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Inflationsschutz durch Anleihen: Renditegarant oder Zinsfalle? Was ETF mit indexierten Anleihen leisten

Дата публикации: 30-04-2026 12:00:02

Inflations­geschützte Anleihen sollen dafür sorgen, dass man nach Abzug der Inflation kein Geld verliert. Doch funk­tioniert der Schutz für Anleger wirk­lich?

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Die jüngsten Inflations­zahlen aus den USA von 3,3 Prozent (Stand April 2026) lassen durch­blicken, dass der Inflations­druck in den Staaten zunimmt – und auch die aktuelle Inflations­rate im Euroraum ist mit 2,5 Prozent wegen der gestiegenen Energiepreise ebenfalls merk­lich höher als noch zu Jahres­anfang.

Die Frage, die sich für Anle­gerinnen und Anleger mittel­fristig stellen wird: Können die Zinsen für Tages­geld, Fest­geld und Euro-Anleihen mit der Inflations­rate mithalten, wenn letztere weiter steigen sollte? Tendenziell eher nicht, denn: Die realen Zinsen, die in etwa den nominalen Zinsen abzüglich der weiter steigenden Inflation entsprechen, sind negativ.

Wer in dieser Lage einen Ausweg sucht – also positive reale Rendite –, begegnet sogenannten inflations­indexierten Anleihen.

Rück­zahlung und Zins an Preissteigerung gekoppelt

Bei diesen Inflations­anleihen sind Zins­kupon und Rück­zahlungs­wert an die Entwick­lung der Inflation gekoppelt. Steigt die Inflation, steigen auch der Zins und der Rück­zahlungs­wert. Meist werden diese Anleihen von Staaten begeben, auch aus Deutsch­land gibt es welche.

Uns fragen Lese­rinnen und Leser immer wieder, ob diese Inflations­anleihen oder ETF darauf für sie geeignet sind. Auch war in der Vergangenheit oft unklar, warum die ETF-Wert­entwick­lung auf indexierte Anleihen nicht positiv ist, wenn die Inflations­raten so hoch waren wie etwa im Jahr 2022.

Daher fassen wir die Besonderheiten von inflations­geschützten Anleihen und den entsprechenden ETF zusammen. Darüber hinaus zeigen wir, worauf man bei der Berechnung des Realzinses achten sollte. Denn die Realzinsen sind das, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt.

Der deutsche Markt für indexierte Anleihen

Seit 2024 emit­tiert Deutsch­land keine neuen Inflations­anleihen. Aus der Bundes­republik gibt es aktuell drei inflations­geschützte Anleihen mit ursprüng­lichen Anfangs­lauf­zeiten von zehn oder 30 Jahren. Da sie zu unterschiedlichen Zeit­punkten aufgelegt wurden, haben sie unterschiedliche Rest­lauf­zeiten. Die Fälligkeiten der Papiere verteilen sich wie folgt:

  • 15.04.2030 – DE0001030559, 4 Jahre Rest­lauf­zeit (RLZ)
  • 15.04.2033 – DE0001030583, 7 Jahre RLZ
  • 15.04.2046 – DE0001030575, 20 Jahre RLZ

Bei klassischen Anleihen ist der nominale Kupon und Rück­zahlungs­betrag fixiert. Bei indexierten Anleihen wird der Kupon und der Rück­zahlungs­betrag an einen Inflations­index gekoppelt und ändert sich im Zeit­verlauf. Bei den deutschen Inflations­anleihen wird der unangepasste Harmonisierte Verbraucher­preis­index (HVPI) des Euroraums (Gesamt­index ohne Tabak) zugrunde gelegt.

Die deutschen Inflations­anleihen können Privat­anleger über die Börse kaufen. Dabei können zusätzliche Gebühren entstehen. Grund­sätzlich gibt es keine Mindest- oder Höchst­grenzen beim Handel.

Was Anleger bei Einzel­anleihen beachten müssen

Der große Unterschied zwischen klassischen Anleihen und indexierten Anleihen:

  • Bei klassischen Anleihen sichern sich Anleger bis Endfäl­ligkeit eine bestimmte nominale Rendite.
  • Bei inflations­geschützten Anleihen sichern sich Investoren dagegen eine bestimmte reale Rendite.

Das bedeutet:

  • Wenn man eine klassische Anleihe (beispiels­weise eine Bundes­anleihe) kauft, und diese bis Endfäl­ligkeit hält, bekommt man regel­mäßig den fest­geschriebenen Kupon ausgezahlt und am Ende der Lauf­zeit den Rück­zahlungs­betrag. Die nominale künftige Rendite steht bereits bei Kauf fest. Sie wird auch Endfäl­ligkeits­rendite (Yield to Maturity) bezeichnet. Investoren sollten diese Kenn­zahl vor einem Kauf beachten.
  • Wenn man dagegen eine Inflations­anleihe kauft und diese bis zur Fälligkeit hält, weiß man nicht im Voraus, wie hoch die Kupons oder der Rück­zahlungs­betrag nominal sein werden. Denn die sind an kommende Inflations­entwick­lungen gekoppelt. Bekannt ist allerdings die künftige reale Rendite bis Endfäl­ligkeit – also das, was nach Abzug der Inflation als Rendite bleibt. Auf diese Zahl sollte man achten, bevor man kauft.

Fazit: Mit einer indexierten Anleihe schützen sich Anleger also vor Inflations­sprüngen. Das bedeutet aber nicht, dass man garan­tiert eine positive Realrendite erhält.

Die reale Rendite ist nur fest­gezurrt, wenn man die Anleihe bis zum Schluss hält. Sollte man vorzeitig die Anleihe verkaufen, kann die reale Rendite über die Haltedauer anders ausfallen - je nachdem, wie stark der Kurs der indexierten Anleihe gefallen oder gestiegen ist.

ETF auf inflations­geschützte Anleihen

Statt auf einzelne Anleihen zu setzen, können Privat­anleger auch ETF kaufen, die die indexierten Anleihen bündeln. Wegen des Wechsel­kurs­risikos empfehlen wir keine ETF auf Anleihen in ausländischer Währung. Infrage kommen ETF auf inflationsgeschützte Euro-Anleihen.

Wer einen Anleihen-ETF kauft, muss sich nicht um die Wieder­anlage von Kupons oder Rück­zahl­beträgen kümmern. Ein ETF erledigt das alles für den Anleger.

Die Wert­entwick­lung der Anleihenindizes und der ETF spiegelt die durch­schnitt­liche börsentägliche Kurs­bewertung der einzelnen Anleihen wider.

Der folgende Chart zeigt die nominale Wert­entwick­lung zweier breit gestreuter Anleihen-Indizes. Einer enthält klassische, nominale Euro-Staats­anleihen, der andere inflations­geschützte Euro-Staats­anleihen. In etwa so liefen auch die entsprechenden ETF.

Die dargestellte historische Wert­entwick­lung ist nominal, also vor Abzug der Inflation. Für Anleihen gilt, dass der Zusammen­hang zwischen Kurs­entwick­lung und Zins­entwick­lung invers ist. Fallen die Zinsen, steigen also die Kurse – und umge­kehrt.

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Nominale und reale Zinsen

Im folgenden Chart werfen wir einen Blick auf die den Anleihenindizes zugrunde liegenden Zinsen beziehungs­weise Endfäl­ligkeits­renditen.

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  • Für klassische Anleihen zeigen wir die nominalen Zinsen. Damit meinen wir hier nicht den Kupon, also die Höhe der Ausschüttung, sondern die Rendite bis Endfäl­ligkeit. Sie ergibt sich aus der Kombination des Kupons und der Entwick­lung des Rück­kauf­wertes, also den Kurs­gewinnen und -verlusten bis Fälligkeit.
  • Für inflations­geschützte Anleihen stellen wir die realen Zinsen dar.
  • Die Differenz zwischen den nominalen Zinsen und den realen Zinsen entspricht ungefähr der sogenannten Break-Even-Inflations­rate. Liegt die künftige tatsäch­liche Inflations­rate darüber, hätten sich die inflations­geschützten Anleihen eher gelohnt. Liegt sie darunter, wären klassische Anleihen die bessere Wahl gewesen.

Die Grafik zeigt im Kern drei Dinge: Nominale Euro-Staats­anleihen lagen über den dargestellten Zeitraum über den realen Zinsen, und die Break-even-Inflations­rate bewegte sich dazwischen.

Inflations­geschützte Anleihen lohnen sich vor allem, wenn die später realisierte Inflation über der Break-even-Inflations­rate liegt. Wenn die tatsäch­liche Inflation drunter bleibt, waren nominale Anleihen im Nach­hinein meist besser. Das ist also eine Wette auf höhere Inflation als der Markt aktuell erwartet.

Haben sich inflations­geschützte Anleihen also gelohnt? Ja, vor allem in Perioden, in denen die Inflation über­raschend kräftig angestiegen ist und die Break-even-Rate zu nied­rig war. Besonders relevant waren die Jahre 2021 bis 2023, als die Inflation im Euroraum stark anzog und viele Markt­preise den Anstieg anfangs nicht voll­ständig einge­preist hatten. In solchen Phasen konnte der Inflations­schutz die nominalen Anleihen über­treffen.

Fazit: Inflations­geschützte Anleihen sind also sinn­voll, wenn man einen Inflations­schock erwartet und der Markt diesen Schock nicht erwartet. Je besser der Zeitraum mit über­raschend hoher Inflation und die Lauf­zeit der Inflations­anleihe über­einstimmen, desto besser schützt sie. ETF auf Inflations­anleihen und somit ohne festes Enddatum eignen sich am besten für konservative Anleger, die lang­fristig und noch sicherer als mit normalen Staats­anleihen anlegen möchten. Mit ETF auf Inflations­anleihen schließen Anleger lang­fristig Inflations­risiken aus. Sie erhalten dafür in der Regel aber eine nied­rigere Rendite als mit normalen Anleihen-ETF.

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