Nach millionenschweren Fehlinvestitionen muss sich die Modekette gesund schrumpfen: Acht Standorte sind schon geschlossen, weitere folgen. Womöglich auch am Carlsplatz – es sei denn, die Miete wird deutlich gesenkt.
Düsseldorf/Kaarst · Nach millionenschweren Fehlinvestitionen muss sich die Modekette gesund schrumpfen: Acht Standorte sind schon geschlossen, weitere folgen. Womöglich auch am Carlsplatz – es sei denn, die Miete wird deutlich gesenkt.
Geschäft von Adenauer & Co. an der Mittelstraße 16 in Düsseldorf: Der 120 Quadratmeter große Standort hat 2014 eröffnet und war einer der ersten der Modemarke.
Foto: Anne OrthenWer ein Geschäft von Adenauer & Co. betritt, soll sich wie im Strandurlaub fühlen – selbst dann, wenn der Standort großstädtisch geprägt ist. Nahe dem Düsseldorfer Carlsplatz, direkt gegenüber der Bäckerei Hinkel, empfängt die Modekette mit Surfbrett im Eingang, Holzdielenboden und Hoodies in warmen Farben. Auf einer Postkarte posiert Gründer Andreas Adenauer, Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers, im Sand. Dazu ein Spruch in weißen Lettern: „Welle für Welle Meer Glück“. Doch nach langem Ritt auf unternehmerischen Erfolgswellen ist das Unternehmen jetzt ein Sanierungsfall.
Gegen fünf Unternehmen der Adenauer & Co. wurden Anfang August Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Betroffen sind die Holding, die Einzelhandels- und Großhandelsgesellschaft sowie die Markenlizenzinhaberin und die Outlet-Betreiberin. All diese Firmen führt Andreas Adenauer, der seine Gruppe vor 17 Jahren in Düsseldorf gegründet hat. „Ich übernehme die komplette unternehmerische Verantwortung – auch für die Insolvenz“, sagt der 62-Jährige im Gespräch mit der Redaktion.
Die nach seiner Familie benannte Modekette hat ihren Hauptsitz in Kaarst und europaweit 53 Standorte, die intern Strandhäuser genannt werden: in deutschen Großstädten wie Düsseldorf, an der Nord- und Ostseeküste, in Österreich und auf Mallorca. Bunte T-Shirts, gemütliche Kapuzenpullis und gestreifte Sweatshirts haben Adenauer & Co. in die Kleiderschränke vieler jung gebliebener Menschen gebracht, die gerne auf Sylt oder Norderney Urlaub machen.
In den vergangenen Monaten schon sorgten Schließungen für Schlagzeilen in Lokalmedien, beispielsweise in Bonn oder Dresden. Seit dieser Woche wird bundesweit über das rheinische Unternehmen mit Strandseele berichtet. Denn jetzt ist in den Insolvenzveröffentlichungen zu lesen, dass die Adenauer-Gruppe bereits am 15. Mai fünf Anträge auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt hatte. Diese Verfahren wurden am 1. und 3. August an den Amtsgerichten Neuss, Düsseldorf und Kiel eröffnet. Nur einen Tag später scheint nun eine Sanierungslösung zu stehen.
Gründer Andreas Adenauer wird dem Unternehmen nur noch beratend zur Seite stehen.
Foto: Adenauer&CoKünftig hält BK Retail
Die bisherige Adenauer-Gruppe soll an ein neues Unternehmen namens Adenauer & Co. Retail GmbH verkauft und dadurch zu großen Teilen fortgeführt werden. „Wir haben heute Morgen die Kaufverträge unter Einverständnis von Herrn Adenauer gezeichnet“, sagt der Hamburger Unternehmer Kai Teute. Er betreibt mit seiner Firma BK Retail, die er mit Benedikt Beins gegründet hat, bereits 16 norddeutsche Standorte als Franchisepartner. Künftig hält BK Retail zwei Drittel der Anteile an der neu gegründeten Adenauer-Gesellschaft, deren Sitz in Kaarst bleiben wird.
Fünf Prozent gehen an Franchisepartner Axel Heiter und 30 Prozent an Daniela Rumberg, die bisher sieben Standorte deutschlandweit betreibt. „Für Düsseldorf führt sie aktuell Gespräche mit dem Vermieter“, sagt Teute. „Aktuell steht der Standort auf der Kippe.“
Kai Teute (l.) und Benedikt Beins von BK Retail: Die Gruppe übernimmt 65 Prozent.
Foto: Adenauer & Co. RetailAdenauer & Co. hat im Frühjahr 2014 an der Mittelstraße ein 120 Quadratmeter großes Geschäft im Strandhaus-Stil eröffnet, damals eines der ersten deutschlandweit. Es war der Beginn einer jahrelangen Expansion. Die Modekette breitete sich über Franchisepartner an der Küste, im Ruhrgebiet und im Rheinland aus. 33 der 53 Standorte werden von Partnern wie Teute und Rumberg betrieben, sie alle sollen erhalten bleiben.
Vorausgesetzt ist die Zustimmung der Gläubiger, hauptsächlich Banken und Lieferanten, bei der Versammlung am 31. August im Amtsgericht Düsseldorf. Mehrheitsgesellschafter Kai Teute ist zuversichtlich: „Mit der Fortführungslösung bilden wir schließlich 85 Prozent des bisherigen Umsatzes ab.“ 160 der 200 Beschäftigten könnten weiter für die Modekette arbeiten.
Der Gründer hat 20 Standorte
20 Standorte allerdings hatte Andreas Adenauer in Eigenregie aufgebaut und betrieben, auch in mietseitig teuren Modemetropolen wie München, Berlin und Düsseldorf. „Das war für uns mehr Marketingmaßnahme als Absatzkanal“, sagt er. Als der Umsatz in diesen Geschäften nach der Coronapandemie immer weiter zurückging und die Kosten hoch blieben, wurden Schließungen alternativlos. München ist schon zu, Berlin folgt in den nächsten Monaten, Osnabrück auch. Kai Teute spricht in Bezug auf solche Anmietungen von „Fehlinvestitionen“. Zur Insolvenz geführt hat aber noch eine andere folgenschwere Entscheidung des bisherigen Geschäftsführers Andreas Adenauer. Er verlegte große Teile der Produktion während der Coronapandemie in die Türkei. „Am Anfang hat uns das viel Geld beschert“, sagt Adenauer. „Dann fiel die Produktion aus, wir hatten keine Ware mehr und verloren vier Millionen Euro.“ Als Reaktion passte er sein Gehalt als Geschäftsführer an, von einst mehr als 500.000 Euro pro Jahr auf die Hälfte davon. Doch das änderte auch nichts mehr an der Zahlungsunfähigkeit.
Daniela Rumberg: Sie verhandelt über eine Fortführung des Geschäfts.
Foto: Adenauer & Co. RetailWas wird nun aus den 20 Standorten, die bisher nicht von Franchisepartnern betrieben wurden? Acht sind bereits geschlossen, weitere folgen. Sicher ist nur die Übernahme der Outlets in Kaarst und Ochtrup im Münsterland. Verhandelt werde über eine Fortführung der Standorte auf Mallorca und in Düsseldorf, sagt Teute. „Aber wenn wir die Kosten nicht in den Griff bekommen, müssen wir auch hier schließen.“
Für das Geschäft an der Mittelstraße zahlt Adenauer & Co. derzeit rund 13.000 Euro Miete pro Monat. Für eine Fortführung müsse man unter 10.000 Euro landen, sagt Kai Teute. Der Mietvertrag läuft noch. Allerdings prüft der Vermieter offenbar bereits den Markt nach möglichen (zahlungskräftigeren) Nachfolgern – präsentiert von Handelsmaklern, die europaweit expandierende Filialisten im Portfolio haben.
Eine Schließung des Düsseldorfer Standorts wäre ein Schlag für Andreas Adenauer, dem eine Präsenz in seiner unternehmerischen Heimat am Herzen liegt. Entscheiden kann er darüber jedoch nicht mehr. Wenn die Sanierungslösung Ende August verabschiedet wird, verliert der Gründer seine Rolle als Geschäftsführer und Gesellschafter. Er werde „beratend mit an Bord bleiben“, sagt er. Ist das nicht einfach eine Floskel, um gesichtswahrend zu gehen? Nein, sagt Adenauer. „Man wird mich erst einmal intensiv brauchen. Denn so einfach ist das Geschäft nicht.“
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