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„Eine Million Stimmen für den Frieden“: Bürger sammeln Unterschriften gegen Aufrüstung

Дата публикации: 15-08-2026 12:49:12

Von Mensch zu Mensch will man ins Gespräch kommen und Unterschriften gegen Kriegspolitik sammeln. Um konkrete Umsetzbarkeit geht es hingegen nicht.

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Es herrscht buntes Treiben auf dem Wochenmarkt und auf den Gehwegen in Schöneberg, genau das Richtige für Jens Kaufmann und Anja Lues. An der Ecke Winterfeldtstraße/Maaßenstraße haben sie den orangen Pavillon der Aktion „Eine Million Stimmen für den Frieden“ aufgebaut.

Bewusst verzichten die Initiatoren auf Fahnen oder herausstechende Symbolik. Das Mikrofon kommt jedoch regelmäßig zum Einsatz, um Passanten darüber aufzuklären, was hier passiert: eine Art informelle, außerparlamentarische Volksabstimmung gegen die aktuelle Sicherheits- und Verteidigungspolitik. „Ich will nicht tatenlos zusehen“, sagt Kaufmann der Berliner Zeitung.

Damit ist die Bewegung im Mai 2025 bundesweit gestartet. An 1000 Orten sollen 1000 Stimmen gesammelt werden. Theoretisch bis zur Million oder darüber hinaus. In der Praxis geht es aber weniger um die Zahl, als um die Debatte. „Idealerweise besteht die Initiative also solange, wie sie gebraucht und gewollt wird“, heißt es auf der Website. „So lange, wie die fehlende Friedenspolitik in unserem Land unser Engagement nötig macht.“

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Das Ziel von „Eine Million Stimmen für den Frieden“

Die zentrale Forderung: Deutschland solle „Friedens- und Diplomatieland Nr. 1 auf der Welt“ werden. Die Aktion spricht sich gegen Waffen- und Rüstungsexporte aus und kritisiert die Rhetorik von Politik und Medien scharf. „Kriegstüchtig ist etwas anderes als verteidigungstüchtig, ist etwas anderes als friedenstüchtig“, betont Kaufmann.

„Keiner will Krieg“, ist seine feste Überzeugung. „Es muss vorher etwas passieren, damit Leute Krieg wollen.“ Genau dies beobachte er auch jetzt. Dabei habe man in der jüngeren Geschichte Deutschlands schon an zwei Punkten gesehen, was passiert, wenn es Krieg gibt.

Die Atmosphäre am Stand ist dabei betont achtsam und freundlich. Vor allem Seniorinnen fallen als Interessierte auf. Bewusst ist es keine Demonstration: „So bald wir irgendetwas Politisches in den Vordergrund stellen, ist etwas Trennendes da“, sagt Kaufmann. Daher versteht sich die Aktion als unabhängig und überparteilich, auch NGOs halten sie nicht für die richtige Form der Bürgerbeteiligung.

Stattdessen liegen Unterschriftenlisten aus, auch Flyer und Buttons zum Mitnehmen. Kaufmann und Lues suchen immer wieder den Kontakt zu Menschen, die stehen bleiben. Kommen mit ihnen ins Gespräch, fragen nach, was sie gerade zum Thema Frieden bewegt. Denn eins äußert Kaufmann immer wieder: „Es geht darum, dass wir als Menschen miteinander ins Gespräch kommen.“

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Politisch wenig konkret

Im Gespräch mit den beiden Initiatoren wird klar, dass das keine leere Floskel ist. Es scheint hier letztlich sogar mehr um das Gespräch als um die Unterschriften zu sehen. Die Interessierten wirken dankbar, unterhalten sich über persönliche Lebenswege und Betroffenheit. Manch einer kommt, unterschreibt und geht direkt wieder, unter dem Motto: Da gibt es gar nichts zu diskutieren.

Eines bekommt am Stand allerdings wenig Aufmerksamkeit: die konkrete politische Umsetzbarkeit. Lues selbst sagt, sie seien „nicht so naiv zu glauben, dass Bundeskanzler Merz bei einer Million Stimmen von heute auf morgen etwas anders macht.“

Wie aus einer solchen Bürgerbeteiligung direkt an der Basis politische Konsequenz erwächst, dafür sei es noch zu früh, meint Kaufmann. Erstmal gehe es darum, wieder miteinander zu sprechen, über Parteigrenzen hinweg. So bleibt am Samstag auf dem Winterfeldtplatz noch vieles offen. „Um diese Fragen zu beantworten, braucht es Frieden“, sagt Kaufmann.

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