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Hautarzt warnt vor beliebter Anti-Pickel-Pille: „Katastrophale Konsequenzen“

Дата публикации: 18-08-2026 15:00:00

Das Akne-Medikament Isotretinoin wird in den sozialen Medien als Wundermittel für schöne Haut gefeiert. Ein Dermatologe warnt vor Risiken.

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Eine Pille für perfekte Haut? Unter dem Handelsnamen Aknenormin oder Accutane wird der Wirkstoff Isotretinoin eigentlich zur Behandlung schwerer Akne eingesetzt. In Hollywood und in den sozialen Medien wird die niedrig dosierte Einnahme jetzt als Beauty-Trend gefeiert und soll für makellose Haut sorgen. Dermatologe Dr. med. Ingo Schugt erklärt, warum er den Trend kritisch sieht – und was man stattdessen für seine Haut tun kann.

Herr Dr. Schugt, was ist Aknenormin für ein Medikament?

Dr. med. Ingo Schugt: Aknenormin ist ein Handelsname, der eigentliche Wirkstoff heißt Isotretinoin. Dabei handelt es sich um einen künstlich hergestellten Vitamin-A-Säure-Abkömmling. Isotretinoin ist eine der wirksamsten Substanzen gegen schwere und therapieresistente Akne. Die Zulassung bezieht sich aus gutem Grund auf schwere Akneformen. Es ist kein Medikament, das man sofort als erste Therapie einsetzt – und schon gar keines gegen leichte Unreinheiten oder zur Verschönerung gesunder Haut.

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Für wen kommt eine Behandlung mit dem Medikament infrage?

Wir verschreiben Isotretinoin ausschließlich bei schwerer Akne, beispielsweise bei Acne conglobata oder einer ausgeprägten entzündlichen Acne papulopustulosa. Für diese Patientinnen und Patienten kann das Medikament ein großer Segen sein. Es wirkt an nahezu allen entscheidenden Stellschrauben der Akne: Es senkt die Talgproduktion um bis zu 90 Prozent, normalisiert die Verhornung im Talgdrüsenfollikel und wirkt entzündungshemmend. Weil den Aknebakterien die fettige Nahrungsgrundlage entzogen wird, hemmt es außerdem indirekt deren Wachstum.

Wie läuft die Therapie ab?

Die Dosis wird an das Körpergewicht angepasst. Vor und während der Behandlung sowie einen Monat danach sind Blutuntersuchungen erforderlich, denn das Medikament kann erhebliche Nebenwirkungen haben und die Einnahme muss daher eng ärztlich begleitet werden. Die Einnahmedauer ist individuell: meist mindestens drei Monate, durchschnittlich sechs bis neun Monate und in manchen Fällen bis zu zwölf Monate. Wenn das Hautbild besser geworden oder der angestrebte Behandlungserfolg erreicht ist, wird die Dosis üblicherweise reduziert.

Bleibt der Effekt nach dem Absetzen bestehen?

In der Regel kommt die Akne zumindest nicht mehr in derselben Schwere zurück. Ich habe Isotretinoin als Jugendlicher selbst eingenommen und kenne die Behandlung daher auch aus persönlicher Erfahrung. Sie ist effektiv.

Dr. med. Ingo Schugt

Dr. med. Ingo Schugt ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie. Seine Praxis befindet sich in Bochum.© Dr. med. Ingo Schugt | Dr. med. Ingo Schugt

Isotretinoin: Der Wirkstoff hat schwere Nebenwirkungen

Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

Typisch sind trockene Haut und Schleimhäute. Die Lippen können aufspringen, Kontaktlinsen werden teilweise nicht mehr gut vertragen. Außerdem kann Isotretinoin die Blutfette erhöhen, darunter das „schlechte“ LDL-Cholesterin. Ich habe Patientinnen und Patienten, die die Behandlung wegen deutlich erhöhter Blutfette abbrechen mussten.

Auch Gelenk- und Muskelbeschwerden sind möglich. Vor allem bei intensiver sportlicher Belastung können bestimmte Muskelwerte im Blut ansteigen, insbesondere die Kreatinkinase. Im schlimmsten Fall kann Muskelgewebe schwer geschädigt werden.

Ein weiteres Risiko besteht bei einer Schwangerschaft.

Ja, Isotretinoin ist stark teratogen, es kann also schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind hervorrufen – etwa am Nervensystem, am Herzen oder am Knochenbau. Eine Einnahme während der Schwangerschaft ist daher absolut kontraindiziert. Eine Schwangerschaft unter dem Medikament kann sogar ein Grund zum Schwangerschaftsabbruch sein.

Für Patientinnen im gebärfähigen Alter gelten deswegen sehr strenge Vorgaben zur Schwangerschaftsverhütung. Sie müssen bereits einen Monat vor der Therapie, während der gesamten Einnahme und noch einen Monat danach zuverlässig verhüten. Ganz entscheidend ist: Es gibt keine niedrige Dosis, bei der das Risiko für Fehlbildungen sicher ausgeschlossen wäre.

In den USA nehmen Schauspieler und Influencer Isotretinoin angeblich in niedriger Dosis ein, um feinere Poren und reine Haut zu bekommen. Wie bewerten Sie diesen Trend?

Das sehe ich äußerst kritisch. Das Medikament ist aufgrund seiner Nebenwirkungen definitiv nicht dafür gemacht und auch nicht dafür zugelassen, gesunde Haut zu „perfektionieren“. Isotretinoin ist kein Kosmetikprodukt, sondern ein hochwirksames, verschreibungspflichtiges Medikament mit strengsten Sicherheitsauflagen.

Besonders gefährlich ist es, wenn Menschen den Wirkstoff im Internet bestellen, ihn ohne ärztliche Begleitung einnehmen und keine Blutkontrollen durchführen lassen. Gerade für Frauen kann das im Fall einer Schwangerschaft katastrophale Konsequenzen haben – auch bei geringer Dosierung.

Dermatologe über Isotretinoin: Auch eine geringe Dosierung ist nicht ungefährlich

Verbessert sich das Hautbild gesunder Menschen durch die Mini-Dosis tatsächlich?

Die Haut wird weniger fettig. Dadurch gibt es weniger Aknebakterien und Entzündungen, auch die Poren können kleiner wirken. Das Hautbild kann sich also durchaus verbessern – aber möglicherweise um den Preis ernsthafter Nebenwirkungen. Bei einer niedrigen Dosis sind einige Begleiterscheinungen zwar schwächer, die Haut wird zum Beispiel weniger trocken. Die grundsätzlichen Risiken bleiben jedoch bestehen. Auch eine geringe Dosierung bedeutet nicht automatisch „ungefährlich“.

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Welche Alternativen zur Einnahme von Isotretinoin gäbe es für Akne-Patienten?

Es stehen zahlreiche Behandlungen zur Verfügung. Retinoide können beispielsweise als Creme aufgetragen werden. Bei entzündlicher Akne kommen zeitlich begrenzt auch Antibiotika infrage. Hinzu kommen Kombinationsbehandlungen, chemische Peelings, professionelle Ausreinigungen und Lichtbehandlungen. Isotretinoin ist also nicht der einzige Weg, bei den schwersten Akneformen aber manchmal die entscheidende Lösung.

Schöne und gesunde Haut: Das empfiehlt der Dermatologe

Und was raten Sie Menschen, die keine Akne haben, die sich aber an gelegentlichen Unreinheiten oder größeren Poren stören?

Der erste Schritt ist eine konsequente, auf den Hauttyp abgestimmte Pflegeroutine. Frei verkäufliche Präparate mit Salicylsäure können leicht abschuppend und keimreduzierend wirken. Weitere Möglichkeiten sind Azelainsäure oder lokal anzuwendende Retinoide. Auch Bakuchiol, eine Pflanzensubstanz mit Retinol-ähnlichen Effekten, ist eine frei verkäufliche Option.

Wichtig ist zudem konsequenter Sonnenschutz, weil entzündete Pickel zu Pigmentflecken führen können. Sehr reichhaltige, fettende oder schmierige Produkte gehören nicht auf zu Akne neigende Haut. Das gilt auch für Sonnenschutz: Statt einer fettigen Körper-Sonnencreme sollte man im Gesicht ein geeignetes, leichteres Präparat oder ein Sonnenschutzgel verwenden.

Welche Sonnencreme bei Akne?

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Sie ist eine häufig unterschätzte Stellschraube. Kuhmilch kann die Talgproduktion und vor allem Entzündungen massiv fördern. Auch stark verarbeitete Lebensmittel, Chips, Pommes, große Mengen rotes Fleisch und Wurstwaren sowie ein hoher Zuckerkonsum können sich äußerst ungünstig auswirken. Wer Akne medizinisch behandelt, aber einen sehr ungesunden Ernährungsstil betreibt, kann nicht mit einer Abheilung rechnen.

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