Wer überproportional vom hohen Goldpreis profitieren will, kann auf Aktien von Goldminenbetreibern setzen. Aber: Schwächelt der Goldpreis, könnte es nach hinten losgehen.
Ob Gold eine Vermögensanlage bereichert oder nicht – das lässt sich kontrovers und lang diskutieren. Es gibt eine große Fan-Gemeinde, die das Edelmetall für unverzichtbar hält. Bei nüchterner Betrachtung war Gold jedoch einem breit gestreuten globalen Aktieninvestment in den vergangenen 50 Jahren meist unterlegen.
Wie insbesondere der zweite folgende Chart mit den rollierenden Zehnjahresrenditen zeigt, wies Gold zwar in den Jahren 2007 bis 2017 eine höhere langfristige Rendite auf als der globale Aktienmarkt, hier gemessen am MSCI World Index. Viele Jahre davor und die Jahre danach lag das Aktieninvestment hinsichtlich der Rendite jedoch weit vorn – bis zum aktuellen Jahr 2025.
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Im Ausnahmejahr 2025 legte Gold in Euro gerechnet bisher um rund 47 Prozent zu (Stand: 20. Oktober 2025), in US-Dollar sogar um 62 Prozent. Den bisherigen Anstieg in allen Ehren – aber lohnt sich jetzt noch der Einstieg? Und gibt es andere Gründe außer der Renditejagd, warum Anlegerinnen und Anleger überhaupt in Gold investieren sollten?
Gold erhöht Stabilität im DepotEs gibt ein stichhaltiges Argument für die Goldbeimischung: Der Wert des Edelmetalls entwickelt sich oft gegenteilig zu den Kursen von Aktien oder Anleihen. Diese Gegenläufigkeit ist günstig für ein Anlageportfolio, denn es erhöht seine Stabilität. Wer also seine Geldanlage möglichst breit aufstellen möchte, macht mit einer Goldbeimischung in Höhe von bis zu zwanzig Prozent seines Risikobausteins keinen Fehler.
Besonders beliebt ist der physische Goldbesitz, denn der soll Anlegerinnen und Anlegern maximale Sicherheit bieten. Bei Bankpleiten oder Währungsreformen bleibt ja das Gold über. Doch das Aufbewahren von Goldbarren und -münzen ist vergleichsweise aufwendig und auch teuer.
Zum einen ist das ungesicherte Lagern von physischem Gold in den eigenen vier Wänden leichtsinnig. Goldbesitzer müssen sich also einen hochwertigen Tresor anschaffen oder ein Schließfach bei einer Bank oder einem spezialisierten Dienstleister zulegen, was kostspielig ist. Und: Sollte eine globale Krise wüten, ist es vielleicht doch nicht mehr so leicht, an sein fremdverwahrtes Gold heranzukommen.
Gold-ETF in Deutschland nicht zugelassenEs gibt also gute Gründe, auch bei der Goldanlage auf Wertpapiere zu setzen. Die Ideallösung wäre ein Gold-ETF, wie er in den Vereinigten Staaten oder in der Schweiz gang und gäbe ist. Leider nicht in Deutschland. Der Grund liegt an EU-Regeln: Ein Fonds darf nur in viele verschiedene Wertpapiere investieren, also Aktien oder Anleihen – aber nicht in Gold allein. In unserer Fondsdatenbank haben wir aktuell sechs aktiv gemanagte Fonds auf den Goldpreis.
Als akzeptabler und preisgünstiger Ausweg bieten sich Gold-ETC wie Xetra-Gold oder Euwax-Gold an. Ihnen haftet aber der Makel an, dass es sich rechtlich gesehen um Schuldverschreibungen handelt – also als eine Art Versprechen, dass der Herausgeber des ETC den Wert des Goldes auszahlt.
Goldminenfonds als DauergeheimtippAuf der Suche nach ETF-Alternativen landen Anleger öfter bei Goldminenfonds – der Dauerbrenner unter den „Geheimtipps“ für Börsianer. Sie enthalten Aktien von Unternehmen, die Gold fördern. Bekannte Konzerne sind Newmont Mining, Barrick Mining oder Agnico-Eagle Mines.
Anleger versprechen sich von ihnen glänzende Renditen, wenn der Goldpreis nach oben geht. Die Gewinne der Unternehmen, so das Kalkül, würden bei stark steigendem Goldpreis gewissermaßen explodieren. Das ist zwar richtig, allenfalls aber nur die halbe Wahrheit.
Hohe Chancen, lange Verlustphasen bei MinenaktienEs gibt verschiedene Goldminenindizes, die mehrere Goldminenunternehmen bündeln. Einer mit einer längeren Wertentwicklungshistorie ist der Refinitiv Global Gold Index, im Jahr 2023 in FR Global Gold Index umbenannt. Der langfristige Chart seit 1999 (unten) macht klar, warum Goldminen für Spekulanten interessant sind. Es gibt wenige Anlageklassen, die kurzfristig ähnlich starke Anstiege aufwiesen. Die zielten aber auf vergleichsweise starke Rallyes einzelner Jahre ab, nicht unbedingt auf kontinuierliche Outperformance.
Ein Investment in Goldminen birgt jedoch hohe Risiken. So fiel der Goldminenindex FR Global Gold zwischen Dezember 2010 und September 2015 um 70 Prozent. Die hohe Volatilität bedeutet also auch erhebliche Verlustrisiken für längerfristige Anlegerinnen und Anleger.
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Goldminenaktien sind volatil und haben während einer Goldpreisrally zweifellos hohes Gewinnpotenzial. Sie sind aber auch in umgekehrter Richtung deutlich schwankungsanfälliger als der Goldpreis an sich. Das zeigt auch der Direktvergleich der Kalenderjahr-Renditen von Gold und verschiedenen Goldminenindizes über die vergangenen zehn Jahre.
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In Spitzenjahren ließen sich mit Goldminenaktien Gewinne von weit über 100 Prozent erzielen – deutlich mehr als mit einer direkten Anlage in das Edelmetall. Allerdings setzte dies auch ein goldenes Händchen und gutes Timing beim Kauf und Verkauf voraus.
„Buy and hold“ funktioniert mit Goldminen-ETF nichtBei Goldminenaktien funktioniert „Buy and Hold“ – das klassische Prinzip des verstorbenen Börsenexperten André Kostolany – nur sehr eingeschränkt. Wie bereits erwähnt, konnten Anleger mit Goldminen-ETF bis zu 70 Prozent ihres Kapitals verlieren. Mit Gold war der maximale Verlust „nur“ etwa halb so hoch (auf Basis von Euro-Monatsendwerten).
Selbst große Unternehmen wie Barrick Mining, einer der weltweit führenden Goldförderer, verzeichneten innerhalb der letzten 20 Jahre maximale Verluste von bis zu 85 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Goldminen für viele Anleger eine hochvolatile und anspruchsvolle Anlageklasse sind.
Mehrere Indizes zur AuswahlMit Fonds auf Goldminenaktien lässt sich das Risiko gegenüber Einzeltiteln zumindest etwas vermindern. Wer das trotz aller Risiken machen möchte, setzt am besten auf ETF. Wichtige Indizes sind:
Auf die ersten drei genannten Indizes gibt es auch ETF, allerdings sind die Indizes noch jung; wie der folgende Chart zeigt, gibt es eine gemeinsame Historie erst seit 2013.
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Tipp: Hier ist eine Liste aller Goldminen-ETF in unserem Fondsfinder. Durch Klick auf den Namen gelangen Sie auf die Einzelfondsansicht mit mehr Informationen:
Besonders ärgerlich ist es aus Anlegersicht, wenn man die richtige Idee hatte, aber die Umsetzung dennoch nicht klappt. Zwar laufen die Kurse von Goldminenaktien meist in dieselbe Richtung wie der Goldpreis, aber verlassen kann man sich darauf nicht. Die sogenannte Korrelation über drei Jahre schwankte im Zeitverlauf deutlich zwischen 0,3 und 0,9. Ein Wert von 1 steht für perfekten Gleichlauf.
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Es ist fraglich, ob Goldminenaktien oder -ETF für Normalanleger geeignet sind. Selbst erfahrene Investoren haben Schwierigkeiten, den „wahren“ Wert eines Goldminenkonzerns einzuschätzen. Ein entscheidender Faktor ist die Unsicherheit über die Goldreserven: Solange das Edelmetall nicht abgebaut wurde, lässt sich weder die genaue Menge noch die Reinheit verlässlich bestimmen. Die Angaben zum Goldvorkommen in den Minen beruhen auf Schätzungen, die je nach Mine stark variieren können.
Nicht zu unterschätzen sind Unwägbarkeiten bei Energie- und Förderkosten sowie politische Risiken: Viele ertragreiche Minen befinden sich in politisch instabilen Regionen, etwa in Westafrika, wodurch Risiken wie Enteignungen, Korruption oder Konflikte hinzukommen. Goldminen sind erschöpfliche Ressourcen – die Produktion kann schneller zurückgehen als erwartet, wenn Reserven vorzeitig ausgebeutet werden.
Goldminen-Aktien für ethisch-ökologische Anleger nicht sinnvollFür ethisch und ökologisch bewusste Anlegerinnen und Anleger sind Goldminenaktien noch heikler als ein direktes Investment in Gold und damit nicht sinnvoll. Während man beim Edelmetall inzwischen auf Recycling-Gold oder Barren mit Nachhaltigkeitszertifikat ausweichen kann, ist die Goldförderung als solche oft undurchsichtig und problematisch.
Minengräber leiden häufig unter harten Arbeitsbedingungen, und Umweltbelastungen durch Abbau und Verarbeitung sind kaum zu übersehen. Wer will oder kann schon zuverlässig einschätzen, welche Unternehmen tatsächlich verantwortungsvoll wirtschaften und welche ökologische Schäden in Kauf nehmen? Daher gilt: Goldminen sind ein Investment, das man mit Vorsicht und gesunder Skepsis angehen sollte.
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