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„Vertrauen verloren“: Laura Strohschneider erklärt ihren CDU-Austritt

Дата публикации: 09-08-2026 06:56:00

Die Chefin der Jungen Union (JU) Brandenburg, Laura Strohschneider, gab vor wenigen Tagen ihren Posten auf und trat aus der CDU aus. In ihrem Gastbeitrag liefert se eine bitterböse Abrechnung mit der Merz-Partei – und eine kleine Hoffnung.

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Die Chefin der Jungen Union (JU) Brandenburg, Laura Strohschneider, gab vor wenigen Tagen ihren Posten auf und trat aus der CDU aus. In ihrem Gastbeitrag liefert se eine bitterböse Abrechnung mit der Merz-Partei – und eine kleine Hoffnung.

Am 30. Juli habe ich meine Ämter zurückgegeben und bin aus der CDU ausgetreten. Gut zweieinhalb Jahre zuvor hatte ich bei meiner Kandidatenvorstellung zur Wahl als Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg in Guben erklärt, warum ich mich in der Union engagiere.

Ich sagte: „Für mich stand und steht die CDU für Vernunft und Verlässlichkeit. () Nur die Union belohnt Leistung und lässt dabei gleichzeitig niemanden auf der Strecke.“

Mein Austritt aus der CDU: Kein Sinneswandel, sondern eine Bilanz

Ich habe das damals mit vollster Überzeugung gesagt und ich halte meine Austrittserklärung vom 30. Juli genauso für richtig. Was dazwischen liegt, ist kein Sinneswandel. Es ist eine Bilanz.

Als die Ampel Ende 2024 zerbrach, war meine Motivation auf dem Höhepunkt, wie die vieler anderer CDU-Mitglieder auch. Jedem war klar, wie es um Deutschland steht und dass sich etwas ändern muss. Wir haben Wahlkampf dafür gemacht, dass die CDU regieren und das Land „wieder nach vorne“ bringen kann. Und wir hatten ein Wahlprogramm, das die richtigen Schwerpunkte setzte.

Etwa in diesem Punkt: „Die Belastung durch Steuern und andere Abgaben in unserem Land ist zu hoch. Wir brauchen daher eine Agenda für die Fleißigen, eine breite Entlastung für die Bevölkerung: Wer mehr leistet, muss sich mehr leisten können.“

Solche Sätze befeuerten meine Überzeugung, für die richtige Partei zu kämpfen. Dann traf das Wahlprogramm auf die Wirklichkeit.

Laura Strohschneider, Jahrgang 1996, trat 2016 in die CDU ein. Als Ostbeauftragte gehörte sie kooptiert dem Bundesvorstand der Jungen Union Deutschlands an. Ab Dezember 2023 war sie Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg. Am 30. Juli 2026 hat sie ihre Ämter zurückgegeben und die Partei verlassen. Beruflich führt sie ein Unternehmen im Immobilienbereich im sachsen-anhaltischen Zerbst. Zudem promoviert sie in Rechtswissenschaft an der Universität Jena.

  • Versprochen war, an der Schuldenbremse des Grundgesetzes festzuhalten.

Bekommen haben wir, sogar noch vor dem Zusammentritt des neuen Bundestages, eine Grundgesetzänderung mit Ausnahmen von der Schuldenbremse. Was wir eigentlich brauchen, ist eine Rückkehr zu einer generationengerechten Haushaltspolitik.

Versprochen und schließlich gebrochen: Ein Muster der CDU
  • Versprochen waren spürbare Entlastungen, vor allem für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen. Auch die Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz sollte deutlich erhöht werden. Die Sozialversicherungsbeiträge sollten sich wieder in Richtung der 40 Prozent bewegen und der Solidaritätszuschlag ganz abgeschafft werden.

Geplant sind statt der anvisierten großen Steuerreform nun Entlastungen von nur 10 Milliarden Euro, gegenfinanziert unter anderem über eine ausgeweitete „Reichensteuer“. Die Sozialabgaben liegen auf Rekordhoch und werden weiter steigen. Der Rest-Soli bleibt. Was wir eigentlich brauchen, sind Entlastungen, die groß genug sind, um einen Aufschwung hervorzurufen, und für die Fleißigen wirklich spürbar zu werden.

  • Versprochen war Strom, der für alle schnell und spürbar günstiger wird. An der Option Kernenergie wollte man festhalten.

Die anvisierte Senkung der Stromsteuer für alle wurde durch den Koalitionsvertrag noch zugesagt und dann für private Haushalte doch gestrichen. Vom Wiedereinstieg in die Kernenergie ist keine Rede mehr. Was wir eigentlich brauchen, ist bezahlbare Energie – für alle und nicht nur für ausgewählte Bereiche.

Die Union hat Angst vor dem Bruch der Koalition

Das sind Beispiele, keine vollständige Liste. Dass man in einer Koalition Kompromisse machen muss, versteht sich von selbst. Die Gretchenfrage ist eine andere: Wie weit dürfen die Ergebnisse dieser Kompromisse von dem entfernt liegen, was man dem Wähler kurzzuvor voller Überzeugung und richtigerweise als unabdingbar für die Zukunft des Landes erklärt hat?

„Machen statt reden. Regieren statt streiten“ – so stand es im Programm. Geliefert wurde eine Regierung, die vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, und eine Union, die aus Angst vor dem Bruch der Koalition genau die Reformen verschiebt, die sie selbst für zwingend erklärt hat.

Nach meiner Entscheidung habe ich viele Zuschriften bekommen. Eine ging mir besonders nach. Ein Mann, 75 Jahre alt, schrieb: „Ich war mein Leben lang selbständig, bin mit 68 Jahren in Rente gegangen und habe ewig CDU gewählt. Ich bin so enttäuscht, keinem glaube ich mehr etwas.“

Der eigentliche Schaden: Verlorenes Vertrauen

Das ist der eigentliche Schaden. Verlorenes Vertrauen, das sich nicht per Beschluss zurückholen lässt.

Es kamen auch andere Nachrichten: Gerade weil ich die Probleme erkenne, müsse ich doch bleiben, um etwas ändern zu können. In diesen Worten finde ich meine eigenen Gedanken von vor gut einem Jahr wieder. Auf meinem PC liegt ein Dokument von Anfang April 2025, geschrieben von mir zur Vorbereitung auf ein Pressegespräch über die Grundgesetzänderung zur Schuldenbremse.

Zitat: „Mir bereitet die aktuelle Lage auch viel politischen Herzschmerz. Ich bin aber Parteimitglied, um daran mitzuarbeiten, dass sich Parteipositionen in die richtige Richtung entwickeln. Deshalb ist ein Austritt für mich keine Option. Wir müssen gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten – und dafür ist die CDU nach wie vor die beste politische Kraft in Deutschland.“

Im April 2025 hatte ich noch Hoffnung - heute nicht mehr

Der Unterschied zu heute ist die Hoffnung. Im April 2025 habe ich noch daran geglaubt, dass die Union den Mut und die Kraft für die konsequente Umsetzung der Reformen aufbringen wird. Heute warte ich nicht mehr darauf.

Was müsste sich ändern, damit ich zurückkomme? Im Kern geht es nur um eine Sache: Ich wünsche mir eine CDU, die an ihren Überzeugungen festhält und sich von der SPD nicht durch die Manege führen lässt.

Die Zuschrift des 75-jährigen Mannes endete nicht mit der Enttäuschung. Sie endete mit der Hoffnung, dass ehrliche Arbeit in der Politik irgendwann wieder Erfolg hat. Das Anliegen meiner Sätze aus Guben stimmt für mich immer noch. Nur der Adressat stimmt nicht mehr. Ich würde mich freuen, wenn die CDU mich widerlegt.

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