Ist Musikhören gefährlich? Eine Analyse der Harvard Medical School sagt jetzt: Ja, besonders wenn Alben von Megastars wie Taylor Swift erscheinen. Ist das seriös?
Neue Musikhits können das Unfallrisiko stark erhöhen. Das zumindest behauptet eine Auswertung tödlicher Autounfälle einer Forschungsgruppe rund um den Mediziner Vishal Patel der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts.
Ihre Ergebnisse dargelegt haben Patel et al. in der monatlich erscheinenden biomedizinischen Fachpublikation Jama Network Open. Untersucht wurden dabei alle (!) Autounfälle in den USA zwischen 2017 und 2022. Daten-Grundlage waren amtliche Zahlen.
Was die Untersuchung dabei nahelegen will: Immer genau dann, wenn besonders viel gestreamte Mainstream-Musikalben veröffentlicht werden, steige die Zahl der Verkehrstoten in den USA signifikant an.
Insbesondere junge Männer seien davon betroffen. Andere denkbare Ursachen (wie etwa schlechtes Wetter oder Alkohol zum Unfallzeitpunkt) habe man statistisch ausschließen können. Laut der Forschungsgruppe bleibe also eine andere Erklärung: mangelnde Aufmerksamkeit durch Musikstreaming beim Fahren.
Blockbuster-Alben im von Patel und Kollegen untersuchten Zeitraum waren beispielsweise „Midnights“ von Taylor Swift (2022), „Certified Lover Boy“ von Drake (2021), „Un Verano Sin Ti“ von Bad Bunny (2022) und „Harry’s House“ von Harry Styles (2022).
Harry Styles und Bad Bunny: Todesboten im Auto?Der Clou: Durch solche Megahit-Alben nahm offenbar das tägliche Gesamt-Streamingvolumen stets stark zu, von durchschnittlich 86 Millionen Streams an den zehn Tagen vor Erscheinen auf durchschnittlich 123 Millionen am Veröffentlichungstag, allein beim schwedischen Platzhirsch Spotify.
Was Patel et al. dabei aufgefallen ist: Quasi parallel zum gestiegenen Streamingkonsum in jenen Zeiträumen sei die Zahl tödlicher Kraftfahrzeugunfälle gestiegen; von durchschnittlich 121 normalerweise auf 139 an den VÖ-Tagen der Blockbuster-Alben.
18 tödliche Unfälle mehr also pro Tag. In den gesamten USA. 14,9 Prozent. Nicht ganz wenig, aber auch kein exorbitanter Anstieg. Zudem weiß jeder im ersten Semester Statistik: Korrelationen sind keine Kausalitäten. Nur weil beide Werte (hier: Unfälle und Streaming) steigen, ist keinerlei Ursache-Wirkungsverhältnis nachgewiesen.
Das wissen freilich auch Patel und Team. Dass sie hier trotzdem die ganz großen Namen von Taylor Swift bis Harry Styles auffahren und ihre Spekulationen über in den Tod geraste Fans mit echten Sterbefällen in Verbindung bringen, ist zumindest fragwürdig. In Sachen Pietät, aber auch mathematisch.
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