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„Fleischfresser-Bakterium“ im Mittelmeer: Das sollten Italien-Urlauber wissen

Дата публикации: 12-08-2026 07:41:51

Vibrionen breiten sich in warmen Meeren aus. Auch vor Italien sind sie längst nachgewiesen. Wie groß ist die Gefahr für Urlauber?

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Ein Bakterium, das schwere Gewebeschäden verursachen und im schlimmsten Fall tödlich enden kann, gerät auch im Mittelmeer zunehmend in den Blick. Vibrio vulnificus, oft als „Fleischfresser-Bakterium“ bezeichnet, vermehrt sich besonders gut in warmen Küstengewässern. Mit steigenden Meerestemperaturen werden die Voraussetzungen für den Erreger auch in Südeuropa günstiger.

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Ganz neu ist seine Präsenz dort allerdings nicht. Dass Vibrio vulnificus in italienischen Gewässern vorkommt, ist seit Langem belegt. Forscher der Universität Messina wiesen das Bakterium bereits Anfang der 2000er-Jahre im Wasser und im Plankton der Meerenge zwischen Sizilien und Kalabrien nach. Ihre Untersuchung zeigte, dass es dort vor allem in den heißesten Monaten nachweisbar war.

Vibrionen im Mittelmeer: Warum das Risiko trotz Entwarnung wächst

Der damalige Nachweis bedeutet allerdings nicht, dass Italiens Strände heute als gefährlich gelten. Das italienische Gesundheitsinstitut ISS bezeichnet das Risiko derzeit als „äußerst gering“. Aufmerksamkeit erhält der Erreger dennoch, weil sich die Bedingungen verändern, unter denen er sich vermehren kann.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) nennt dabei vor allem zwei Faktoren: hohe Wassertemperaturen und einen vergleichsweise niedrigen Salzgehalt. Treffen beide zusammen, finden Vibrionen besonders günstige Bedingungen.

Besonders deutlich wurde dieser Zusammenhang im europäischen Hitzesommer 2018. Damals wurden 445 Vibriose-Fälle gemeldet; in den Jahren 2014 bis 2017 hatte der jährliche Median noch bei 126 Fällen gelegen. Das ECDC führt den deutlichen Anstieg auf die außergewöhnlich hohen Temperaturen zurück und warnt, dass längere Hitzeperioden die Vermehrung der Bakterien in europäischen Küstengewässern begünstigen können.

Hitzewelle in Europa
„Fleischfresser-Bakterium“: Was Vibrio vulnificus im Körper anrichten kann

Warum die Ausbreitung der Vibrionen medizinisch relevant ist, zeigt sich an den möglichen Folgen einer Infektion. Der martialische Beiname führt allerdings in die Irre: Vibrio vulnificus „frisst“ kein Fleisch. Gefährlich kann der Erreger dennoch werden. Gelangt er über eine Wunde in den Körper, kann er eine sogenannte nekrotisierende Infektion auslösen. Dabei entzündet sich das Gewebe so schwer, dass Haut und darunterliegende Schichten innerhalb kurzer Zeit absterben können.

Der italienische Infektiologe Matteo Bassetti vom Policlinico San Martino in Genua warnt vor solchen Verläufen. Das Bakterium könne durch Wunden eindringen und eine schwere Infektion verursachen, bei der mitunter eine Amputation notwendig werde, erklärte er bereits 2025 gegenüber „Il Fatto Quotidiano“.

In manchen Fällen reiche selbst dieser Eingriff nicht aus und die Infektion könne tödlich enden. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden sterben etwa 20 Prozent der Menschen mit einer Vibrio-vulnificus-Infektion – mitunter innerhalb von ein bis zwei Tagen nach Beginn der Beschwerden. Bassetti betont zugleich, dass nicht jede Infektion derart schwer verläuft; möglich sind auch Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen.

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Vibrionen in Florida und Louisiana: Todesfälle zeigen das Risiko

Wie gravierend solche Verläufe sein können, zeigt der Blick in die USA. Das Gesundheitsministerium von Florida registrierte 2024 insgesamt 82 Erkrankungen und 19 Todesfälle. 2025 waren es 33 Fälle und fünf Tote. Für 2026 verzeichnete die Behörde bis zum 23. Juli elf Erkrankungen und einen Todesfall.

Auch Louisiana meldete 2025 eine ungewöhnliche Häufung. Bis Mitte September erkrankten dort 26 Menschen, alle mussten im Krankenhaus behandelt werden, fünf starben. Zum Vergleich: In den zehn Jahren zuvor waren im selben Zeitraum durchschnittlich zehn Erkrankungen und ein Todesfall pro Jahr registriert worden.

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Vibrio vulnificus: Wie das Bakterium beim Baden in den Körper gelangt

Für Urlauber stellt sich damit vor allem die Frage, wie der Erreger überhaupt in den Körper gelangt. Nach Angaben des ECDC gibt es zwei wesentliche Infektionswege. Der erste führt über die Haut: Wer mit einer offenen Wunde, einer frischen Tätowierung oder einer anderen Hautverletzung in belastetes Küstenwasser geht, kann den Bakterien den Weg in den Körper öffnen.

Der zweite führt über den Teller. Nach Angaben des ECDC können sich Menschen durch rohe oder nicht ausreichend gegarte Meeresfrüchte infizieren. Als besonderes Risiko gelten Austern und andere Schalentiere. Sie können Vibrionen aus dem Wasser aufnehmen und anreichern – und damit auch Menschen infizieren, die keinen Fuß ins Meer gesetzt haben.

Besonders gefährdet sind laut ECDC Menschen mit chronischen Lebererkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem. Auch Diabetes zählt zu den Faktoren, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen.

Vibrionen im Mittelmeer: Was Italien-Urlauber jetzt beachten sollten

Für Italien-Urlauber folgt daraus kein Grund, das Meer zu meiden. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn die Haut verletzt ist. Infektiologe Matteo Bassetti rät Menschen mit offenen Wunden oder frischen Tätowierungen, warmes Küstenwasser zu meiden. Austern und andere Meeresfrüchte sollten zudem ausreichend gegart werden.

Wie sich das Risiko in den europäischen Küstengewässern entwickelt, verfolgen die Behörden inzwischen nahezu in Echtzeit. Das ECDC betreibt dafür den Vibrio Viewer, der anhand von Wassertemperatur und Salzgehalt täglich ermittelt, in welchen europäischen Küstenregionen sich die Bakterien besonders gut vermehren können. Im Blick stehen neben Ostsee, Nordsee und Schwarzem Meer inzwischen auch Teile des Mittelmeers.

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