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Wisch nach rechts für die CDU: Daniel Peters sucht bei Tinder das politische Match

Дата публикации: 18-08-2026 17:44:37

In Mecklenburg-Vorpommern reicht der Wahlkampf inzwischen weiter als bis zum nächsten Laternenpfahl. Der CDU-Spitzenkandidat wirbt jetzt auf einer Datingplattform.

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Es ist Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Überall lächeln Kandidaten von Plakaten oder winken von Infoständen. Doch wer die Wähler so richtig erreichen will, sollte längst nicht mehr nur auf der Straße stehen. CDU-Chef Daniel Peters, im Januar mit 97,3 Prozent auf Platz eins der Landesliste gewählt, versucht es jetzt dort, wo normalerweise Singles nach einem Flirt und Match suchen: auf Tinder.

„Daniel, 45" ist aber nicht auf Partnersuche im klassischen Sinne. Das stellt sein Sprecher auf Nachfrage dieser Zeitung vorsorglich noch einmal klar. Er sei glücklich verheiratet und habe ein Kind. Worum es beim Tinder-Auftritt geht, erklärt Peters selbst. „Tinder ist ein wichtiger Social-Media-Kanal. Und ich will dort präsent sein, wo die Menschen sind. Ich nutze das Format, um ins Gespräch über unsere Politik zu kommen. Nur darum geht es."

Ein Teil der Politik hat mittlerweile Tinder als Reichweitenkanal für sich entdeckt.

Ein Teil der Politik hat mittlerweile Tinder als Reichweitenkanal für sich entdeckt.

© Marijan Murat/dpa

Und da die CDU in Umfragen gerade bei zehn Prozent dümpelt, die Landtagswahl am 20. September immer näher rückt, nutzt ihr Spitzenkandidat nun auch die Datingplattform, um für weitere Wählerstimmen zu werben. „Ich interessiere mich für dein Leben. Lass uns besprechen, was besser werden muss,“ heißt es etwa in seinem Tinder-Profil, und unter der Rubrik „Liebes-Stil" hat er „Gemeinsame Zeit“ eingetragen.

Politischer Flirt sorgt für Spott

Damit ist Peters in Mecklenburg-Vorpommern der erste Landespolitiker, der diesen Weg geht. Reaktionen der politischen Konkurrenz ließen nicht lange auf sich warten. Nach Medienberichten sieht die Linken-Spitzenkandidatin und Bildungsministerin Simone Oldenburg darin einen Akt der Verzweiflung. Aus Panik vor dem Wahlergebnis sei jedes Mittel recht. SPD-Generalsekretär Julian Barlen, der sonst nicht dafür bekannt ist, ein Mann der wenigen Worte zu sein, hielt es noch knapper: „Sorry, das kommentiere ich nicht.“

Der CDU-Chef aus MV ist allerdings nicht der Erste, der auf diese Idee kommt. Bereits 2019 warb der Dresdner AfD-Europakandidat Jonas Dünzel auf Tinder um Wählerinnen. Er bezeichnete sich damals als „Kandidat zum Anfassen“ und forderte Nutzerinnen zum rechten Swipe auf. Im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf 2020 nutzte dann Linda Moulhem Arous von der Linken ein Tinder-Profil, das auf Stimmenfang ausgerichtet war.

Das rege Interesse einiger Politiker an dem Datingportal ist kein Zufall. Tinder selbst gibt an, dass mehr als die Hälfte seiner Mitglieder zwischen 18 und 25 Jahre alt ist. Aktuell spricht das Unternehmen zudem davon, dass mehr als 60 Prozent der Nutzer zwischen 18 und 30 Jahre alt sind. Genau diese Gruppe gilt als mobilisierungsstark, gleichzeitig aber auch als schwer zu erreichen. Wer sie einfangen will, muss also dorthin gehen, wo sie sind. Und sie sind auf Tinder.

Tinder als Wahlkampfkanal: Keine Erfindung aus Schwerin

Dass Tinder für politische Kommunikation nicht völlig abwegig ist, zeigt auch die Bundestagswahl 2025. So kooperierte die Dating-App ganz offiziell mit der Bundeszentrale für politische Bildung und machte den Wahl-O-Mat direkt in der App zugänglich. Tinder begründete das Engagement unter anderem damit, junge Menschen zur politischen Information und Wahlbeteiligung erreichen zu wollen.

Inhaltlich neu ist Peters Tinder-Auftritt jedenfalls nicht, die Fischbrötchen-Symbolik taucht auch in seinem Dating-Profil auf. Seine Aktion ziele vor allem auf Reichweite. Ob das reicht, um aus zehn Prozent bis zum Wahlsonntag mehr zu machen, ist eine andere Frage.

Zwischen verdecktem Wahlkampf über Privatprofile und offiziell gebuchter politischer Werbung macht die Plattform übrigens selbst einen Unterschied. Ersteres kollidiert mit ihren Richtlinien, Letzteres ist im Rahmen freigegebener Formate grundsätzlich möglich. Peters Profil bewegt sich wahrscheinlich in einer Grauzone, die Tinder bislang noch toleriert.

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