, aber ich bin ja auch ein weißer heterosexueller Mann.“

Für Lobrecht ist Krachs „Buzzword-Gefeuer“ allerdings eine grobe Fehleinschätzung. Er wird noch deutlicher: „Dikka, also wenn du als Berliner Bürgermeister in spe wirklich glaubst, dass man als weißer heterosexueller Mann nicht auch gefährdet sein kann … Wie weltfremd kann man denn sein?“ Gefrustet habe er schließlich seinen Fernseher angeschrien, auf dem er den Podcast verfolgt hat.

Als es grundsätzlich um das Auftreten und die Kommunikation von Politikern heutzutage geht, stimmt Podcast-Partner Tommi Schmitt mit ein. Mit hohlen Phrasen wie „Das müssen wir besser machen“ mache man nichts besser. Im Gegenteil: Stattdessen verliere man an Glaubwürdigkeit bei den Wählern. Es sei ein echtes Problem, dass Berufspolitiker vage in ihren Aussagen bleiben und nicht einfach ihre Vision präsentieren: „Du kannst nicht mehr so wischiwaschi reden. Das ist vorbei. Du musst reden wie ein Mensch.“

Lobrecht platzt derweil zum wiederholten Mal die Hutschnur: Mit Auftritten wie dem von Krach könne man der AfD gleich seine Stimmen schenken. „Was soll denn das, SPD? Was schickt Ihr uns denn da für einen Lappen?“, wütet er und revidiert damit im Eifer des Gefechts auch kurzerhand seine einleitend noch durchaus wohlwollende Zuschreibung eines „dynamischen Typen“.

Seine Brandrede scheint jedoch weniger eine plumpe Hasstirade gegen die SPD und ihren Spitzenkandidaten zu sein als ein Ausdruck purer Enttäuschung. „Ich reg mich jedes Mal über die SPD auf und jedes Mal wähl ich sie. Dann denk ich mir: Mann ja, dann eben Olaf Scholz! Und jedes Mal aufs Neue werde ich enttäuscht! Jedes Mal schicken die dann so ’nen Steffen Krach ins Rennen. Das macht mich so sauer!“

Sowohl für Schmitt als auch für Lobrecht steht Krach symbolisch für eine mangelnde Authentizität der allermeisten Parteien, die am 20. September in Berlin zur Wahl stehen. „Die Leute riechen diese ganzen Widersprüche zehn Meter gegen den Wind. Dafür muss man nicht krass gebildet sein“, unterstellt Lobrecht und verweist darauf, dass die SPD lange Jahre selbst an der Regierung war: „Alles, was scheiße ist, ist mit ihre Schuld. Dann kannst du dich nicht hinstellen und sagen:‚ Jetzt müssen wir es besser machen‘.“

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