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Wie der Arbeitskreis Leben Freiburg Menschen in Krisen begleitet

Дата публикации: 16-08-2026 18:41:07

Im Stadion des SC Freiburg dreht der Arbeitskreis Leben einen Spot zur Suizidprävention. Er soll zeigen: Suizid ist kein Tabu-Thema - und es gibt Hilfe.

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In diesem Beitrag wird Suizid thematisiert. Wenn euch das beunruhigt, entscheidet selbst, ob ihr das lesen und hören möchtet. HIER haben wir für euch Hilfsangebote und Ansprechpartner verlinkt.

Im Stadion des SC Freiburg liegen noch Pizzareste und Pappschalen vom letzten Spiel auf den Rängen. Doch nun steht nicht der Sport im Mittelpunkt, sondern Suizidprävention: Der Arbeitskreis Leben (AKL) Freiburg dreht hier einen Film, der sichtbar machen soll, wie viele Menschen in Deutschland von dem Thema betroffen sind - und dass es Hilfe gibt.

Bundesweit ist die Zahl der Suizide während der Corona-Pandemie angestiegen. Inzwischen sterben mehr als 10.000 Menschen im Jahr durch Suizid - das sind knapp 30 Personen pro Tag. Zum Vergleich: Knapp 3.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich bei Verkehrsunfällen, also etwa acht pro Tag.

Suizid raus aus der Tabuzone: Filmkampagne des Arbeitskreis Leben Freiburg

Stefan Hannen leitet den Arbeitskreis Leben in Freiburg. In Zusammenarbeit mit Marcel Rombach von der Freiburger Sodigital Gruppe und Johanna Bluhm und Max Weber von der Produktionsfirma Cinegrapher Films aus Staufen im Breisgau (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) hat er die Film-Kampagne konzipiert. So wurde aus der Idee, ein kleines Handyvideo für den neuen Instagram-Kanal aufzunehmen, ein größeres Projekt.

Vier Personen stehen vor der Tribüne, im Hintergrund die Dreharbeiten.

Stefan Hannen vom Arbeitskreis Leben Freiburg, Johanna Bluhm und Max Weber von Cinegrapher Films und Marcel Rombach von der Sodigital Gruppe (von links nach rechts): Sie haben die Idee für den Film gemeinsam erarbeitet. SWR

Zum Dreh im Stadion inspirierte sie das Video "Check in on those around you" vom englischen Fußballverein Norwich City. Stefan Hannen erhofft sich von dem Dreh im Stadion mehr Sichtbarkeit für das Thema Suizid: "Der Sport ist ein unwahrscheinlicher Multiplikator in die Gesellschaft hinein."

Im Rahmen der Film-Kampagne wurden bereits Interviews mit Hinterbliebenen und ein Kurzfilm auf Youtube und Instagram veröffentlicht. Stefan Hannen ist begeistert - die Zahl der Instagram-Follower hat sich verdreifacht, die Videos haben mehr als 500.000 Klicks, und es gibt viele Kommentare: von Dankbarkeit über Fragen nach Hilfe bis hin zum Teilen der eigenen Geschichte.

Mehr Krisen, mehr Erstkontakte: Warum sich beim AKL Freiburg so viele Menschen melden

Beim AKL in Freiburg ist die Zahl der Erstkontakte - also der Menschen, die sich als Betroffene oder Hinterbliebene an den AKL wenden - von 170 im Jahr 2020 auf 485 im Jahr 2025 gestiegen. Stefan Hannen erklärt sich diesen Anstieg durch ein verändertes Krisenerleben: "Früher hatten wir eine Krise, dann wieder ein paar Jahre Ruhe. Mittlerweile sind die Krisen multipliziert und es gibt so ein Konglomerat an Problemlagen, dass es manchmal schwierig ist, noch etwas Positives zu sehen." Das mache Angst. Aber er sieht in den gestiegenen Zahlen auch eine Weiterentwicklung in der Gesellschaft: hin dazu, Probleme mehr zu thematisieren.

Wir merken, dass jüngere Menschen mittlerweile viel mehr Mut haben, sich Hilfe zu holen

Von der eigenen Krise zur Krisenbegleitung: Ehrenamt beim Arbeitskreis Leben

Für den Film machen ein Schauspieler, eine Schauspielerin und rund 150 Statistinnen und Statisten ordentlich Stimmung auf der Südtribüne im SC-Stadion - ehrenamtlich. Auch Birgit Brachat steht in der Menge und schwenkt einen Schal. Sie ist seit sechs Jahren ehrenamtlich beim AKL Freiburg aktiv. "Als ich gesehen habe, dass sie eine Ausbildung zur Krisenbegleiterin anbieten, hat mich das gleich angesprochen, weil ich selbst Hinterbliebene von Suizid bin," erzählt sie.

Ein Bildschirm zeigt, was die Kamera aufnimmt. Im Hintergrund das leere SC Stadion.

Die Statistinnen und Statisten sowie der Hauptdarsteller und die Hauptdarstellerin unterstützen das Filmprojekt ehrenamtlich. Die Kosten für Material und Produktion finanziert der AKL Freiburg durch Spenden. SWR

Der Suizid meines Vaters war 1979 - zu der Zeit war das Thema Suizid ein großes Tabu, es gab kaum Hilfsangebote. Deshalb ist es mir wichtig, durch das Engagement beim AKL einen Beitrag zu leisten.

Ein halbes Jahr lang hat sie gemeinsam mit rund zehn anderen Auszubildenden über den Umgang mit Menschen in Krisen gelernt. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie lange man so ein Thema mit sich herumträgt, wenn man keine Hilfe bekommt. Als Krisenbegleiterin bietet sie Menschen einen Gesprächsraum, in dem sie ohne Tabu alles ansprechen können, was in ihnen vorgeht. "Die schweren Themen, die da aufkommen, berühren einen natürlich schon", sagt Birgit Brachat. "Aber gleichzeitig sucht man ja auch immer nach den schönen Momenten, den Ressourcen, allem, was helfen kann."

"Der menschliche Kontakt ist total wichtig"

Meistens treffen die Krisenbegleiterinnen und -begleiter ihren Klientinnen und Klienten einzeln, für eine Stunde - wöchentlich, zweiwöchentlich oder einmal im Monat, je nach Bedürfnis. Es gibt auch Trauergruppen, die die Krisenbegleiterinnen und -begleiter gemeinsam mit einer hauptamtlich tätigen Person leiten.

Krisenbegleiterin Birgit Brachat sagt: "Es ist schön, wenn man sieht, wie man dem Gegenüber allein schon dadurch helfen kann, dass man miteinander spricht. Die Menschen sind extrem dankbar und melden das auch zurück." Auch Stefan Hannen betont, wie wichtig der menschliche Kontakt sei: "Es müssen gar nicht direkt Lösungen sein, sondern manchmal geht es einfach nur um das Aushalten des Themas und der Gedanken."

Wie Ihr Suizidgedanken bei anderen erkennen und ihnen helfen könnt

Die Krisenbegleitungs-Ausbildung besteht aus rund zehn Einheiten, alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe für drei Stunden. Für die Teilnehmenden ist sie kostenlos. Die nächste Gruppe soll im kommenden Frühjahr starten.

Über Suizid sprechen

Birgit Brachat wünscht sich noch mehr Enttabuisierung des Themas in der Gesellschaft. Denn darüber zu sprechen, könne so hilfreich sein: "Es gibt ganz viele Menschen in einer ähnlichen, vergleichbaren oder derselben Situation, und die haben ein offenes Ohr."

Warum wir von "Suizid" und nicht mehr von "Selbstmord" sprechen sollten. Sensible Sprache ist wichtig: "Worte hinterlassen Spuren".

Stefan Hannen arbeitet seit sieben Jahren beim AKL und schätzt das Zusammensein sehr: "Ich würde gern sagen, dass es kein Job ist, sondern ich darf arbeiten gehen." Wenn er von Suizid spricht, sagt er "suizidieren" oder "sich das Leben nehmen". Andere Begriffe seien ihm zu gewaltvoll oder erzeugten Bilder, die er unpassend findet.

Wichtig ist ihm vor allem, dass Menschen aufeinander achten und nachfragen, denn das könne viel Positives bewirken: "Ein Gespräch oder ein Nachfragen kann Leben retten."

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