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Vom "menschlichen Hahnenkampf" ins Zentrum der Macht

Дата публикации: 09-06-2026 08:34:26

Am 14. Juni wird ein Oktagon, der Käfig in dem MMA-Kämpfe ausgetragen werden, vor dem Weißen Haus stehen. Laut UFC eines der größten Events der Unternehmensgeschichte. Donald Trump erwartet die "besten Kämpfer der Welt“. Das Event polarisiert.

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Donald Trump bei einem MMA-Kampf

Die UFC und Donald Trump Vom "menschlichen Hahnenkampf" ins Zentrum der Macht

Stand: 09.06.2026 • 10:34 Uhr

Am 14. Juni wird ein Oktagon, der Käfig in dem MMA-Kämpfe ausgetragen werden, vor dem Weißen Haus stehen. Laut UFC eines der größten Events der Unternehmensgeschichte. Donald Trump erwartet die "besten Kämpfer der Welt“. Das Event polarisiert.

Das Licht in der Arena ist gedimmt. Nur die riesigen LED-Wände und weiße Kamerablitze tauchen die Halle, in der sonst die Milwaukee Bucks rund um NBA-Superstar Giannis Antetokounmpo spielen, in dramatisches Licht. Aus den Lautsprechern dröhnt Pathosmusik. Tausende Delegierte stehen auf, schwenken Schilder, filmen mit ihren Handys, als Dana White auf die Bühne tritt. Als wäre man nicht auf dem Parteitag der Republican National Convention in Milwaukee 2024 mitten im Wahlkampf, sondern dem Einlauf zu einem Titelkampf in Las Vegas.

"Guten Abend, Ladies und Gentlemen, ich bin Dana White. Ich bin CEO and Präsident der Ultimate Fighting Championship." Im Saal brandet Jubel auf. "Betrachte es als den größten Kampf, den du je erlebt hast, ein Kampf für unser Land und für die ganze Welt", zitiert White eine Nachricht von Donald Trump an ihn. Es sei für ihn, Trump, eine große Ehre, dass White die Einführung auf dem Republican National Convention übernehmen werde: "Dieser Mann, Trump, kandidiert für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Er kämpft für die Zukunft dieses Landes", holt White aus. "Ich bin seit 25 Jahren mit diesem Typen befreundet. Ich sage euch, was ich weiß (…). Präsident Trump ist ein Kämpfer."

Mehr als eine persönliche Freundschaft

Die Verbindung zwischen Trump und der UFC ist längst mehr als eine persönliche Freundschaft mit Dana White. Über Jahre wurde die UFC zu einem Ort, an dem Trump auch dann noch öffentliche Unterstützung fand, als viele traditionelle Institutionen und Teile der Wirtschaftselite nach dem Sturm auf das Kapitol auf Distanz gegangen waren.

Als Trump 2023 in Manhattan angeklagt wurde, erschien er nur wenige Tage später bei einem weiteren UFC-Event und wurde dort von "USA! USA!"-Rufen empfangen. Die UFC bot Trump etwas, das ihm andere Bühnen nicht mehr geben konnten: Bewunderung ohne Vorbehalt und Zugang zu einer Wählergruppe, die später zu seinem politischen Markenkern werden sollte: Junge politikverdrossene Männer. Und Trump gab der UFC etwas zurück, wonach die Organisation jahrzehntelang gesucht hatte: politische Legitimität.

Die UFC wurde unter Trump nicht nur zu einer Sportliga, sondern zu einem Treffpunkt verschiedener Machtmilieus: Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Mark Zuckerberg, Podcaster wie Joe Rogan, Prominente wie Kid Rock, die Glücksspiel- und Casino-Elite von Las Vegas, Käfigkämpfer und konservative Politiker teilen dort dieselben VIP-Logen.

"Ich sage das seit 2015. Ich bin im Tough-Guy-Business", erklärt White und sagt über Trump: "Und dieser Mann ist der härteste und widerstandsfähigste Mensch, den ich je getroffen habe. Je höher der Einsatz, desto härter kämpft er. Dieser Typ gibt niemals auf." Der Jubel schwillt erneut an.

Grenzen zwischen Staatsmacht und Kampfsport verschwimmen

Trump verstand früh, was die UFC groß gemacht hatte: Geschichten von Helden und Gegnern. Von Sieg und Niederlage. Vor allem aber von einem ständigen Kampf. Und niemand formuliert diese Erzählung an diesem Abend deutlicher als Dana White: "Was steht also auf dem Spiel? Die Antwort darauf steht in Präsident Trumps Nachricht und ich zitiere: 'Ein Kampf für unser Land.'"

Dana White bei der Republican National Convention in Milwaukee 2024

Die Halle tobt, als Dana White Donald Trump ankündigt. Nur wenige Tage zuvor war Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler Ziel eines Attentats geworden. Eine Kugel hatte ihn gestreift. Mit einer weißen Bandage am Ohr betritt er in Milwaukee die Bühne. Auf den LED-Wänden hinter ihm erscheint das Weiße Haus. Für einen Moment verschwimmen alle Grenzen: Präsident und Kämpfer, Politik und Unterhaltung, Staatsmacht und Kampfsport.

Vor diesem Hintergrund wirkt die jüngste Entscheidung zu Ehren von Donald Trumps 80. Geburtstag und dem 250-jährigen Jubiläum der Entstehung der USA, ein MMA-Kampfevent im Weißen Haus mit dem Titel "UFC Freedom 250" zu veranstalten, beinahe wie ein logischer Schluss. Und das, obwohl MMA-Kämpfe in den 90er Jahren noch in großen Teilen der USA verboten oder streng limitiert waren, nachdem der damalige republikanische Senator und spätere US-Präsidentschaftskandidat John McCain die UFC öffentlich als "human cockfighting", also als Hahnenkämpfe zwischen Menschen, bezeichnet hatte.

Damals galt die Organisation für viele Kritiker als Sinnbild einer entgrenzten Gewaltkultur. In den folgenden Jahren versuchte die UFC, sich von diesem Image zu lösen. Die Organisation professionalisierte ihre Strukturen, arbeitete eng mit staatlichen Sportkommissionen zusammen, etwa um die Kämpfe durch das Einführen von Gewichtsklassen, Zeitlimits und Handschuhen zu regulieren. 2013 ergänzte die UFC diese Entwicklung durch einen Verhaltenskodex für Athleten, der auch Gewalt, sexuelle Übergriffe und anderes Fehlverhalten ausdrücklich adressiert. Trotzdem standen in den vergangenen Jahren immer wieder UFC-Kämpfer wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt, sexueller Übergriffe oder anderer Gewaltdelikte in der Öffentlichkeit.

MMA-Kämpfe vor dem Weißen Haus

Am 14. Juni wird nun ein Oktagon, der Käfig, in dem MMA-Kämpfe ausgetragen werden, auf dem South Lawn des Weißen Hauses stehen. Erwartet wird laut UFC eines der größten Events der Unternehmensgeschichte. Donald Trump erklärt, bei dem Event würden die "besten Kämpfer der Welt" antreten. UFC-Präsident White erklärt im eigenen Werbeclip: "Amerika wurde durch wagemutige Ideen aufgebaut - und am, 14. Juni werden wir die verwegenste Idee der Sportgeschichte verwirklichen." Während um die 4.000 Gäste direkt am Käfig sitzen sollen, rechnet die UFC insgesamt mit rund 85.000 Besuchern auf dem angrenzenden Gelände der "Ellipse".

Ein erheblicher Teil der Tickets ist für Militärangehörige und ihre Familien reserviert. Dana White kündigte außerdem zahlreiche prominente Gäste aus Sport, Unterhaltung und Wirtschaft an, darunter NFL-Legende Tom Brady, Schauspieler Jason Statham und weitere prominente Unterstützer der UFC. Medienberichten nach soll die Veranstaltung rund 60 Millionen Dollar kosten. Auch das Sicherheitsaufgebot dürfte außergewöhnlich werden. UFC-Präsident Dana White sprach bereits öffentlich über mögliche Scharfschützen auf den Dächern des Weißen Hauses.

Die Veranstaltung polarisiert. Selbst Podcast-Host und MMA-Fan Joe Rogan bezeichnete die Veranstaltung angesichts internationaler Konflikte als "seltsam" und fragte, ob ein Kampfsport-Spektakel vor dem Weißen Haus "mitten in einem verdammten Krieg" der richtige Ort und Zeitpunkt sei.

Kritik gibt es jedoch nicht nur an der Symbolik eines Käfigkampfs vor dem Weißen Haus. Wenige Tage vor der Veranstaltung reichten zwei Bürger aus Virginia Klage gegen das Event ein. Sie argumentieren, die Veranstaltung verschaffe sowohl der UFC als auch Donald Trump wirtschaftliche und politische Vorteile und missbrauche die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten. In der Klageschrift verweisen sie auch auf Trumps langjährige Nähe zur UFC und Berichte über eine Beteiligung von Trump am UFC-Mutterkonzern.

Schwere Vorwürfe gegen einen Kämpfer

Auch die Auswahl der Kämpfer wirft Fragen auf, die über die grundsätzliche Kritik an einem Käfigkampf auf dem Gelände des Weißen Hauses hinausgehen. Denn ausgerechnet gegen einen der Athleten, der bei der Jubiläumsveranstaltung als Aushängeschild amerikanischer Stärke und Erfolgsgeschichte inszeniert werden soll, liegen schwere Gewaltvorwürfe, laufende Ermittlungen und Verfahren wegen häuslicher Gewalt und Vergewaltigung vor.

Die Sportschau hat Vorwürfe in mehreren Fällen, Ermittlungen und Gerichtsakten aus einem Verfahren ausgewertet. Sie führen zu einem Kämpfer, der wenige Tage vor seinem Auftritt vor dem Weißen Haus nicht nur um einen weiteren Titel kämpft, sondern gleichzeitig mit Vorwürfen von häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen und Stalking konfrontiert ist. Auf Anfrage der Sportschau haben sich weder das Weiße Haus, noch die UFC oder der Kämpfer selbst geäußert.

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