Chinas Außenminister Wang Yi reist erstmals seit Jahren nach Seoul – während die Militärübungen mit den USA noch laufen. Ein Signal an Trump?
Unmittelbar nach den rhetorischen Angriffen des US-Präsidenten Donald Trump auf Südkorea besucht der chinesische Außenminister das Land erstmals seit fünf Jahren. Wang Yi werde am Mittwoch und Donnerstag in Seoul sein, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Außenministeriums am Dienstag. Dabei wird er neben Südkoreas Außenminister Cho Hyun auch Präsident Lee Jae-myung treffen. Das chinesische Außenministerium bestätigte den Besuch zunächst nicht.
Der Besuch findet während einer seit Montag laufenden zehntägigen Militärübung zwischen Südkorea und den Vereinigten Staaten statt. Trump hatte das Pentagon Anfang der Woche angewiesen, diese deutlich zu verkleinern. Um sie abzusagen, sei es „zu spät“ gewesen. Er sagte, die Übung sei ein „unangemessenes und feindliches Signal“ in Richtung Nordkorea und werde vor allem von den USA finanziert. Er verstehe sich prächtig mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Außerdem habe Präsident Lee ihm bei der Denuklearisierung Irans nicht geholfen.
Trump wird von vielen Beobachtern vorgeworfen, mit seinen Attacken langjährige Verbündete zu verprellen und China neue geopolitische Chancen zu eröffnen. Der Besuch des chinesischen Außenministers in Seoul verstärkt diesen Eindruck nun noch. Der Besuch war jedoch länger geplant gewesen, erste Berichte südkoreanischer Medien gab es schon Ende Juli.
Lee bemüht sich um Vierer-FormatIn Südkorea wird der Besuch eher im Kontext einer Rede gesehen, die Lee am Wochenende hielt. Darin regte er neue Gespräche mit Nordkorea an und deutete einen Vorschlag für ein gemeinsames multilaterales Format der „betroffenen Parteien“ an. Damit dürfte er China, die Vereinigten Staaten, Nord- und Südkorea meinen. Bei Wangs Besuch gehe es um „die Lage auf der koreanischen Halbinsel sowie regionale und internationale Fragen“, sagte der Sprecher des Außenministeriums.
Die Beziehungen zwischen China und Südkorea waren nach der Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems vor knapp einem Jahrzehnt lange angespannt. China kritisierte dessen Aufbau scharf und schränkte daraufhin die Verbreitung koreanischer Filme, Serien und Musik in der Volksrepublik deutlich ein. Südkoreas Lee bemüht sich um eine Entspannung der Beziehungen, ohne sich von Japan oder den Vereinigten Staaten abzuwenden. Anfang des Jahres war er mit einer großen Wirtschaftsdelegation in der Volksrepublik und schoss dort Selfies mit Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie dessen Ehefrau.
In jüngster Zeit gerieten die diplomatischen Beziehungen auf der Halbinsel in Bewegung. Nordkorea gelang es, die Beziehungen zu Russland zu verbessern, vor allem durch die Entsendung nordkoreanischer Soldaten, die aufseiten Russlands im Ukrainekrieg kämpfen. Xi bemühte sich in der Folge wieder verstärkt um Nordkorea und reiste im Juni erstmals seit sieben Jahren in das Nachbarland.
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