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Ostdeutsche Sommer am See: „Freibad? Gibt's hier gar nicht“

Дата публикации: 18-08-2026 02:00:00

Marode, geschlossen, leer: 2025 waren Freibäder in der Krise. 2026 soll alles anders sein, heißt es. Viele Ostdeutsche aber fahren lieber an den See. Warum?

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Ein warmer Augusttag, 36 Grad, der Sommer dreht noch einmal richtig auf: Die Deutschen suchen Abkühlung in Freibädern oder nahegelegenen Seen. Doch woran liegt es, dass viele Menschen im Osten lieber an den See fahren als ins Freibad?

Im Sommer 2025 hatten verantwortliche Stimmen aus dem Bäderwesen die Freibad-Krise ausgerufen. Becken blieben leer oder seien sanierungsbedürftig, deutschlandweit gab es hunderte Badetote. Doch blickt man geografisch ins Detail ergibt sich ein differenzierteres Bild.

Auch in Brandenburg, Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern zog es am vergangenen Samstag viele Menschen in die Natur. Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) wollte wissen, warum die Ostdeutschen Seen Freibädern vorzuziehen scheinen.

Team See: Angelika und Olaf               genießen die unberührte Natur.

Team See: Angelika und Olaf genießen die unberührte Natur.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Am Roofensee im Landkreis Oberhavel haben es sich Olaf und Angelika aus dem 10 Kilometer entfernten Gransee gerade mit Freunden auf Stühlen und Decken bequem gemacht. „Freibad? Gibt's hier gar nicht“, sagt die 69-Jährige. Es gebe schließlich viele Seen. Früher habe es mal einen Feuerlöschteich „hinten bei den Neubauten“ gegeben.

Die Frage, ob sie denn gern ein Freibad in der Nähe hätten, verneinen sie. Und Olaf ergänzt: „Ob die Leute gern eins hätten oder nicht, ist eine Preisfrage. Liegt nur an der Penunze.“ Aber sie persönlich bräuchten keins, sagt der 66-jährige Olaf, der den Roofensee schon seit seiner Jugend kennt. Direkt nach der Wende habe der Parkplatz hier Geld gekostet, jetzt nicht mehr.

Badeausrüstung vorhanden: Jonathan, Niklas und Frank Schubert sind auf dem Weg zum Roofensee.

Badeausrüstung vorhanden: Jonathan, Niklas und Frank Schubert sind auf dem Weg zum Roofensee.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Frank Schubert ist gerade mit seinen beiden Söhnen Jonathan (11) und Niklas (5) auf dem Weg zum Ufer. Er berichtet von der sogenannten Seebadeanstalt aus den Jahren um 1900, die im zehn Kilometer entfernten Rheinsberg liegt. Die habe sogar einen Bademeister. Wo ein richtiges, künstliches Freibad in der Gegend sei, wisse er aber auch nicht. Schubert weiß die Natur zu schätzen.

In Freibädern tummelten sich komprimiert „viele Leute mit all den Problemen, wenn Menschen zusammentreffen“. Seiner Erfahrung nach sei dort, je heißer es ist, die Stimmung umso aufgeladener. „Das hat man hier nicht. Man kann sich ein bisschen aus dem Weg gehen. Wenn's zu eng wird, weicht man eben aus“, sagt der 48-Jährige. Auch die Wasserqualität sei ganz etwas anderes.

Im Freibad: „Decke an Decke an Decke“

Ein paar hundert Meter weiter befindet sich dann schon der Stechlinsee, bekannt für sein außergewöhnlich klares Wasser. Hier sitzen Nicole, Robin und Steffi samt den Kindern Emma, Mia und Lara beisammen. „Die Kinder wären lieber im Freibad“, sagen sie. „Da ist es wärmer“, begründen die Kinder ihren Wunsch. Robin  entgegnet: „Freibad ist einfach voll, Decke an Decke an Decke.“

Robin, Steffi und Nicole mit den Kindern Mia (links), Lara (Mitte) und Emma (rechts) haben den Stechlinsee für sich entdeckt.

Robin, Steffi und Nicole mit den Kindern Mia (links), Lara (Mitte) und Emma (rechts) haben den Stechlinsee für sich entdeckt.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Anja kommt aus Berlin; sie planscht mit kurzer Hose mit den Kindern Frederick (8) und Leo (9) hüfttief im Wasser und sieht die Nachteile an Freibädern in der Menschenmenge, im „kalten“ Wasser und in der Größe der Becken. Das sei recht „langweilig“, sagt die 37-Jährige.

Frederick (vorne) und Leo genießen die Zeit mit Mama Anja am Stechlinsee.

Frederick (vorne) und Leo genießen die Zeit mit Mama Anja am Stechlinsee.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

„Im Freibad ist es mir zu laut, zu überlaufen, zu unruhig“, meint auch Susanne, die das Wetter am Großen Wentowsee  (ein echter Geheimtipp!) genießt. Die 66-Jährige kommt aus Bayern, war an der Ostsee und hat hier am See, der rund 80 Kilometer von Berlin entfernt liegt, einen Zwischenstopp eingelegt. Auch in ihrer Heimat würde sie lieber an den See fahren als ins Freibad zu gehen.

Susanne hat den Großen Wentowsee für sich entdeckt.

Susanne hat den Großen Wentowsee für sich entdeckt.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Direkt an der B167 gelegen befindet sich hier der Große Lankesee - samt kleiner Insel. Das nahegelegene Seeschloss gehörte einst der Stasi, befindet sich nun aber im Besitz der DKB-Bank. Hier bleibt man gern unter sich, seinen Namen will hier am Samstagmittag keiner der gut ein Dutzend Besucher nennen. „Freibad? Gibt's hier nicht!“, sagt auch eine Frau, die hier aufgewachsen ist und mit ihrer Familie da ist, über ihre Gemeinde Löwenberger Land. „Hier nimmt man sich was zu essen mit, dann kann man den ganzen Tag bleiben. Herrlich!“, schwärmt sie.

Manche Seen wie den Großen Lankesee kennen fast nur Einheimische aus Brandenburg.

Manche Seen wie den Großen Lankesee kennen fast nur Einheimische aus Brandenburg.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Auch in Sachsen zeigte sich die Sonne am vergangenen Samstag von ihrer besten Seite. Die Dresdner Freibäder sind in dieser Saison gut besucht: In den zurückliegenden Sommerferien nutzten Tausende die zehn Anlagen, darunter auch Badestellen an kleineren Seen im Stadtgebiet. Für ein Fazit der Badesaison sei es aber noch zu früh, sagt Lars Kühl, Sprecher der Dresdner Bäder GmbH.

Denn einige Freibäder in Dresden haben dieses Jahr bis zum 13. September geöffnet. „Aber es zeichnet sich ab, dass wir ein deutlich besseres Ergebnis als im vergangenen Jahr erzielen werden. Und dies, obwohl wir für das Luftbad Dölzschen keine Betriebserlaubnis für diese Saison hatten“, so Kühl.

Trotz des Angebotes an Freibädern gibt es viele Städter, die es an die größeren Seen in Dresdens Umgebung zieht. Ein beliebtes Ausflugsziel ist nicht nur an den Wochenenden, sondern auch abends nach der Arbeit, die Talsperre Malter, gut 20 Kilometer von der Dresdner Stadtgrenze entfernt. Die Anfahrt lohnt sich, findet Martin Walter, der die Talsperre mit seiner Familie seit vielen Jahren besucht. „Die Größe der Wasserfläche und die Wasserqualität sind super“, erzählt der 63-Jährige.

Die Enge der städtischen Freibäder, die vor allem in den Ferien sehr gut besucht sind, meidet er, ebenso wie den Lärm, der damit einhergeht. „Ich genieße die Ruhe hier am See, es gibt Schattenplätze und ich mag die familiäre Gastronomie.“ Insgesamt drei Bäder gibt es rund um die Talsperre, für die ein Eintrittsgeld zu entrichten ist. Er könnte auch an einen See fahren, an dem er kostenlos baden kann, aber Martin Walter schätzt die gepflegten Wiesen und auch, dass Bademeister vor Ort sind.

Die Enge der städtischen Freibäder meiden auch diese beiden Vierbeiner aus Sachsen. Sie baden lieber in der Talsperre Malter.

Die Enge der städtischen Freibäder meiden auch diese beiden Vierbeiner aus Sachsen. Sie baden lieber in der Talsperre Malter.

© Privat

Die Möglichkeit, sich ganz ohne Badehose im FKK-Bereich zu tummeln, sich aber auch für den Textilbereich entscheiden zu können, sei ein weiterer Vorteil an der Malter. Mit seinem Sohn fährt er regelmäßig mit dem Standup Paddle über die große Wasserfläche, die 1,3 Quadratkilometer misst und 1913 durch das Anstauen der Roten Weißeritz entstand.

Umgeben von Wäldern, Wiesen und Getreidefeldern ist die Talsperre bis heute nicht nur für den Hochwasserschutz von Bedeutung, sondern eben auch für den Tourismus.

Für Mecklenburg-Vorpommern hat das Institut der deutschen Wirtschaft (iw) errechnet: Auf Gemeindeebene rangiert das Bundesland am unteren Ende bei Fahrzeiten zum nächstgelegenen Bad: sechs der zehn am schlechtesten an sommerliche Bademöglichkeiten angebundenen Kommunen liegen im nordöstlichen Bundesland.

Auch wer mit den Menschen spricht, stellt fest: Die Dichte an Freibädern im Osten ist längst nicht so groß wie viele meinen. Die meisten „Ossis“ nehmen es jedoch gelassen – und fahren ohnehin lieber an den nahgelegenen See.

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