Kevin Warsh ist der neue Chef der mächtigsten Zentralbank der Welt: der Federal Reserve Bank. Hält er dem Druck des US-Präsidenten Donald Trumps stand? Eine Beobachtung.
US-Präsident Donald Trump (r.) spricht im East Room des Weißen Hauses mit Kevin Warsh, nachdem dieser als Vorsitzender der Federal Reserve vereidigt wurde.
Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa/Manuel Balce CenetaKolumne · Kevin Warsh ist der neue Chef der mächtigsten Zentralbank der Welt: der Federal Reserve Bank. Hält er dem Druck des US-Präsidenten Donald Trumps stand? Eine Beobachtung.
Die mächtigste Zentralbank der Welt, die US-amerikanische Federal Reserve Bank, kurz Fed, hat einen neuen Präsidenten: Kevin Warsh. Ob er eine „menschliche Marionette Donald Trumps wird“, wie er gefragt wurde, was er natürlich vehement verneinte, ist jedoch unklar.
Die Fed ist politisch unabhängig, sie unterliegt also nicht den Weisungen Donald Trumps. Eine unabhängige Zentralbank soll verhindern, dass Regierungen vor Wahlen mit Zinssenkungen die Wirtschaft zwar kurzfristig stimulieren und den Staatshaushalt entlasten, aber langfristig damit nur die Inflation anheizen. Trump hat auf den scheidenden Fed-Präsidenten Jerome Powell massiven Druck ausgeübt. Er drängte ihn zu Zinssenkungen, beschimpfte und diffamierte ihn, nannte ihn einen „Knucklehead“, einen Trottel, und versuchte schließlich, ihn über ein Strafverfahren aus dem Amt zu drängen. Powell hielt dem immensen Druck stand. Ob auch Warsh dies tun wird, ist unklar.
Dafür sprechen Powells Erfahrung als Zentralbanker, seine geldpolitischen Kenntnisse. Er weiß um die Bedeutung einer unabhängigen Zentralbank. Zudem kritisiert er stark die getätigten massiven Staatsanleihekäufe der Fed und plädiert für einen raschen Abbau der Bestände, was zinserhöhend wirkt, also definitiv nicht in Trumps Interesse ist.
Dagegen könnte allerdings sprechen: Erstens, Warsh sieht trotz hoher Inflationsrisiken Raum für Zinssenkungen. Zweitens, er will das Inflationsmaß ändern, indem extreme Preisausschläge weniger stark berücksichtigt werden. Das dürfte das den Fed-Entscheidungen zugrunde liegende Inflationsmaß senken und Zinssenkungen erleichtern. Drittens, Warshs Familie gilt als eng mit Trump verbunden. Viertens, er legt seinen eigenen Reichtum nicht vollständig offen. Wenn er selbst (nicht nachvollziehbar) von Zinssenkungen profitiert, könnte er dem Zinssenkungsdruck von Trump schneller nachgeben.
Insgesamt bleibt Skepsis angebracht, ob die wichtige politische Unabhängigkeit der Fed unter dem neuen Präsidenten gewahrt bleibt.
Unsere Autorin ist Professorin für monetäre Makroökonomik an der Universität Düsseldorf. Sie wechselt sich hier mit dem Wettbewerbsökonomen Justus Haucap, dem Energieökonomen Manuel Frondel und dem Makroökonomen Tom Krebs ab.
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