Lief der MSCI World nicht doch besser? Wie gut war mein Fonds wirklich? Unsere Leser kommen oft auf andere Renditezahlen als wir. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Ein typischer Leserbrief, wie er das Geldanlageteam der Stiftung Warentest häufiger erreicht: „Sie behaupten, der MSCI World habe nicht einmal halb so gut abgeschnitten wie der Dax, das stimmt jedoch nicht.“ Der Leser bezieht sich auf Zahlen für das Jahr 2025. Wir haben die Wertentwicklung des Dax mit 23,0 Prozent angegeben, die des MSCI World mit 7,2 Prozent. Der Leser kommt für den MSCI World auf 19,5 Prozent.
Wie kommt es zu abweichenden Zahlen beim MSCI World?Wir rechnen die Wertentwicklung immer in Euro und immer mit Zinsen und Dividenden. In Euro deshalb, weil es das ist, was letztlich auf dem Konto der Anlegerinnen und Anleger landet. Auch die regelmäßigen Ausschüttungen, Dividenden bei Aktienindizes und -fonds sowie Zinsen bei Anleihenindizes und Rentenfonds sind Teil der Wertentwicklung – nicht nur die Veränderungen der Kurse.
Tipp: Wertentwicklungszahlen für den MSCI World finden Sie auf unserer Seite Aktuelle Analysen zum MSCI World.
In Euro und in DollarIn unserem obigen Beispiel hat sich der Leser die Entwicklung des MSCI World bei seiner Bank online angeschaut. Die Bank hat den Index in US-Dollar und als Preisindex dargestellt, das heißt, die Dividenden bleiben unberücksichtigt. Auf diese Weise ist unser Leser auf eine Rendite von 19,5 Prozent gekommen. Nun ist der Dollar im Jahr 2025 gegenüber dem Euro gefallen. Berücksichtigt man diese Währungsverluste und rechnet aus, was einem hiesigen Anleger in Euro tatsächlich geblieben ist, kommt nur noch eine Wertentwicklung von 5,4 Prozent heraus.
Mit und ohne DividendenIn Euro gerechnet und inklusive Dividenden beträgt die tatsächliche Performance des MSCI World 7,2 Prozent. Nur diese Zahl ist mit der Wertentwicklung des deutschen Aktienindex Dax vergleichbar, der traditionell als Performance-Index dargestellt wird. Im Punktestand eines Performance-Indexes sind sowohl Kursveränderungen als auch Dividendenausschüttungen enthalten.
Hier die Zahlen im Detail (2025):
TR steht für Total Return Index, PR für Preisindex.
Warum weisen Sie andere Fondsrenditen aus?Auch die Nutzerinnen und Nutzer unseres Fondstests wenden sich häufig an uns: „Ich verstehe nicht, wie Sie auf die in Ihren Tabellen angegebenen Fondsrenditen kommen, ich habe abweichende Werte festgestellt.“ Die Anleger finden in ihren Depotauszügen oder auf Seiten im Internet andere Zahlen. Manche rechnen auch selbst. Die unterschiedlichen Ergebnisse lassen sich meist einfach erklären.
Früherer oder späterer StichtagDer Stichtag für unseren Fondstest liegt bei Veröffentlichung der Ergebnisse ein paar Wochen zurück. Wenn unsere Leser die Tabellen sehen, haben sich die Fonds bereits weiterentwickelt. Es dauert eine Weile, ehe die Daten vorliegen und ausgewertet sind.
Beispiel. Für die Kontrolle, Aufbereitung und Bewertung der rund 25 000 Fonds benötigen wir meist bis zum Ende des Folgemonats, für den Stichtag 30. April liegen die Ergebnisse etwa Ende Mai vor. Die Nutzer unserer Fondsdatenbank können sie dann bereits abrufen. In Druck gehen die Daten erst Anfang des Folgemonats, in unserem Beispiel also Anfang Juni. Mitte des Monats liegen die Hefte von Stiftung Warentest Finanzen bei unseren Abonnenten in den Briefkästen. Wer die Juni-Ausgabe am Kiosk kauft, hält die Ergebnisse womöglich noch später in den Händen.
Anlagezeiträume sind individuell verschiedenFür unseren Fondstest berechnen wir Renditen für bestimmte Zeiträume. Den jeweils aktuellen Stichtag geben wir auf der Startseite des Fondsvergleichs und auch direkt bei den Fondstabellen an. Davon abweichende Daten führen zu anderen Ergebnissen. Wir rechnen zudem nur mit Monatsendwerten.
Anlegerinnen und Anleger kaufen ihre Fonds meist nicht genau zu diesem Termin, sondern irgendwann während des Monats. Zur Renditeberechnung müssen sie entsprechend mit Tageskursen rechnen. Je nachdem, wie stark die Kurse in der Zwischenzeit geschwankt haben, können ihre Renditen von denen, die wir berechnen, um mehrere Prozentpunkte abweichen.
Jährliche Renditen machen Investments vergleichbarUnsere Renditen sind jährliche Renditen. In vielen Depotübersichten finden Anleger jedoch die kumulierte Rendite, die Wertentwicklung seit Beginn des Investments. Wer die Renditen seiner verschiedenen Anlagen vergleichbar machen will, muss auf jährliche Werte umrechnen, das geht tagesgenau. Wir rechnen die Renditen für die Fonds von einem Zeitpunkt an, so als hätten wir eine Einmalanlage getätigt. Wer mit monatlichen Raten spart, hat viele verschiedene Einstiegszeitpunkte, also für jede Rate eine eigene Rendite. Während es relativ einfach ist, Renditen für Einmalanlagen auszurechnen, stößt man bei Sparplänen an die Grenzen dessen, was mit einfachen Mitteln möglich ist. Da hilft nur noch der Computer.
Kaufkosten bleiben außen vorWir rechnen immer mit den offiziellen Anteilwerten der Fonds, den Nettoinventarwerten (NIW). Kaufkosten berücksichtigen wir nicht. Anleger, die Fondsanteile mit Ausgabeaufschlag kaufen, sehen in ihrer Kaufabrechnung den höheren Ausgabepreis des Fonds. Wenn sie davon ausgehend ihre bisherige Rendite berechnen, kommen sie auf einen geringeren Wert.
Beispiel. Der aktuelle Anteilwert eines Fonds beträgt 100 Euro. Der Ausgabeaufschlag beträgt 5 Prozent, somit liegt der Ausgabepreis bei 105 Euro. Ein Jahr später beträgt der Anteilwert des Fonds 120 Euro. Lässt man die Kaufkosten außen vor, beläuft sich der Gewinn des Fonds auf 20 Euro. Die Rendite beträgt demnach 20 Prozent. Ein Anleger, der zu 105 Euro gekauft hat, hat allerdings nur 15 statt 20 Euro Gewinn gemacht, was einer Rendite von 14,3 Prozent entspricht.
Die Kaufkosten lassen wir außen vor, weil sie je nach Kaufquelle völlig unterschiedlich sind. Anleger, die statt beim Berater in der Bankfiliale ihren Fonds online ordern, zahlen oft nur die Hälfte des Ausgabeaufschlags, statt 5 Prozent zum Beispiel nur 2,5 Prozent. Neobroker verlangen noch niedrigere Gebühren. ETF werden an der Börse ohne Ausgabeaufschlag gehandelt.
Tipp: Günstige Depotanbieter finden Sie in unserem Depotvergleich.
Erträge müssen mitgerechnet werdenZum Erfolg des Fonds zählen nicht nur die Kursgewinne, sondern auch die laufenden Erträge wie Zinsen und Dividenden der Titel, in die der Fonds investiert. Bei ausschüttenden Fonds fließen die Erträge aus dem Fonds ab. Trotzdem müssen sie bei der Renditeberechnung berücksichtigt werden. Viele Anleger übersehen das. Sie betrachten nur die Kursentwicklung des Fonds. Wer thesaurierende Fonds besitzt, hat es einfacher: Diese Fonds behalten die Erträge im Fondsvermögen, damit sind sie im Kurszuwachs automatisch enthalten und müssen nicht extra hineingerechnet werden.
Tipp: Mehr zur Ertragsverwendung von Fonds finden Sie im Beitrag Ausschüttend oder thesaurierend – was ist wann besser?
Börsenpreise ändern sich fortlaufendDie offiziellen Fondspreise, die Nettoinventarwerte (NIW), werden börsentäglich zu einem fixen Zeitpunkt berechnet. Manchmal schauen Anleger online nach, wie viel ihr Fonds wert ist. Eventuell sehen sie dann Börsenkurse, die sich im Tagesverlauf ändern. Dadurch können sich andere Renditen ergeben als mit den NIW.
Ausländische Währungen werden umgerechnetBei Fonds, deren Anteile in Dollar notieren, kann es passieren, dass Anlegende Kursverlauf und Rendite in Dollarpreisen bekommen. Wie am Beispiel des MSCI World gezeigt, unterscheiden sich diese oft deutlich von denen in Euro.
Wir rechnen fremde Währungen immer um. Anleger aus dem Euroraum legen ihr Geld in Euro an, entsprechend gilt für sie die Wertentwicklung in Euro. Aber auch die Renditen der in Euro umgerechneten Anteilwerte können sich unterscheiden. Das kann daran liegen, dass die Anbieter zur Umrechnung einen anderen Wechselkurs verwenden als wir. Wechselkurse werden von verschiedenen Institutionen und zu verschiedenen Zeiten bereitgestellt, wir nutzen den der Europäischen Zentralbank (EZB), der gegen 14:15 Uhr ermittelt und gegen 16 Uhr veröffentlicht wird.
Tipp: Mehr zum Thema Fondswährung lesen Sie im Beitrag Währungsrisiken bei Gold, Fonds, MSCI World.
Maximaler VerlustHäufig kommen Anlegerinnen und Anleger auch dann auf unterschiedliche Ergebnisse, wenn sie den maximalen Verlust nachvollziehen wollen, den wir in den Tabellen zeigen. Er gibt an, wie weit der Wert des Fonds unter einen früher einmal erzielten Höchstwert gefallen ist. Wir betrachten dabei standardmäßig die Verläufe in unserem fünfjährigen Untersuchungszeitraum, in unserem Fondsvergleich können Anleger den Zeitraum individuell einstellen. Hier gilt ähnlich wie für die Renditen der Fonds: Ausschüttungen sind berücksichtigt. Es zählt nicht nur der Kurs des Fonds, sondern sein Wert einschließlich Ausschüttungen. Und wie bei den Renditen rechnen wir auch für die Feststellung der maximalen Verluste mit Monatsendwerten. Auf Tagesbasis können sich höhere Verluste ergeben.
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